Es gibt echte Lichtblicke am Hattersheimer Bahnhof. Da sind beispielsweise die netten Männer in den leuchtend gelben Jacken und den roten Shirts. Mit wachem Blick halten sie nach Hilfsbedürftigen Ausschau. Sie nehmen älteren Damen ihr Gepäck ab, tragen Kinderwagen und Fahrräder die Treppen hoch und runter.
Wenn nachts die Vandalen gewütet haben, klauben sie schon mal die Mülleimer aus dem Gebüsch und bringen sie wieder an ihren angestammten Ort. Sie helfen auf Wunsch beim Lösen der Fahrkarten am Automat. Und sie vermitteln ein Gefühl der Sicherheit auf einem einsam gelegenen Bahnhof, auf dem es keine Notrufsäulen gibt. Die Telefonzelle war zum Test-Zeitpunkt kaputt.
Erreichbarkeit: schlecht ausgeschildert, aber kostenloses Parken 4 Punkte
Wege: kaum Schilder, keine Querungshilfen 1 Punkt
Wartezeit: wenig Sitzplätze, kein Zeitvertreib 1 Punkt
Service: werktags helfen Servicemitarbeiter 3 Punkte
Sicherheit und Sauberkeit: wenig einladend 3 Punkte
Barrieren: jegliche Rampen fehlen 1 Punkt
Gebäude: kein eigenes Gebäude 1 Punkt
Gesamturteil: Kein Ort zum Verweilen. Mit Rollstuhl, Fahrrad oder Buggy sollte man ihn meiden. Gesamtnote: 2 Punkte
Fahrgastaufkommen: rund 3000 Reisende pro Tag
Zahl der Gleise: 3
Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R): 100
Zahl der Fahrradboxen: 3
Seit rund zwei Jahren gibt es den Begleitservice der Selbsthilfe im Taunus (SiT) am Bahnhof. Von Montag bis Freitag stehen in der Zeit von 7 bis 17 Uhr mindestens zwei der Mitarbeiter auf dem Bahnsteig. 2600 Euro pro Monat lässt sich die Stadt den Begleitservice kosten.
Der Service ist auch dringend erforderlich. Zu den Gleisen, über die die Züge in Richtung Frankfurt oder Wiesbaden fahren, führt nur eine steile Treppe.
Eine Rampe für Kinderwagen oder Fahrräder fehlt hier komplett, an einen Aufzug für Rollstuhlfahrer oder Rolltreppen für Gehbehinderte ist gar nicht zu denken. Rampen gibt es am Weg durch die schmuddelige Unterführung, die von Hattersheim in Richtung Okriftel führt.
Wie lange das Projekt dauert, ist ungewiss. Derzeit muss von Jahr zu Jahr neu entschieden werden, ob sich die Stadt einen für alle zugänglichen Bahnhof leisten will. Und weiter gilt: Am Wochenende und nach 17 Uhr sollten Menschen, die die Stufen nicht alleine überwinden können, den Hattersheimer Bahnhof besser meiden.
Zu den ansprechenden Seiten der Hattersheimer Station gehört das gepflegte, altrosa Bahnhofsgebäude. Es beherbergt aber nur das Stadtteilbüro, einen Fahrkartenschalter sucht man hier vergebens, ebenso wie einen Kiosk. Im Gebäude gibt es saubere, kostenlose Toiletten für die Reisenden, auch sechs Stühle bieten sich als trockene und warme Warteplätze an.
Allerdings sind die Gleise zwei Treppen entfernt und das Gebäude ist nur während der Öffnungszeiten des Stadtteilbüros zugänglich. Sein Ticket muss man an den Fahrkartenautomaten lösen. Allerdings ist die Schrift in den Displays extrem schlecht sichtbar. Glücklich, wer zwischen 7 und 17 Uhr ein Ticket braucht, dann helfen wieder die SiT-Mitarbeiter.
Die Station in Hattersheim ist nur ein kleiner Bahnhof, kein zentraler Knotenpunkt. Hier verweilt niemand unnötig. Wer hier umsteigt, wechselt aufs Fahrrad, ins Auto oder in den Bus. Und in diesem Bereich hat der Bahnhof auch seine Stärken: Im alten Bahnhofsgebäude vermietet die Stadt für 50 Euro pro Jahr verschließbare Fahrradboxen, weitere kostenlose, teils überdachte Stellplätze, gibt es im Freien. Die Bushaltestellen sind nur wenige Schritte entfernt, auch die Hattersheimer Innenstadt ist schnell erreicht.
Und wichtig für alle Pendler: Die Parkplätze sind kostenlos. Allerdings sollten Autofahrer wissen, wo der Bahnhof ist. Denn wenn das erste Hinweisschild am Straßenrand auftaucht, ist auch die S-Bahn-Station schon in Sichtweite.

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