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Bahnhofstest Frankfurt-Süd: Zum Glück gibt´s den Markt

Der Frankfurter Südbahnhof ist alles andere als ein schöner Ort, aber als wichtiger Verkehrsknoten vor allem für den Nahverkehr effektiv. Von Thomas Witzel

Hat schon bessere Zeiten gesehen - der Südbahnhof, Knotenpunkt in Sachsenhausen.
Hat schon bessere Zeiten gesehen - der Südbahnhof, Knotenpunkt in Sachsenhausen.
Foto: Boeckheler/FR

Ohne Zweifel, er hat das Zeug zum Schmuckstück. Und die feinsinnigen Architekten und Baumeister, die die Empfangshalle mit Jugendstil-Attitüde einst schwarz auf weiß entwarfen, im Jahre 1914, hatten sicher nichts anderes im Sinn als das.

Irgendwann zwischen damals und heute, nach fast komplettem Abriss und der Wiederherstellung wegen des U-Bahn-Baus im Jahre 1984, ist er aber auf der Strecke geblieben - ein Konglomerat von Baustilen, Anbauten, Umbauten und missglückten Modernisierungen: Der Frankfurter Südbahnhof ist keine Schönheit mehr, aber er funktioniert, täglich und unermüdlich, als wichtige Drehscheibe neben den ungleich feineren Brüdern Hauptbahnhof und Flughafen.

Testnoten
Frankfurt Südbahnhof

Erreichbarkeit: Zentral gelegen, wenig Parkplätze 4 Punkte

Wege: Gut beschildert, schneller Zugang 3 Punkte

Warten: Wenig Sitze, wenig Wetterschutz 3 Punkte

Service: Miese Toiletten, zu leise Durchsagen 3 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: sicher: schon, sauber: nein 3 Punkte

Gebäude: war mal schön 4 Punkte

Barrieren: Wenig für Behinderte 3 Punkte

Gesamtnote: Der Bahnhof könnte Charme haben, aber er bleibt eine Zweckkonstruktion, effektiv, aber mit vielen Mängeln. 3 Punkte

Fahrgastaufkommen: rund 22.500 Reisende pro Tag

Zahl der Gleise: 9

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R) -

Zahl der Fahrradboxen: -

Jugendstil oder Achtziger?

Zum Glück gibt es zwei Mal in der Woche den Markt auf dem Diesterwegplatz davor. Da wird man ein bisschen optisch abgelenkt und sinnlich entschädigt für ein Entree, das die Bezeichnung einladend nicht gerade verdient. Wer hinter die dick mit weißer Farbe überkleisterten Sprossentüren am Eingang blickt, findet sich in einer blau-grünen Fliesenwelt mit seltsam anmutender Unaufdringlichkeit wieder. Ist das nun noch Jugendstil oder schon Achtziger-Jahre-Charme? Die Toiletten sind sicherlich aus den Neunzigern - Edelstahl. Aber auch das ist nicht gerade zielfördend, wenn es nicht geputzt und sauber gehalten wird. Die drei Kabinen können zwar kostenlos benutzt werden. Aber wer kann schon fünf Minuten den Atem anhalten. Es stinkt beißend nach Urin. Also doch zu McDonalds links vom Eingang und nach dem Schlüssel fragen. Oder in die Musik-Kneipe, die sonntags immer Live-Auftritte bietet, aber unter der Woche nicht immer geöffnet hat. Oder es wie die Jugendlichen machen, die sich hinter dem hässlichen Waschbeton-Unterstand an Gleis 9 erleichtern.

In der Woche, wenn gerade mal kein Markt ist, kann der Eissalon San Marco in der Eingangshalle ein bisschen aufmuntern, das Eis schmeckt gut und den Cappuccino holen sich sogar Bürogemeinschaften aus Hedderich- und Textorstraße. Der kleine Roll-Kiosk in einer Nische neben dem Eingang zum Hamburger-Anbieter ist gut sortiert - Snickers und Co. gehen gut und Zigaretten gehen eh immer. Von freundlichem Bahnpersonal ist nichts zu sehen, sieht man mal von den beiden blauuniformierten DB-Leuten ab, die den Service-Point neben der Rolltreppe managen, die in den U-Bahn-Bereich führt. Hier kann man auch Fern-Reisen buchen. Der Rest lässt sich an einem der ausreichend vorhandenen Ticket-Automaten ziehen.

Ob man seine S-Bahn oder den Regionalzug noch bekommt, erfährt man hier selten: Die Anzeigetafel aus Richtung Haupteingang funktioniert nicht - seit mehr als drei Monaten.

Seine wahre Stärke entwickelt der Bahnhof ohnehin nach hinten raus und vor allem in der Tiefe. Da ist er das, als was ihn der Frankfurter Stadtführer preist: Ein Verkehrsknoten, der eine wichtige Rolle für den Nahverkehr spielt. An der Schnittstelle zwischen Innenstadt und südlichen Vororten gelegen, kreuzen sich hier neben zwei ICE-Linien im Zwei-Stunden-Takt und vielen Regionalzügen die S-Bahnlinien S3 bis S6, die U-Bahnen der A-Strecke (Linien U1 bis U3, die Straßenbahnlinien 14, 15, 16, 19 und der Ebbelwei-Express. Am Südbahnhof starten zahlreiche Stadt- und Regionalbuslinien, die vor allem ins südliche Umland und zum Flughafen führen. Und: Der Bahnhof ist Bürgerhaus und Kulturzentrum zugleich.

Autor:  Thomas Witzel
Datum:  19 | 4 | 2010
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