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Asuman Bayraci: Verletzt und traurig

Wie leben Muslime hierzulande ihre Religion aus? Welche Ansichten vertreten sie? Was sagen sie zum Streit über den Moscheebau? Lesen Sie die Kurzporträts von fünf Muslimen. In diesem Artikel: Asuman Bayraci.

Nein, es macht sie nicht wütend. Wut ist das falsche Wort. Dass Hausen derart hohe Wellen schlägt, Angst vor Islamisierung aufkommt, Minarette neben Kirchen als Bedrohung verstanden werden, macht Asuman Bayraci eher traurig. Verletzt sie auch, lässt sie ausgegrenzt fühlen aus dem Land, das doch auch ihres ist. Die 40-Jährige ist in Frankfurt geboren, mit deutschen Freunden aufgewachsen, heimisch in der westlichen Kultur, sagt sie.

Dass sie gläubige Muslima ist, ist für Asuman Bayraci da kein Widerspruch. Dabei ist sie sogar eine Hadsch, hat die Wallfahrt nach Mekka gemacht, die alle gläubigen Muslime unternehmen sollen. Die Vorurteile gegen den Islam, die nun auch in Frankfurt kursierten, hätten nichts mit ihrer Religion zu tun: "Islam kommt von Selam und das bedeutet Frieden."

So empfindet es die Diplomkauffrau auch nicht als problematisch, dass die Moschee gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche entstehen soll. "Wir sind mit Kirchen aufgewachsen, stören uns nicht an Kreuzen. Ich verstehe nicht, warum es zu Gereiztheiten kommen sollte." Sie würde sich wünschen, dass Moscheen, Kirchen und Tempel wie in vielen asiatischen Ländern nebeneinander stehen. Das könnte doch gerade auch hier wunderbar sein.

Bayraci trägt seit 20 Jahren Kopftuch, hat Stellung bezogen, sagt sie, auch wenn ihre Freunde das nicht verstanden, ihrFrauen-Unterdrückung im Islam vorhielten. Für sie war nur klar: "Jede Frau soll selbst entscheiden wie sie ihre Religiosität ausdrückt."

Diese Toleranz müsse für Moscheen gelten. Auch wenn sie eher selten eine besucht, versteht sie, dass immer mehr Moschee-Vereine bauen wollen. "Das sind ja nicht nur Gebetshäuser, sondern soziale Zentren." Sich treffen, austauschen, gesellig sein - "das will man dort, wo man Menschen aus dem eigenen Sprachraum trifft."

Konflikte wie in Hausen zeigten, dass sich islamische Vereine mehr öffnen müssen, sagt sie, Kirchen aufeinander zugehen sollten. Vorbehalte ließen sich auch überwinden, wenn es hier Imamschulen gäbe und Prediger, die in der westlichen Kultur aufgewachsen sind, ist sie überzeugt.

ana

Datum:  7 | 11 | 2007
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