„Die Wolke“ von Anike Hage war eine Auftragsproduktion. 2007 begann man sich beim Otto Maier Verlag, Ravensburg, darüber Gedanken zu machen, wie im aufstrebenden Graphic Novel-Markt fußzufassen sei, und entschied sich, Gudrun Pausewangs damals 20 Jahre alten Topseller um einen Super-GAU nach Tschernobyl-Muster in einem hessischen AKW für die Form Comic adaptieren zu lassen.
Anike Hage hatte im gleichen Jahr für ihre Reihe „Gothic Sports“ den Sondermann gewonnen. Sie bot sich aufgrund ihres professionellen, gefälligen Strichs, der auf den ersten Blick an „Manga“ denken lässt, geradezu an, um neue, jüngere Leserschichten an den unter dem Label „Schulpflichtlektüre“ in Verruf geratenen Pausewang-Stoff heranzuführen.
2008 erschien die gebundene Ausgabe bei Otto Maier, die aufgrund ihrer Aufmachung, ihres als „bieder“ empfundenen Einbands sowie des relativ hohen Verkaufspreises von der „Generation Manga“ weitgehend abgelehnt wurde. 2010 entschied sich Tokyopop, eine zielgruppenoptimierte Taschenbuchausgabe aufzulegen.
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Im März 2011 havarierten die Reaktoren von Fukushima. Tokyopop musste nachdrucken. Und nun wird „Die Wolke“ in der Taschenbuch-Version für den Sondermann nominiert.
Schade, dass damit zwangsläufig der Eindruck entsteht, Anike Hages klug reduzierende Adaption sei nur aus Aktualitätsgründen preiswürdig. Sie ist es nicht. „Die Wolke“ von Anike Hage ist weder „aktuell“ noch „politisch“ noch „pädagogisch“ – obwohl sich der ehemalige Umweltminister Sigmar Gabriel in einem kurzen Vorwort redlich müht, diesen Eindruck zu erwecken. Hage stellt ihrem Publikum die simple, ganz unaktuelle Frage, ob und wie es mit einer Katastrophe leben können wird. Den Pausewang-Stoff vier Jahre vor Fukushima derart transzendiert zu haben, das ist nun allerdings preiswürdig.
Anike Hage, Gudrun Pausewang: Die Wolke, Tokyopop, Hamburg 2010, 178 Seiten, 6,50 Euro.