Wiesbaden. Die hohe hessische Richterin Karin Wolski hat am Mittwoch Rücktrittsforderungen "mit Nachdruck" zurückgewiesen. "Ein Rücktritt von meinem Amt kann nur in einem Fehlverhalten meiner eigenen Person begründet sein, nicht im eventuellen Fehlverhalten von Familienangehörigen", hieß es in einer Pressemitteilung der Richterin. Es war das erste Mal, dass sie so Stellung nahm. Wolski ist Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts Frankfurt und Richterin am hessischen Staatsgerichtshof.
Ihr Mann steht vor Gericht, weil er Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben soll. Im Prozess war bekanntgeworden, dass auch Karin Wolski jahrelang keine Steuererklärung abgegeben haben soll. Außerdem habe sie mehrere Autos unter einer Scheinadresse angemeldet. Gegen Karin Wolski wird nicht ermittelt, es gibt auch kein Disziplinarverfahren gegen sie. Die Richterin betonte, die zuständigen Stellen hätten "den Gesamtsachverhalt umfassend geprüft und bewertet". Sie seien übereinstimmend zu dem Ergebnis gelangt, "mir keinen Vorwurf zu machen".
Wolski erklärte, "ohne Zweifel" habe ihr Ehemann Fehler gemacht. "Unter den Folgen dieser Handlungen leiden er, meine Familie und nicht zuletzt ich nun bereits seit Jahren." Die Zurückhaltung, die ihr Richteramt gebiete, verbiete es ihr, sich in der Öffentlichkeit "adäquat" gegen Anfeindungen zu wehren. Sie kritisierte, "dass aus dem politischen Raum nun eine politische Einflussnahme des Justizministeriums gefordert wird".
Wolskis Amtszeit am Staatsgerichtshof läuft bis 2011. Bei einem Rücktritt würde ihr Klaus Scheuer, der Präsident des Landgerichts Gießen, folgen. Der bisherige Stellvertreter Hans-Henning Lohmann schied aus Altersgründen als Nachrücker aus. (pit)

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