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Bahnhof Groß-Karben: Bruchbude mit S-Bahn-Anschluss

Der Bahnhof Groß-Karben punktet im FR-Bahnhofstest mit einem guten und kostenlosen Parkplatzangebot. Doch ansonsten bietet die Station kaum Komfort. Von Detlef Sundermann

Das Bahnhofsgebäude ist wahrlich kein Aushängeschild.
Das Bahnhofsgebäude ist wahrlich kein Aushängeschild.
Foto: Hoyer/FR

Mit mehr als 4000 Fahrgästen pro Tag kann der Bahnhof Groß-Karben als gut frequentiert gelten. Die S-Bahn bringt den Pendler in der Regel flott nach Frankfurt. Rund 30 Minuten dauert es bis in die Main-Metropole, wenn die S6 auf ihrer Strecke nicht anderen Zügen Vorfahrt geben muss.

Die Stadt Karben honoriert den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr mit einem sehr guten und kostenlosen Parkplatzangebot, bei dem auch an Behinderte, Frauen und Familien mit reservierten Stellplätzen gedacht wurde. Und: In Karben lässt es sich prima mit dem Rad anreisen - zumindest was die Abstellmöglichkeit betrifft. Laut Stadtverwaltung gibt es 470 Stellplätze moderner Art mit Überdachung und in Gleisnähe. Fahrradboxen sucht man allerdings vergebens. Kurze Wege haben auch Busnutzer - die Halteschleife befindet sich nur wenige Meter zum Eingang.

Testnoten
Karben

Erreichbarkeit: sehr gut, aber nicht für Fußgänger. 4 Punkte

Wege: kurze Wege. 4 Punkte

Warten: Hoffen, dass der Zug pünktlich ist. 1 Punkt

Service: gute Information, hilfreiches Personal 5 Punkte

Sicherheit: Nur das Notwendige vorhanden. 2 Punkte

Gebäude: Marode und geschlossen, nur ein S-Bahn-Halt vorhanden 0 Punkte

Barrieren: Nur bedingt barrierefrei (ein Bahnsteig) 2 Punkte

Gesamtnote: Typische Pendlerstation, der es aber in Punkto Sicherheit und Komfort mangelt. 3 Punkte

Besucherzahlen: Mehr als 4000 Reisende pro Tag.

Gleise: 3

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze: 270

Fahrradboxen: 0

Früher, als der Zug noch Eisenbahn hieß, hatte der Fahrgast auch eine Anfahrt. Der Bahnhof lag einst weit vor den Toren des Dorfes, das inzwischen herangewachsen ist. Ein Bahnhofsgebäude sollte für guten Service sorgen und den Aufenthalts für die Wartenden angenehm machen.

Diese Zeiten sind in Groß-Karben leider lange vorbei. Das Bahngebäude gibt sich im äußeren Anschein reif für den Abbruch und ist geschlossen. Dumm nur, dass die Bruchbude heute das Entree des Zughalts bildet und wahrlich keine Werbung für den ÖPNV darstellt.

Dabei ist es um die Infrastruktur des Karbener Bahnhofs gar nicht so schlecht bestellt: Die Parkmöglichkeiten für zwei- und vierrädrige Vehikel sind nur ein Plus. Manche Besorgung lässt sich auf dem Weg zur oder von der Bahn erledigen. Unmittelbar am Ausgang befindet sich eine kleine Ladenzeile mit Fahrradgeschäft, Pizzeria und Postagentur. Weniger als 200 Meter weiter schließt sich ein Gelände mit Supermarkt, Discounter, Drogerie, Café und Schnellimbiss an. An den Automaten lassen sich nicht nur Tickets für den Rhein-Main-Verkehrsverbund, sondern auch für Fernreisen kaufen.

Steht man erst einmal auf einem der drei Bahnsteige, stellt sich ein weniger tolles Gefühl ein. Die Steige sind relativ schmal und immer wieder rauschen Schnellzüge durch die Station. Der kleine Windschutz auf den Plattformen reicht zudem nur für wenige Fahrgäste aus. Ungemütlich gibt sich auch der unterirdische Zugang zu den Bahnsteigen. Rampen tragen zwar zu einer besseren Erreichbarkeit bei - sie wirken aber nicht dem Unbehagen entgegen, dass sich mit dem Betreten der Station zur dunklen Tageszeit einstellt.

Suggerierte Sicherheit

Die soziale Kontrolle ist in Karben - wie bei vielen Kleinstadt-Bahnhöfen auf dem Land - besonders zu den Tagesrandzeiten kaum vorhanden. Große Hinweistafeln gegen das Wegsehen und mit einer Notrufnummer verstärken diesen Eindruck noch und suggerieren nur Sicherheit - ebenso wie die dekorativen Bilder an den Wänden des Fußgängertunnels. Spiegel, die potenzielle böse Überraschungen hinter Ecken verraten, wären die besseren Sicherheitselemente - die gibt es aber nicht.

Das Karbener Parlament hat sich nun für eine Videoüberwachung des Bahnhofsgelände ausgesprochen.

Autor:  Detlef Sundermann
Datum:  22 | 3 | 2010
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