Die Fotografen warteten am Sonntagabend vergeblich auf das Bild des Abends. Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) schüttelte ihrem im ersten Wahlgang knapp überlegenen Herausforderer Michael Korwisi (Unabhängiger/ Grüne) nicht mal anerkennend die ausgestreckte Hand.
Mit 39,3 Prozent der Wählerstimmen zog er knapp an der Amtsinhaberin vorbei; nur 39 Prozent votierten für Jungherr. 21,7 Prozent erzielte Karl Heinz Krug als Neubürger - für die SPD ein mehr als achtbarer Erfolg. Vor sechs Jahren noch konnte Jungherr das Amt mit 51,7 Prozent gegen vier Herausforderer gleich im ersten Wahlgang gewinnen. Am 10. Mai, dem Tag der nun nötigen Stichwahl, wird es also richtig spannend in der konservativen Kurstadt, in der das Diktum umgeht, man könne hier einen Besenstil mit dem Etikett "CDU" aufstellen und er werde noch gewählt.
Ursula Jungherr, CDU 39,0 % Michael Korwisi, unabhängig 39,3 % Karl Heinz Krug, SPD 21,7 % In der Stichwahl am Sonntag, 10. Mai, stehen sich damit Amtsinhaberin Jungherr und der unabhängig von seiner Partei antretende Grünen- Politiker Korwisi gegenüber.
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Krug setzt auf Sieg für Korwisi
"Alles spricht dafür, dass Korwisi es schafft", sagte Krug, der dem Grünen Ex-Stadrat als Erster herzlich gratulierte. Das Ergebnis sei für die CDU "ein Donnerschlag", sie sei damit "eigentlich erledigt", kommentierte der SPD-Mann, der seine Genossen aus dem Ypsilanti-Tief herauskatapultierte. Bei der Landtagswahl im Januar kam die SPD nur noch auf 13,6 Prozent.
Mit Korwisis großem Erfolg hatte nicht mal er selbst gerechnet. Der Ex-Stadrat feierte am Sonntag seinen 57. Geburtstag und fühlte sich angesichts des unerwarteten Siegs "so, als würde ich beim Marathonlauf ins Ziel einlaufen". Bis dahin will er jetzt zwei Wochen intensiven Wahlkampf auch bei den Krug-Wählern führen und beweisen, dass er nicht nur der "Kirdorfer Bub" ist, sondern auch etwas von Geld versteht, das in Bad Homburg reichlich zu verwalten ist. Sein Kalkül, nicht als Grüner, sondern mit dem Blau der Unabhängigkeit in den Wahlkampf zu ziehen, ging auf. Er hat prominente Bad Homburger als Unterstützer gefunden, unter anderem den bekannten Jazzmusiker Reimer von Essen. Als einziger Kandidat hat er mit Unterstützung der Grünen Jugend das Internet als interaktives Medium ausgiebig genutzt und bei Twitter einen Blog unterhalten. Als ehemaliger Feuerwehrdezernent und Chef eines Fußballclubs spricht er nicht nur typische Grünen-Wähler an.
Die Bilder des Abends zeigen die Oberbürgermeisterin mit einem Ausdruck des Entsetzens im Gesicht. Die 62-jährige Amtsinhaberin gab sich zwar äußerlich zuversichtlich, dass sie in der Stichwahl vorne liegen werde, hat sich aber gestern für zwei Wochen im Rathaus Urlaub genommen, um den Wahlkampf zu verstärken.
Hintergrund des politischen Erdbebens in der CDU-Hochburg sind heftige Zerwürfnisse in der Union. Noch im Dezember hatte der Parteivorstand versucht, den Gynäkologen Alfred Etzrodt als Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt zu installieren. Öffentlich kritisierte der Parteivorsitzende Thorsten Bartsch , die OB könne nicht kommunizieren und zeige zu wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit Bürgerinitiativen.

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