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Bahnhofstest Flughafen: An der Schnittstelle

Nur noch Fliegen ist schöner - der Fernbahnhof des Frankfurter Airports macht Lust auf mehr. Von Thomas Witzel

Fast wie Fliegen - der Fernbahnhof gibt schon mal einen kleinen Vorgeschmack aufs Reisen mit dem Flugzeug.
Fast wie Fliegen - der Fernbahnhof gibt schon mal einen kleinen Vorgeschmack aufs Reisen mit dem Flugzeug.
Foto: dpa

"Die schmutzigsten Fantasien hat man in den saubersten Betten", wirbt eine Hotelkette großflächig an Gleis vier im Fernbahnhof des Frankfurter Airports. Welche Gedanken, Gefühle oder Assoziationen den Menschen hier, am saubersten und gepflegtesten Platz, den die Bahn nur anbieten kann, in den Sinn kommen, ist nicht untersucht - einen Test ist es allemal wert.

Das Entree ist überwältigend. Wer mit IC oder ICE vom Hauptbahnhof kommend öde Vorstadtarchitektur an sich vorüberziehen lassen muss, die letzten paar hundert Meter gar im Tunnel, wird den Lichtblick goutieren, der sich ihm auftut. Ein Ort des Durchgangs, aber gleichzeitig ein Platz zum Verweilen. So ästhetisch wirkt alles, so stimmig, so gar nicht wie Bahnhof. Eine Zwischenwelt mit Vorahnungen, an der Schittstelle zwischen Bahn und Flieger.

Testnoten
Flughafen-Fernbahnhof

Erreichbarkeit: Zu Fuß und mit Rad beschwerlich 3 Punkte

Wege: Kurze Wege, gut beschildert 5 Punkte

Warten: ein absolutes Highlight, alles top 5 Punkte

Service: Alles vorhanden, manchmal Schlangen 5 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: Besser geht es kaum 5 Punkte

Gebäude: futuristisch, aber ansprechend 5 Punkte

Barrieren: Wenig Familienparkplätze 4 Punkte

Sonstiges: Internationales Flair 5 Punkte

Gesamtnote: Dieser Bahnhof macht Spaß und Lust auf mehr. Sauber und architektonisch beeindruckend. Der Favorit 5 Punkte

Fahrgastaufkommen: rund 17.500 Besucher pro Tag

Zahl der Gleise: 4

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R) -

Zahl der Fahrradboxen: -

Edelstahl als Markenzeichen

Hell gefliest die Böden, nirgendwo klebt oder tropft etwas - der typische Bahn-Reflex, sich die Hände waschen zu müssen, greift hier nicht. Es gibt keine Schmuddelecken. Wo sich etwas absetzen könnte, hat man leicht zu reinigende Schrägen angebracht. Das hier ist eine einzige Edelstahl- und Chromorgie, durchgestylt bis hin zu den Getränkeautomaten, in denen Lifestyle-Wässer in Reih und Glied auf durstige Kosmopoliten warten. Die ICEs haben an diesem Tag zwar auch hier Verspätung. Aber wer warten muss, kann das nobel tun: Fein geschwungene Sitzgelegenheiten, Oberfläche Mahagoni poliert, bilden eine Holz-Klasse der besonderen Art. Und darüber eine Architektur, die kühn und licht zugleich nichts von dem durchzulassen scheint, was das Reisen in diesen Tagen so beschwerlich macht.

Es ist Tag eins nach der Aufhebung des Flugverbots. Erst langsam kommt das System "Menschen unterwegs" wieder auf Touren. Es ist Mittagszeit: Im Zwischendeck über den Gleisen des Fernbahnhofs mischen sich Männer mit Schutzhelmen und gelben Sicherheitswesten unter das fahrende, nun auch wieder fliegende Volk. An den zahlreichen Kiosken und Getränkestationen in der Verbindung zu den Abflug- und Ankunft-Gates sitzen sie, nippen am Cappuccino, fachsimpeln und füllen ihre Wasserflaschen auf. Rauchen dürfen sie nicht. Und das ist gut so.

Die Männer sind Bauarbeiter. An die 1000 sind es zur Zeit. Die meisten arbeiten seit November 2008 hier. Da begann der Innenausbau des Airrail-Centers, das einmal eine "First-Class-Immobilie" werden soll. Auf 660 Metern Länge ist in den vergangenen Jahren auf der Plattform über dem Fernbahnhof eine Immobilie entstanden, die fußläufig mit dem zweitgrößten Flughafen Kontinentaleuropas verbunden sein wird. Hier sollen noch in diesem Jahr Büroflächen, Seminarräume, Geschäfte, Restaurants, Hotels und begrünte Atrien entstehen - mit futuristischer Architektur will man neue Maßstäbe setzen. Das wird auch den Fernbahnhof, so das überhaupt möglich ist, noch einmal aufwerten.

Dort bilden sich jetzt gegen 13 Uhr langsam kleine Menschentrauben an den Service-Centern und vor den Abfahrtsplänen auf den Bahnsteigen. Eines fällt auf: die Hektik anderer Großbahnhöfe, durcheinander krächzende Ansagen, überforderte Bahnmitarbeiter und genervte Reisende - das alles scheint in diesem Bahn-Biotop nicht notwendig. Selbst die sonore Stimme aus dem Lautsprecher, die ankündigt, dass der ICE nach München nun doch 15 Minuten Verspätung hat, klingt beruhigend, geradezu deeskalierend.

Déjà-vu auf dem Klo

Ich gehe noch mal schnell zu den Toiletten am Gleis - das gehört auch zum Test. Mit der Rolltreppe auf die erste Zwischenebene, dort ist der Conference Point von Steigenberger - und ich werde fündig: Auf den ersten Blick okay. Dann aber, beim längeren Verweilen, habe ich so etwas wie ein Geruchs-Déjà-vu: Es riecht wie in der ICE-Toilette. Nicht besonders gut. Ist das etwa eine besondere Art von Corporate Identity?

Um Kosten zu sparen, nehme ich auf der Heimfahrt dann die S-Bahn. Die fährt vom sogenannten Regionalbahnhof auf dem gleichen Gelände, nur zwei Rolltreppen tiefer gelegen, ab. In dieser Art Station kenne ich mich aus. Da fühlt man sich doch gleich wieder wie in Hauptbahnhof tief. Die S-Bahn kommt pünktlich. Zuhause wasche ich mir erst mal die Hände.

Autor:  Thomas Witzel
Datum:  22 | 4 | 2010
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