Nur in diesem Sinne, als Experiment verstanden, ist auch Tobi Dahmens „Fahrradmod“ ein typischer Webcomic, denn die in Arbeit befindliche, semi-autobiographische 400-Seiten-Graphic-Novel um eine Jugend auf dem Lande in den 1980er Jahren entsteht ganz klassisch auf Papier, hat ein einheitliches Format und Seitenlayout und soll am Ende, nach ihrer Fertigstellung, gedruckt und über den Buchhandel vertrieben werden. Warum also wird „Fahrradmod“ in der Kategorie „Webcomic“ nominiert?
Tobi Dahmen weist in seinem Kommentar zur ersten Seite seines Comics auf ein grundlegendes, strukturelles Problem der Arbeit an einer Graphic Novel hin: Aufgrund ihrer Länge vergeht von der Fertigstellung der ersten Seite bis zum Feedback nach der Publikation oft eine Ewigkeit. Und da Zuspruch und kritische Kommentierung in Ermangelung angemessener Vergütung durch einen auftraggebenden Verlag in der Regel die einzige Honorierung sind, die ein ambitionierter Comiczeichner hierzulande erwarten kann, bleiben nicht wenige Projekte unvollendet liegen: Es fehlt an Treibstoff – an Publikum und Motivation.
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Tobi Dahmen hat für sich einen Weg gefunden, diesem Mangel abzuhelfen: Indem er die fertig getuschten Seiten online stellt und um Rückmeldung bittet, nutzt er die Möglichkeiten des Webs, um das Publikum anzufixen, das, wenn „Fahrradmod“ dann eines Tages gedruckt vorliegt, die Printversion ins Regal stellen wird, die es durch seine Anfeuerungsbotschaften auf Fahrradmod.de überhaupt erst ermöglicht haben wird.
Auch so kann ein innovatives Produkt aus dem Webcomic-Labor aussehen.
Tobi Dahmen: Fahrradmod, http://www.fahrradmod.de/comics-de/seite-1/