Es geht also einerseits um die Integration „der Anderen“, andererseits um Partnersuche, erste Liebe und Ablehnungserfahrungen.
„Die Anderen“ sind in Hinos Internats-Saga keine eben erst zugezogenen Schüler mit Migrationshintergrund, die sich im Regelsystem ihrer neuen Heimat noch nicht zurecht finden, sondern die Angehörigen der „Night Class“ – allesamt Vampire. Die regulären Schülerinnen der „Day Class“ fühlen sich – in Übereinstimmung mit dem Blutsauger-Mythos – von der erotischen Ausstrahlung der Nachtklässler angezogen, während die Vampire ihrer Art entsprechend zum Menschenblut drängen.
Damit die wechselseitige Attraktion nicht in die Katastrophe führt, die in „Vampire Knight“ eine orgiastische Verschmelzung von „Day“ und „Night Class“ wäre, hat die Internatsleitung das Amt des Guardian geschaffen: eine Mischung aus Klassensprecher und Schutzengel, der verhindern soll, dass Menschen und Vampire im Internat fröhlich Körpersäfte austauschen.
Wir präsentieren den Publikumspreis. Alle dürfen, sollen, müssen abstimmen. Mehr dazu in unserem Spezial Sondermann-Preis.
Yuki Kurosu, die Blickführerfigur in „Vampire Knight“, ist ein solcher Guardian. Doch obwohl sie eigentlich die „Day Class“ beschützen soll, schlummert auch in ihr ein Vampir, der nach Befreiung aus den Fesseln der Vorpubertät strebt.
Matsuri Hino gehört in eine Reihe mit Vampirroman-Autorinnen wie Anne Rice, Stephenie Meyer oder Lisa Jane Smith, die das Genre postfeministisch gegen den Stokerschen „Dracula“-Strich gebürstet haben. „Vampirismus“ steht hier für die – aus der Sicht eines Mädchens – unbekannte, unheimliche Erwachsenenwelt, von der [noch] nicht klar ist, ob sie erobert werden kann oder erobert werden sollte – oder ob sie das noch unreife, weibliche Ich absorbieren, aussaugen wird.
Matsuri Hino: Vampire Knight # 9, Carlsen Manga, Hamburg 2010, 192 Seiten, 5,95 Euro.