Natalie Wormsbechers „Life Tree’s Guardian“ ist ein „Magical Girl“-Manga deutscher Provenienz, in dem germanische Motive – ein Weltenbaum, ein Wächter in Wolfsgestalt, Runenborten auf dem Umhang einer der handelnden Figuren – derart marginalisiert und entkontextualisiert vorkommen, dass sie getrost vernachlässigt werden können.
Viel wichtiger sind die aus Japan übernommenen genretypischen Versatzstücke, vor allem die magische „Anderwelt“, in der sich May, die weibliche Blickführerfigur, bewähren muss, um in ihrer bürgerlichen Existenz erwachsen, zu Liebe und Freundschaft fähig zu werden. „Typisch deutsch“ daran ist möglicherweise, dass May, im Gegensatz zur Genrekonvention, als „verantwortungsbewusste, gute Schülerin“ charakterisiert wird. Oder qualifiziert eine solche Persönlichkeitsbeschreibung heutzutage für eine Rolle als Underdog?
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Alles in allem ließe sich als einziges irgendwie politisches Motiv in „Life Tree’s Guardian“ die Patchworkfamilie ausmachen, die aber, anders als in der deutschen Märchentradition, der Anderwelt zugeordnet ist: Sowohl Wolf, der Wächter des Weltenbaums, als auch Yorik, sein Gegenspieler, sind vaterlos und als Ausgestoßene aufgewachsen. Wolfs Schicksal ändert sich, als Baum und König ihn akzeptieren, Yorik versucht, als bester Magier von allen, Autorität durch Macht und Furcht zu erlangen.
Unter dem Strich erzählt Natalie Wormsbecher ein klassisches Märchen – und zwar aus der Sicht der Prinzessin. Selbst wer eine solche Erzählung als Kitsch für hochwohlgeborene Töchter abtun möchte, wird nicht umhin kommen, Stringenz und Klarheit von „Life Tree’s Guardian“ anzuerkennen. Und solange nicht klar ist, ob alle handelnden Figuren das Ende der Erzählung erleben werden, um hernach ein Leben happy ever after zu führen, verbietet sich eine abschließende „Moral von der Geschicht“ ohnehin.
Natalie Wormsbecher: Life Tree’s Guardian 4, Tokyopop, Hamburg 2010, 176 Seiten, 6,50 Euro.