Hannover/Berlin. Das Salzbergwerk Asse war von der Politik offenbar schon früh als Endlagerstätte für hochradioaktiven Müll auserkoren worden. Zu Beginn der Beweisaufnahme des Asse-Untersuchungsausschusses des Niedersächsischen Landtags wurden am Donnerstag Einflussversuche der jeweiligen Forschungsminister bekannt.
So heißt es in einem Gesprächsvermerk des Oberbergamts Clausthal-Zellerfeld von Juli 1965, dass "die Asse nach dem Willen des Ministers für wissenschaftliche Forschung unter allen Umständen für die Lagerung hochaktiver Stoffe wie ausgebrannter Kernbrennstoffe verwendet werden solle". Amtsinhaber war damals der FDP-Politiker Hans Lenz.
Bis 1978 wurden dann 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in das Bergwerk verbracht. Aber auch nach dem Einlagerungsstopp wollte das Forschungsministerium - Amtsinhaber war der SPD-Politiker Volker Hauff - seine Pläne für ein umfassendes Nuklear-Endlager in der Asse laut Aussage des ehemaligen Abteilungsleiters beim Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld, Jürgen Schubert, nicht aufgeben. "Das hat das Land aber abgelehnt", erklärte der Zeuge.
Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel?
Nach seinen Angaben befindet sich unter Tage mit "23 bis 26 Kilogramm" weit mehr Plutonium als bisher geschätzt. Die Angaben Schuberts waren bereits vor Jahren vom Ex-Asse-Betreiber, der Helmholtz-Gesellschaft, als zu hoch beurteilt worden. Die Unstimmigkeiten zwischen der von ihm genannten Menge von bis zu 26 Kilogramm Plutonium und der offiziell bekannten Zahl von 11,8 Kilo erklärt sich wohl durch verschiedene Rechenmodelle. Schubert ist offenbar stets von zu hohen Liefermengen ausgegangen.
Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel schließt auch eine Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht aus. Es gebe Hinweise darauf, dass sich Merkel 1995 als Umweltministerin gemeinsam mit Forschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) für die Flutung mit einer Salzlösung zur Schließung der Asse ausgesprochen habe, sagte Wenzel der FR.