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Bahnhofstest Friedrichsdorf: Eine Zumutung

Der Bahnhof Friedrichsdorf ist trotz seiner Drehscheibenfunktion für Pendler aus dem Usinger Land oder aus dem Raum Friedberg kein kommoder Ort. Von Anton J. Seib

Der Bahnhof steht schon seit Jahren leer. Personal gibt es auch nicht mehr, seitdem er  an einen Privatmann verkauft wurde.
Der Bahnhof steht schon seit Jahren leer. Personal gibt es auch nicht mehr, seitdem er an einen Privatmann verkauft wurde.
Foto: Schick/FR

Wo sind denn hier die Toiletten?", fragt die Frau den Taxifahrer, der in seinem Auto vor dem Friedrichsdorfer Bahnhof wartet. Der zuckt mit den Schultern. "Die nächste gibt´s am Houiller Platz", meint eine Passantin. Wehe den Pendlern, die morgens auf der Fahrt zur Arbeitsstelle auf den Zug warten und mal dringend müssen! Da ist Körperbeherrschung gefragt. Toiletten auf dem Friedrichsdorfer Bahnhof? Fehlanzeige!

Kein Wunder, dass es in der Unterführung unangenehm nach Urin riecht. Zwar ist der schummrige Tunnel nicht mehr ganz so verdreckt, seitdem vor einigen Monaten beherzte Bürger Hand anlegten und mit Farbe und Pinsel anrückten. Gleichwohl dürfte der unterirdische Weg zu den vier Gleisen Friedrichsdorfs größtes Urinal bleiben.

Testnoten
Friedrichsdorf

Erreichbarkeit: Am Rand der Innenstadt 4 Punkte

Wege: Kein Aufzug, Beschilderung gut 3 Punkte

Warten: Zugig, Uhren gehen richtig 1 Punkt

Service: Keine Toilette, keine Durchsagen, Kiosk 2 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: Kein Personal, Schmutz 2 Punkte

Gebäude: Sanierungsbedürftig, seit Jahren zu 1 Punkt

Barrieren: Keine Chance für Rollstuhlfahrer 1 Punkt

Sonstiges: Fehlanzeige 0 Punkte

Gesamtnote: Ein Ort, an dem sich niemand gerne aufhält. Es kann nur besser werden. 2 Punkte

Fahrgastaufkomen: rund 5000 Reisende pro Tag

Zahl der Gleise: 4

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze: 240

Zahl der Fahrradboxen: 5

Ständige Beschwerden

Und für viele ein Sicherheitsrisiko. "Ein oberirdischer Zugang zu den Gleisen wäre besser", meint die 14-jährige Philipp-Reis-Schülerin Samira Velte aus Wehrheim. Andere Schüler haben beobachtet, dass das etwas abseits gelegene Areal Treffpunkt von Drogendealern ist.

Immerhin hat die Stadt inzwischen auf ständige Beschwerden reagiert und einen privaten Wachdienst beauftragt, bis in die späten Abendstunden das Bahngelände zu kontrollieren. Obwohl nicht zuständig, lässt sich die Stadt diesen Service jährlich 50.000 Euro kosten.

Nein, der Bahnhof, ideal gelegen an der Nahtstelle zum alten Stadtkern und dem Wohngebiet Römerhof, ist kein kommoder Ort, trotz seiner Drehscheibenfunktion für Pendler aus dem Usinger Land oder aus dem Raum Friedberg. Reisende mussten während der klirrenden Kälte die Wartezeit frierend auf den Bahnsteigen zubringen.

Lediglich der kleine Kiosk - er heißt DB Service Store - zwischen Bahnhofsgebäude und Gleisanlage bot auf ein paar Quadratmetern Schutz vor Regen, Schnee und eisigem Wind. Fahrkarten gibt es nur noch an den Automaten, im Kiosk immerhin können die Fahrgäste auch Einzeltickets kaufen. Zerbrochene Bierflaschen auf den Bahnsteigen, überall verstreut Papierabfälle, das Gelände bietet ein trauriges Bild.

Der alte Bahnhof, 1894 errichtet, steht seit Jahren leer. Türen und Fenster sind verrammelt, die Wände mit Graffiti verschmiert. Den Zustand des Gebäudes bezeichnete Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) schon vor Jahren als "Zumutung" und "ekelhaft".

Bahnpersonal gibt es auch keins mehr, seitdem der Bahnhof vor zwei Jahren an einen Privatmann verkauft wurde. Für gastronomische Zwecke nutzen will es der neue Besitzer, eventuell ein Hotel einrichten. Getan hat sich indes bis jetzt noch nichts.

Bei aller Kritik, es gibt auch positive Aspekte. Das sind zum einen die vielen Pendlerparkplätze, aber auch das üppige Angebot an Fahrradstellplätzen. Rund 60 sind überdacht, die Räder können angekettet werden. Dazu kommen fünf neue verschließbare Fahrradboxen, die erst vor Kurzem installiert wurden. Sie kosten nur acht Euro im Monat, ein vertretbarer Preis.

Minuspunkt sind fehlende Radwege. Die Velofahrer müssen sich über die vielbefahrene Bahnstraße und das enge und dunkle Viadukt quälen. Abhilfe könnte das Großprojekt schaffen, das derzeit in der Diskussion ist. Das gesamte Bahnhofsareal soll neu geordnet werden, Rampen beidseits des Viadukts sollen den barrierefreien Zugang zu den Gleisen ermöglichen, am Viadukt selbst soll ein neuer Busbahnhof entstehen. Von dort aus soll zudem eine neue Straße das geplante Einkaufszentrum auf dem Milupa-Gelände erschließen.

Autor:  Anton J. Seib
Datum:  31 | 3 | 2010
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