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03. April 2010

Bahnhofstest Hanau: Aus der Langeweile in die Ferne

 Von Andreas Zitzmann
Endlos lang und höchst unattraktiv ist der Tunnel, der zu den teilweise weit auseinanderliegenden Bahnsteigen führt. Foto: Hartung/FR

Der größte Vorteil des Hanauer Hauptbahnhofs sind seine vielen Züge: In keinem hessischen Bahnhof - außer in Frankfurt - halten im Schnitt mehr Züge pro Tag. Von Andreas Zitzmann

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Testnoten
Hanau Hauptbahnhof

Erreichbarkeit: kaum zu Fuß 3 Punkte

Wege: Treppauf, treppab 3 Punkte

Warten: Hoffentlich nicht zu lange 1 Punkt

Service: geht so 3 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: Durchschnitt 3 Punkte

Gebäude: kein Architektur-Highlight 2 Punkte

Barrieren: reichlich vorhanden 2 Punkte

Gesamtnote: Hanau Hbf erfüllt seinen Zweck, mehr aber auch nicht 2 Punkte

Fahrgastaufkomen: rund 20.000 Reisende pro Tag

Zahl der Gleise: 12

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze: rund 1000

Zahl der Fahrradboxen: 42

Als der Hanauer Hauptbahnhof 1993 zum ICE-Halt aufgewertet wurde, mochte das mancher gar nicht glauben - Lokführer zum Beispiel, die ihren ICE zwangsweise in Offenbach stoppen mussten, weil sie in Hanau nicht gehalten hatten. Das ist der größte Vorteil des Hauptbahnhofs: Er wird aus sechs Richtungen angefahren, entsprechend großzügig ist sein Fahrplanangebot, bis ins Ausland. In keinem hessischen Bahnhof - außer in Frankfurt - halten im Schnitt mehr Züge pro Tag.

Ansonsten ist der Hanauer Bahnhof recht nichtssagend. Gebaut im eher kargen Stil der 60er Jahre - deren zweifelhaften Charme er noch immer an vielen Stellen ausstrahlt -, erfüllt er seinen Zweck. In Erinnerung bleibt er nicht. Er ist weder besonders schön noch abgrundtief hässlich. Mal abgesehen von dem endlosen Tunnel zu den Bahnsteigen.

Sein nach wie vor größter Nachteil ist die Lage: Zur Gründerzeit der Bahn war er der Ostbahnhof, weitab vom Schuss. Zu Fuß ist er von der Innenstadt aus nur für echte Wanderfreunde zu erreichen. Immerhin hat die Hanauer Straßenbahn (HSB) mit dem jüngsten Fahrplanwechsel die Busanbindung verbessert, wenigstens bis zum Abend. Zu späteren Stunde freuen sich die immer zahlreich wartenden Taxifahrer.

Apropos Warten: Die Ankunft verspäteter Züge lässt sich nur in der sehr gute Bahnhofsbuchhandlung totschlagen, beim Stehbäcker oder am Imbiss vor dem Eingang. Dort findet man auch die einzige und gebührenpflichtige, dafür saubere Automatik-Toilette.

Beim FR-Bahnhofstest vor fünf Jahren musste die Bahnhofs-Gaststätte "Dampflok" unbedingt hochgelobt werden, ein Mekka für Country-Fans, Anziehungspunkt auch für viele Nicht-Reisende. Vorbei. Seit einigen Monaten steht das Lokal, seines gesamten Interieurs beraubt, leer. Gerüchteweise war zu erfahren, dass eine einschlägige Hamburger-Braterei einziehen soll. Ob dass für den Hauptbahnhof ein Gewinn sein wird, ist eher fraglich. Ein ganz großes Manko: Der Bahnhof ist nur sehr beschränkt behindertenfreundlich. Lediglich zum Bahnsteig der S-Bahn gibt es einen Fahrstuhl. Die Treppen zu den anderen Bahnsteigen sind zwar mit einer Art Treppenlifter versehen, die dürfen aber nur Bahnmitarbeiter bedienen. Wie man die jedoch herbeizitiert, wird nirgendwo verraten.

Reduzierte Öffnungszeiten

Bleibt nur die Nachfrage im Reisezentrum, dessen zumeist nur von zwei Mitarbeitern besetzten Schalter immer gut besucht sind - mit entsprechend langen Wartezeiten. Das Zentrum selbst hat seit dem Test vor fünf Jahren seine Öffnungszeiten drastisch reduziert: werktags nur noch von 7 bis 18.10 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr. Sonntags ist gar nicht mehr geöffnet. Man bedenke: Der erste Zug fährt morgens um 3.46 Uhr, der letzte um 1.12 Uhr ab. Das hat mit "großem Bahnhof" nichts zu tun. Aber die meisten Passagiere sind ohnehin Pendler, die ihren Fahrplan im Kopf, die Monatskarte in der Tasche haben. Worüber Pendler sich nicht beklagen können, sind die Parkplätze: mehr als 1000. Allerdings sind auch die ab werktäglichem Vormittag so ziemlich alle belegt.

Thema Sicherheit: Der Hauptbahnhof hat eine eigene Station der Bundespolizei, die demnächst auch noch verstärkt werden soll.

Fazit: Es gibt viele Bahnhöfe, die weit schlimmer sind als der Hanauer. Lust und Freude, ihn zu besuchen, hat man aber nicht.

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