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Bahnhof Dreieich-Buchschlag: Zugige Bahnsteige am Waldrand

Eine S-Bahn-Station im Grünen: Der Bahnhof in Dreieich-Buchschlag bietet Pendlern, die nur ein- und aussteigen möchten, alles. Mehr aber auch nicht. Von Achim Ritz

Wo Pendler ein- und aussteigen: der Bahnhof im Dreieicher Stadtteil Buchschlag.
Wo Pendler ein- und aussteigen: der Bahnhof im Dreieicher Stadtteil Buchschlag.
Foto: Müller/FR

Für Minuten ist der Bahnhof Buchschlag ein Ort angenehmer Stille. Singvögel zwitschern an diesem Frühlingstag, was das Zeug hält. Einen Steinwurf entfernt in den großen Gärten der 1904 durch den Frankfurter Kaufmann Jakob Latscha geschaffenen Villenkolonie hämmern Spechte gegen Bäume.

Eine S-Bahn-Station im Grünen: Vom Wald weht frische Luft auf die drei Bahnsteige. Doch die Idylle ändert sich abrupt. Pfeilschnell zischt auf der viel befahrenen Main-Neckar-Bahnlinie ein ICE vorbei und erzeugt für ein paar Sekunden einen breiten silbernen und schmalen roten Balken. Dem Krach der Waggons folgt der Fahrtwind.

Testnoten
Dreieich-Buchschlag

Erreichbarkeit: gut, etwa mit dem Bus OF 64 4 Punkte

Wege: sind alle okay 4 Punkte

Warten: ziemlich zügig, kein Warteraum 2 Punkte

Service: kein Kiosk, Kaffee aus Automaten 3 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: ganz gut 4 Punkte

Gebäude: Szenekneipe im Bahnhofsgebäude 4 Punkte

Barrieren: kaum welche, zwei Fahrstühle 4 Punkte

Gesamtnote: Der Bahnhof bietet alles, was eine S-Bahnstation, in der viele nur ein- und aussteigen möchten, braucht. 4 Punkte

Fahrgastaufkommen: 5000 Besucher täglich, 172 Züge halten

Zahl der Gleise: 3

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R): ungefähr 120

Zahl der Fahrradboxen: 10

"Hier ist es ziemlich zugig", sagt eine Bahn-Nutzerin, die das Gefühl hat, die DB lasse die Fahrgäste bei schlechtem Wetter im Regen stehen. Das Dach des Bahnhofs steht auf langen gußeisernen Säulen und ist recht hoch. Die Konstruktion wurde dem Darmstädter Ludwigsbahnhof von 1858 nachempfunden. Als die heutige S-Bahnstation vor rund 130 Jahren im italienischen Renaissancestil erbaut wurde, war die Haltestation noch der Bahnhof von Sprendlingen. Die Villen in der benachbarten Waldgemarkung Mitteldick, für die viele Buchen geschlagen wurden, wuchsen erst ein Viertel Jahrhundert später aus dem Boden.

Der Bahnhof Buchschlag ist für viele Pendler einfach nur ein Ort zum Ein- und Aussteigen. "Hauptsache, die Züge kommen pünktlich, mehr brauche ich hier nicht", sagt eine 49-jähriger Frau, die von Buchschlag aus täglich zur Arbeit nach Frankfurt fährt. Nur wenige von der FR befragte Bahnkunden wünschen sich eine Cafeteria oder einen Kiosk an dieser Bahnstation, an der Züge auf der Linie S3 und S4 (Bad Soden, Kronberg und Darmstadt) fahren und wo die Regionalbahn 61 startet.

An den Gleisen in Buchschlag wird mit der seit April 1905 rollenden Dreieichbahn per Dieselloks sozusagen die Brücke durch den Süden des Kreises Offenbach bis zum heutigen Rödermärker Stadttteil Ober-Roden geschlagen. Von dort aus bestand bereits seit 1896 eine Verbindung nach Dieburg, die später vor allem die Arbeiter des Opelwerkes in Rüsselsheim nutzten.

Zurück ins S-Bahnzeitalter. "Seitdem die Frankfurter Rundschau die Bahnhofstests macht, ist es hier viel sauberer geworden," sagt Corinna Molitor aus Dreieichenhain an diesem Morgen in Buchschlag auf Gleis zwei. Der Lehrer Erich Herzig, der um 9 Uhr mit einer Klasse der Sprendlinger Heine-Schule zum Senckenberg-Museum nach Frankfurt fährt, empfindet den Bahnhof als ziemlich laut. Wenn die Fernzüge durchrauschten, sei der Widerhall der von der Lärmschutzwand recht groß.

Die 83-jährige Bahnnutzerin Elfriede Ackermann, die seit 21 Jahren in Sprendlingen wohnt, wünscht sich für die Wochenenden mehr Fahrten der Buslinie 64. Andere auf den Gleisen Befragte kritisieren, dass die Dreieichbahn manchmal schon gestartet sei, bevor die Leute mit der S-Bahn am Nachbargleis ankommen.

Der Buchschlager Bahnhof macht im Vergleich zu manch anderem S-Bahn-Haltepunkt im Rhein-Main-Gebiet einen gepflegten Eindruck, auch wenn hier und da Müll herumliegt, die grüne Schallschutzwand und die Kacheln der Unterführung mit Graffiti übersät sind.

Die Bahn-Nutzer können ihre Fahrräder auf rund 80 Plätzen anschließen oder sie in zehn Boxen sicher abstellen. Der Park-and-ride-Platz bietet Raum für etwa 120 Fahrzeuge. Neben diesem Areal parken täglich 20 Autos auf einer Nachbarfläche, die der Stadt Dreieich gehört.

Der Magistrat der Stadt Dreieich macht kurioserweise mit einem Schild deutlich, dass das Parken dort verboten ist. "Aus Haftungsgründen. Wir dulden das Parken aber", sagt eine Sprecherin des Rathauses. Die Kommune hat kein Geld, das Areal herzurichten und den Park-and-ride-Platz damit zu erweitern. Bedauerlicherweise. Denn dann hätten abends auch die Gäste der Szenekneipe "Endstation" im Bahnhofsgebäude eine Chance, ihr Auto vor dem beliebten Biergarten abzustellen.

Autor:  Achim Ritz
Datum:  17 | 4 | 2010
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