Die besseren Zeiten des Bahnhofs sind längst vergangen, so wie der einstige Ruf Bad Vilbels als Kurstädtchen. Wie ein Symbol dafür wirkt die große Uhr an der Fassade des Bahnhofsgebäudes, die um Stunden nachgeht. Die Station, an der seit einiger Zeit auch wieder Regionalzüge halten, präsentiert sich heruntergekommen und kundenunfreundlich. Schade, denn das stattliche Gebäude und der Vorplatz mit der kleinen Grünfläche bilden ein sympathisches Ensemble.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude, von dessen Vestibül aus es unterirdisch zu den Bahnsteigen geht, ist in einem desolaten Zustand und wird derzeit als Wohnraum und Lager vermietet. Fahrkarten gibt es am Automaten. Vor drei Jahren wurden auf Druck der Stadt eingeworfene Scheiben ersetzt und Schmierereien an den Wänden beseitigt - viel kommoder ist es jedoch nicht geworden. Die Renovierung ist ein Provisorium. Die Bahn will die Immobilie verkaufen. In Vilbel meint es die Deutsche Bahn nicht nur wegen der verfallenden Bauten seit Jahren nicht gut mit ihren Kunden - immerhin mehr als 4000 Personen pro Tag. Auch die Infrastruktur des Kleinstadtbahnhofs wurde sukzessive zurückgestutzt.
Erreichbarkeit: relativ zentrumnah 3 Punkte
Wege: Treppen und langer Tunnel 1 Punkt
Warten: kein Vergnügen 1 Punkt
Service: absolutes Minimum 2 Punkte
Sicherheit & Sauberkeit: viele, viele Wünsche 1 Punkt
Gebäude: trauriger Zustand 1 Punkt
Barrieren: nur für fußfitte Nutzer 0 Punkte
Gesamtnote: Dieser Bahnhof ist weder eine Visitenkarte für die Stadt noch macht er Lust auf Zugfahren 2 Punkte
Fahrgastaufkommen: rund 4000 Reisende pro Tag
Zahl der Gleise: 4
Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R): 230
Zahl der Fahrradboxen: 0
Eine Anpassung des Services an aktuelle Kundenbedürfnisse ist nicht zu erkennen. Fahrradständer in ausreichender Menge und hinreichender Nähe zum Haupteingang sucht man beispielsweise vergebens. Hinter einem maroden Jägerzaun am Hauptgebäude gibt es für rund 20 Velos eine Unterstellmöglichkeit, die aus den 1960er Jahren zu stammen scheint. Auch Pendler mit dem Auto müssen, je nachdem, welchen Stellplatz sie auf dem langgestreckten Park&Ride-Platz erwischen, einen längeren Fußweg in Kauf nehmen. Das Parken ist laut Stadt immerhin kostenlos. Stellplätze für bestimmte Nutzergruppen gibt es nicht.
Aus der Zeit der Dampflokomotiven stammt der Zugang zu den Gleisen. Steile, lange Treppen bringen dem Bahnhof nicht das Prädikat barrierefrei ein. Bahnpersonal, das Gehbehinderten oder älteren Menschen beim Gepäcktragen helfen könnte? Fehlanzeige. Die baulichen Gegebenheiten sollte der Zugreisende daher auch bei den Überlegungen zum Kofferpacken oder bei der Mitnahme des Zweirades einbeziehen. Rampen oder Rinnen an den Treppen gibt es nicht.
Der lange, relativ schmale Fußgängertunnel zu den Bahnsteigen wirkt, zumindest in den verkehrsarmen Zeiten, als Angstraum. Selbst einfache Sicherheitseinrichtungen wie Spiegel, die dem Passanten einen Blick um die nächste Ecke erlauben würden, gibt es nicht. Dieser Zustand soll sich jedoch in zwei Jahren ändern, dann soll die neue barrierefreie Unterführung mit Aufzügen zu den Bahnsteigen fertig sein. Der Tunnel soll mit Kameras überwacht werden. Der seit Jahren geplante Neubau kommt allerdings nur auf Drängen und Vorfinanzierung der Stadt zustande.
Paketstation auf Vorplatz
Die Haltestelle für den Stadtbus und den Omnibus Richtung Frankfurt befinden sich unmittelbar am Bahnhofseingang. Die Wartezeit beim Umsteigen für Besorgungen zu nutzen, ist nur eingeschränkt möglich. Es gibt einen ordentlich sortierten Kiosk und - ohne Hinweisschild - einen ungefähr 200 Meter entfernten Discounter mit Bäckerei. Ein echtes Plus bietet die Post. Auf dem Vorplatz steht eine Paketstation.

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