Dossier
Was bewegt die Menschen in Rhein-Main?

03. April 2010

Bahnhofstest Friedberg: Etwas Hoffnung in der Tristesse

 Von Detlef Sundermann
Nicht jede Bank bietet Schutz vor Wind und Wetter. Foto: Hoyer/FR

Mehr als 17.500 Menschen nutzen täglich den Hauptbahnhof Friedberg und damit in etwa so viele wie den Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen. Doch bei Komfort und Service gibt es himmelweite Unterschiede. Von Detlef Sundermann

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Testnoten
Friedberg

Erreichbarkeit: Ziemlich gut, sogar Wanderwege führen daran vorbei 3 Punkte

Wege: Runter und rauf nur über Treppen 2 Punkte

Warten: Insgesamt ordentlich 3 Punkte

Service: Genügend da, wenn auch mit "aber..." 3 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: Wenig auszusetzen 3 Punkte

Gebäude: Wird zurzeit saniert, noch Mängel 3 Punkte

Barrieren: Nur für fußfitte Nutzer geeignet 2 Punkte

Gesamtnote: Eine Station, mit der die Bahn auf dem richtigen Weg ist - aber nicht völlig 3 Punkte

Fahrgastaufkomen: Rund 17.500 Reisende pro Tag

Zahl der Gleise: 7

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inklusive P+R): 101

Zahl der Fahrradboxen: 20

Dort verließ Elvis als Wehrpflichtiger mit geschulterten Seesack den Zug, in Friedberg. Der Hauptbahnhof war 1958 mit seinem gewaltigem Gleisfeld nicht nur das Tor für die US-Soldaten zur Wetterau-Kreisstadt, sondern auch Umschlagplatz für die Zuckerrüben und andere landwirtschaftliche Produkte der Region.

Lang ist das alles her. Geblieben ist bis heute ein Bahnhof als - inoffizieller - geheiligter Boden für Elvis-Fans und als Knoten für den Personenzugverkehr; sogar einige IC-Züge legen in Friedberg einen Stopp ein.

Mehr als 17.500 Menschen nutzen täglich die Station. Zur hohen Kundenfrequenz tragen nicht nur die Pendler aus dem Umland bei, sondern auch die Studenten der Fachhochschule Gießen-Friedberg.

Obgleich das Fahrgastaufkommen in Friedberg nach Angaben der Deutschen Bahn sich damit auf gleichem Niveau mit dem Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen befindet, gibt es bei Komfort und Service himmelweite Unterschiede.

Dem entspricht schon der bauliche Eindruck. In Friedberg glänzt kein architektonischer Futurismus. Die Schalterfenster für den Fahrkartenverkauf in dem Gebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind zugemauert. Ein kleines, schlichtes Reisezentrum findet sich in einem Nebenraum der Eingangshalle, auf den lediglich eine Glastür hindeutet - kein werbender Auftritt.

Die typische Bahnhofskneipe ist einer Pizzeria gewichen, und vor dem Haupteingang offeriert ein mobiler Hähnchengrill seine Ware. Einige Meter weiter, jenseits der stark befahrenen Straßenkreuzung, gibt es verschiedene gastronomische Angebote.

In der kaum zum Aufenthalt verlockenden Bahnhofshalle bietet außerdem ein Kioskbetreiber seine Waren feil. Ein kleines Highlight in dem an ansonsten etwas gammelig wirkenden Foyer bildet die Zeitschriften- und Buchhandlung. Vielleicht wird es aber bis November im gesamten Bahnhofsgebäude so tipptopp aussehen wie dort: Ein Bauschild am Eingang gibt dazu Hoffnung. Auch darauf, dass wieder eine öffentliche Toilette in der Station angeboten wird.

Auf den Bahnsteigen hat die Moderne bereits zaghaft Einzug gehalten: Abfalleimer für getrennte Müllsammlung, auf dem Boden gelb eingezeichnete Raucherzonen und einige Sitzgelegenheiten, teils mit Windschutz aus Glas.

Für Personen mit Behinderung oder mit schwerem Gepäck kann das Erreichen oder Verlassen der Bahnsteige große Mühen erfordern - denn Rolltreppen oder Aufzüge gibt es nicht. Immerhin können Fahrradbenutzer ihr Gefährt auf einer Rinne über die Treppen schieben.

Die Kombination Fahrrad und Zug ist in Friedberg auch leicht möglich, wenn das Rad am Bahnhof zurückbleibt. Zahlreiche und ordentliche Abstellmöglichkeiten sind vorhanden. Allerdings stehen die Velos wie bei so vielen großen Abstellanlagen sehr dicht nebeneinander, was schnell zu Schäden führen kann.

Bahnfahrer, die mit dem Auto anreisen, haben offenbar gute Chancen, auf der bahnhofsnahen Parkfläche einen Platz für ihr Vehikel zu finden. Eine Ursache dafür mag der Preis sein: Für einen Tag Parken sind 5,20 Euro in den Automaten einzuwerfen - bargeldloses Zahlen wird akzeptiert.

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