Alle freiwilligen Leistungen für die Schulen hatte Schuldezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) einfrieren wollen. Aus Geldmangel. Auch die 560 Euro für quietschgelbe Schulkäppis, die alle Wiesbadener ABC-Schützen an ihrem ersten Schultag bekommen, sollten gestrichen werden - eine wohlhabende Stadt wie Wiesbaden kann sich 560 Euro nicht mehr leisten.
Doch diese Peinlichkeit, an solch einer mickrigen Summe zu sparen - pro Grundschule wären es nicht mal ganz 16 Euro gewesen - wollte der Ortsbeirat Westend zumindest den künftigen Blücherschülern ersparen. Mehrheitlich beschloss das Stadtteilparlament, der Blücherschule 25 Euro für die Mützchen zu spenden.
"Sie haben einen enormen symbolischen Wert" sagte Ortsvorsteher Michael Bischoff (SPD). Die Fünf- und Sechsjährigen seien nämlich stolz auf ihr Käppi, weil daran jeder erkenne, dass sie jetzt ein Schulkind sind, zu den "Großen" gehören. Und dieses Gefühl sollte ihnen wegen 560 Euro genommen werden. Auch sollen die Jungen und Mädchen mit ihren signalfarbenen Mützchen auf der Straße besser auffallen und Autofahrer zur erhöhten Vorsicht ermahnen. "Erst stirbt die Jugendverkehrsschule und nun auch noch die Käppis, die für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen sollen", ärgerte sich Bischoff.
Viele Eltern hätten nur noch den Kopf über die Rathauspolitiker und deren abenteuerliche Entscheidungen geschüttelt. "Es ist doch schizophren, über solche lächerlichen Beträge überhaupt zu diskutieren", echauffierte sich Bischoff weiter. Die Ersparnis laufe gegen Null, aber die Empörung ins Unendliche. Um wenigstens die Westendler wieder halbwegs mit der Politik zu versöhnen, springe der Ortsbeirat in die Bresche.
"Wir können damit ein Zeichen setzen, wie peinlich die Debatte über die Mützen ist", sagte Maria Sümmer-Rösing (Grüne). Reinhard Völker, der auch für die CDU im Stadtparlament sitzt, hätte die 25 Euro auch aus seinem eigenen Portemonnaie gezupft. Das war aber dank der Mehrheit in dem Ortsbeirat nicht nötig. Die Summe soll aus den Verfügungsmitteln des Gremiums beglichen werden. Andere Ortsbeiräte hätten Bischoff zufolge die gleiche Idee gehabt.
Mehrere Zuschüsse bewilligt
Doch das ist inzwischen nicht mehr nötig. Schuldezernentin Scholz hat die Streichung dieser freiwilligen Leistung rückgängig gemacht. "Wir bezahlen die Mützen", sagte sie der FR am Freitag. Alle anderen freiwilligen Leistungen, die Scholz Mitte Dezember pauschal und ersatzlos canceln wollte, würden nun einzeln geprüft, sagte sie weiter.
Das therapeutische Reiten beispielsweise werde die Stadt doch weiter bezuschussen. Und die Carl-von-Ossietzky-Schule könne ihre Partnerschaftsreise nach Kfar Saba unternehmen. Eine entsprechende Anfrage des Oberstufengymnasiums habe sie gerade positiv beschieden, sagte die Schuldezernentin.
Die Blücherschule bekommt die versprochenen 25 Euro übrigens trotz der Entscheidung der Dezernentin. Das Gremium stecke der Grundschule regelmäßig was zu, sagte Ortsvorsteher Bischoff. Entweder für die Schalldämmung eines Klassenzimmers oder für Computer. Auch Bücher hat der Ortsbeirat der Europaschule schon spendiert und sich an der aufwändigen Umgestaltung des Schulhofs beteiligt.

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