Schober hat ihrem Publikum mit ihren von einer feindlichen Lebenswelt überforderten, in vielerlei Hinsicht beschädigten Protagonisten ein Angebot gemacht, das dieses dankbar angenommen hat. Ihre Figuren denken und handeln wie Cosplayer, denen die Annahme ihrer Rollen einen „ver-rückten“ Blick auf die Alltagswelt ermöglicht: auf eine Welt, die unwirtlich und unvollkommen ist, gewalttätig, lieblos und bildungsfern.
Zwar scheint eine solche Welt im Regelfall überspitzt gezeichnet, doch wenn, wie jüngst in London, der Regelfall „aussetzt“, verwandeln sich individuelle Haltungen und subjektive Empfindungen in kollektive, nicht zielgerichtete Gewalt gegen Sachen und Mitmenschen. Es entstehen Szenarien, die den von Schober beschriebenen nicht mehr allzu fern liegen, sie manchmal sogar übertreffen.
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Dystopien wie „Personal Paradise“ haben schon immer die Frage in den Raum gestellt, was von unserer Menschlichkeit bleibt, wenn die uns vertrauten, unsere soziale Existenz garantierenden Rahmenbedingungen entweder nicht mehr oder nur noch pervertiert vorhanden sind.
Auf den ersten Blick scheint „Personal Paradise 5“ stärker als seine Vorgänger von der Boulevardwelt entfernt – von Jugendlichen in Streetgangs, Gen-Experimenten, korrupten gesellschaftlichen Eliten, von durch Unterhaltung beschädigter Bildung und gescheiterter Integration – und eher auf irrationale Kräfte wie Liebe oder übersinnliche Phänomene als einzigem Ausweg aus unmenschlichen Lebensbedingungen zu setzen. Als finales Statement der Serie ist diese Flucht in [über]sinnliche Problemlösungsstrategien allerdings passend: Wo die Gesellschaft keine „Paradiese“ mehr liefert, bleibt nur der Rückzug ins Private. Dystopisch!
Melanie Schober: Personal Paradise 5 – Killer Kid II, Carlsen Manga, Hamburg 2011, 196 Seiten, 5,95 Euro.