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31. März 2010

Bahnhofstest Gießen: In einem Zug zur Bahn

 Von Melanie Kipp
Wer den Bahnhof verlässt, tritt auf einen wenig attraktiven Vorplatz, seit 2006 schmiedet die Stadt Pläne, ihn zu verschönern. Foto: Alex Kraus/FR

Trotz kleiner Mankos bietet der Gießener Bahnhof einen soliden Service. Und mit der Fertigstellung der neuen Unterführung und breiterer Aufzüge im Sommer soll der Bahnhof endlich barrierefrei werden. Von Melanie Kipp

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Testnoten
Gießen

Erreichbarkeit: gut zu Fuß und mit dem Bus 3 Punkte

Wege: lang, viele Treppen, gut beschildert 3 Punkte

Warten: wenig Sitzplätze 3 Punkte

Service: saubere Toiletten und freundlicher Service-Point 4 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: überschaubar 3 Punkte

Gebäude: charmant von außen, innen einfach 4 Punkte

Barrieren: neue, breite Aufzüge im Sommer 3 Punkte

Gesamtnote: Dieser Bahnhof bietet eine solide Serviceausstattung trotz kleiner Mankos 3 Punkte

Verbindungen pro Tag: 198

Besucherzahlen: über 20.000

Zahl der Parkplätze: 22 Kurzzeitplätze und 480 Plätze im Parkhaus an der Lahnstraße

Fahrradabstellplätze: 380 überdachte Plätze in Parkhausnähe und 292 Fahrradbügel vor dem Bahnhof

Gleise: 11

Bauzäune umrahmen die Gleisanlage. Baggerlärm dröhnt aus dem Tunnel, in dem orange gekleidete Arbeiter Erde schaufeln. Seit Juli 2008 baut die Deutsche Bahn an einer neuen Unterführung für den Gießener Bahnhof. Sie soll den barrierenfreien Übergang zwischen allen Bahnsteigen ermöglichen. "Breitere Aufzüge werden eingesetzt", sagt ein Bahnsprecher. Die alte Unterführung war mehr als renovierungsbedürftig. Der Putz blätterte von den Wänden ab, überall waren Pfützen. Bis Mitte des Jahres soll der neue Tunnel fertig sein.

Auf die Aufzüge freuen sich auch Pendler mit Fahrrad. Derzeit schleppen sie noch ihre Räder im Pulk der täglich rund 20.000 Fahrgäste über die Überführung. Lifte gibt es dafür zwar auch. Doch die sind zu eng und zu langsam, sagt Torben Bausch, Student an der Justus-Liebig-Universität. "Wenn überhaupt, passt ein Mensch mit Rad da rein und das kann bei mehreren Fahrradfahrern ewig dauern." Bausch ist genervt. Er muss den Weg über die Überführung samt Rad jeden Tag gleich zweimal passieren.

Insgesamt landet der Gießener Bahnhof mit seinem neuromantischen Empfangsgebäude und schmuddeligen Vorplatz im Mittelfeld des Bahnhofstests der Frankfurter Rundschau. Auf dem Seltersberg gelegen, ist er gut erreichbar. Das Stadtzentrum liegt zu Fuß nur rund eine Viertelstunde entfernt. Zahlreiche Busse und Taxen direkt vor der Bahnhofshalle bringen die Fahrgäste ebenso ans Ziel. Parkmöglichkeiten gibt es auf dem Vorplatz nur bedingt. Jedoch gibt es im angrenzenden Parkhaus mehr als 450 Stellplätze für Autos und 380 für Fahrräder.

Die Wege zwischen den Gleisen und dem Bahnhofsgebäude sind wegen der Bauarbeiten derzeit lang. Die Gleise zwei bis fünf nur über die vielen Treppen der Überführung erreichbar. Dank einer übersichtlichen Beschilderung finden sich die Fahrgäste aber gut zurecht.

In der Bahnhofshalle und auf den Bahnsteigen sind Sitzmöglichkeiten derzeit rar. Jedoch lässt die Bahn ihre Kunden zumindest nicht mehr im Regen stehen. Stück für Stück schmückt ein neues Stahldach die Bahnsteige, wo die Fahrgäste bislang in provisorischen Holzbuden Schutz suchten.

In der Kategorie Service kann der Gießener Bahnhof punkten. Es gibt Schließfächer, saubere Toiletten und genug Fahrgastinformationen. Anlaufstellen für Kunden sind das Reisezentrum oder der Service-Point. Eine große Buchhandlung und ein Bäcker sind vorhanden.

Großes Manko: Es gibt zu wenig Fahrkartenautomaten, die zudem nicht benutzerfreundlich platziert sind. Besonders kompliziert wird es, wenn das Empfangsgebäude abends schließt. Dann müssen Fahrgäste zunächst um das Gebäude herumeilen, um Tickets zu kaufen, denn nur an Gleis eins oder elf ist das dann möglich.

Bei Sicherheit und Sauberkeit erreicht der Bahnhof nicht die oberen Ränge. Trotz vieler Mülleimer und einem auf den ersten Blick sauberen Gesamtbild, ist der Bahnhof kaum mit Kameras ausgestattet.

Die Barrierefreiheit, die im Bahnhoftest vor fünf Jahren vermisst wurde, ist im Sommer erreicht. Außerdem will die Stadt den unschönen Vorplatz umgestalten. Seit dem Kauf des Areals im Jahr 2006 schmiedet sie Pläne. "Eine Freifläche ohne Autos und eine Neuorganisation des Bushaltesystems sind unter anderem im Gespräch", sagt Stadtrat Thomas Rausch (CDU).

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