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Soziale Marktwirtschaft: Der Wert des Geldes

Für die Europäische Zentralbank zählt nur eins: Preisstabilität. Bernd Salzmann zieht Lehren aus der Hyperinflation der 20er Jahre.


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Otmar Issing war nie Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch als Chefvolkswirt und Direktoriumsmitglied der Notenbank spielte der einstige Spitzen-Bundesbanker fast ein Jahrzehnt eine Schlüsselrolle im Frankfurter Eurotower. Bei vielen in der Branche gilt er als Vater der EZB-Strategie, die ihr Handeln an erster Stelle an einem Ziel orientiert: der Preisstabilität.

Mit diesem Auftrag steht sie in der Tradition der Bundesbank und unterscheidet sich deutlich von der anderen großen Notenbank, der Federal Reserve. Die Amerikaner bekämpfen zwar auch die Inflation, doch im Federal Reserve Act sind - anders als in Europa - auch Wachstum und Beschäftigung als Ziele definiert.


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Wer aber hat die Europäische Zentralbank und ihre nationalen Vorgänger in Deutschland, die Bundesbank und die Bank deutscher Länder, dazu bewogen, der Preisstabilität absoluten Vorrang einzuräumen ? Die Antwort fällt nicht schwer: Es waren Walter Eucken und die Freiburger Schule, die den Boden für die Wirtschaftspolitik Ludwig Erhards bereiteten. Euckens Werk "Grundsätze der Wirtschaftspolitik" war übrigens auch das erste volkswirtschaftliche Buch, das der junge Issing erwarb, aus zweiter Hand für 18 Mark. Es hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Für Eucken ist Preisstabilität ein konstituierendes Prinzip der Marktwirtschaft. "Alle Bemühungen, eine Wettbewerbsordnung zu verwirklichen, sind umsonst, solange eine gewisse Stabilität des Geldwertes nicht gesichert ist. Die Währungspolitik besitzt daher für die Wettbewerbsordnung ein Primat", heißt es in den "Grundsätzen". Mit anderen Worten: Entwickeln sich die Preise unberechenbar, löst das Konfusion aus, und das System der Wettbewerbswirtschaft wird auf eine Belastungsprobe gestellt. Es kann sogar zerstört werden.


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Deutschland hat das im vorigen Jahrhundert erlebt. "Nichts hat das deutsche Volk - dies muss immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden - so erbittert, so hasswütig, so hitlerreif gemacht wie die Inflation", notierte einst der Schriftsteller Stefan Zweig. 1922 lag die Inflationsrate bei 5000 Prozent. Beispiele für Hyperinflation sind allerdings auch in den 1980er und 1990er Jahren zu finden - in Bolivien, Argentinien, Peru, Brasilien und der Ukraine.

Kein Zufall also, dass die Bundesbank der Preisstabilität alles unterordnete. Selbst Kritiker des rigiden Kurses der europäischen Notenbank verkennen die große Gefahr, die von einer Inflation ausgeht, nicht. Auch der Keynesianer Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser und Professor in Würzburg, trichtert seinen Studenten ein, dass "Geld nur dann seine Funktion erfüllen kann, wenn sein Wert über die Zeit hinweg stabil ist".

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Autor:  BERND SALZMANN
Datum:  2 | 7 | 2008
Seiten:  1 2
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