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Bahnhofstest Hofheim: Vorbild mit Alterserscheinungen

Schmuddelig, aber durchaus funktional zeigt sich der Bahnhof Hofheim zehn Jahre nach seiner Rundum-Sanierung. Von Barbara Helfrich

Keine Kinderkrankheiten mehr, dafür aber deutliche Abnutzungsspuren: der Hofheimer Bahnhof.
Keine Kinderkrankheiten mehr, dafür aber deutliche Abnutzungsspuren: der Hofheimer Bahnhof.
Foto: Rolf Oeser/FR

Vorzeigeobjekt und Vorbild sollte der Hofheimer Bahnhof einmal sein. Die rund neun Millionen Euro teure Sanierung Ende der 90er Jahre war als Modellprojekt für die gesamte Region gedacht.

Doch Mängel gab es anfangs zuhauf: Die Aufzüge gingen erst nach Monaten in Betrieb, die Schieberinne auf der Treppe am Südausgang wurde erst nach endlosem Gezackere montiert. Das Fahrradgeschäft in einem der beiden Ladenlokale gab rasch auf. Es folgte erst jahrelanger Leerstand, dann ein Computergeschäft, das sich auch nicht hielt. Inzwischen hat sich ein Friseur neben Kiosk und Bäckerei eingemietet.

Testnoten
Hofheim

Erreichbarkeit: gut, vor allem aus der Innenstadt 4 Punkte

Wege: gut beschildert 5 Punkte

Wartezeit: genug Sitzplätze, aber zugig 4 Punkte

Service: ist in Ordnung 4 Punkte

Sicherheit&Sauberkeit: versifft, aber ungefährlich 4 Punkte

Gebäude: eher trist und farblos 2 Punkte

Barrieren: Aufzüge, Rampe nach Süden fehlt 4 Punkte

Sonstiges: die Mobilitätszentrale ist super 1 Punkt

Gesamturteil: Kein Ort zum Verweilen, aber der Service stimmt. Mal gründlich putzen! 4 Punkte

Fahrgastaufkommen: mehr als 5000 am Tag

Zahl der Gleise: 3

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R) 180

Fahrradstellplätze: 42

Kaum noch Scheiben

Die Sanierung ist als Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Oder wie die inzwischen verstorbene Vorsitzende des Hofheimer Hausfrauenbundes bei der Eröffnung damals wetterte: Der Bahnhof ist wie ein Strumpf, der nur bis zur Ferse gestrickt wurde.

Seine Kinderkrankheiten hat er inzwischen hinter sich, dafür häufen sich jetzt die Alterserscheinungen: An der Decke der Fußgängerunterführung fehlt der Putz quadratmeterweise, ein Handlauf im Treppenaufgang Richtung Marxheim ist schon seit Wochen locker. Die Idee, die Unterführung mit wechselnder Kunst zu beleben, ist längst passé, die dafür vorgesehene Fläche hinter Spanplatten verschwunden. Und die Wartehäuschen auf dem Mittelbahnsteig haben kaum noch Scheiben.

Schmuddelig, aber durchaus funktional ist der Hofheimer Bahnhof zehn Jahre nach seiner Rundum-Sanierung. Kiosk und Bäckerei sind gut bestückt. Die Beschilderung ist vollständig und übersichtlich. Im Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Bahnhofsgebäude werden die Fahrgäste umfassend und freundlich beraten. Dort betreibt der RMV eine seiner 23 Mobilitätszentralen. Im gesamten Main-Taunus-Kreis gibt es außer in Hofheim nur noch in Eppstein ein derartiges Serviceangebot.

Ein großes Plus auch für die Toiletten: Zumindest am Test-Tag waren sie blitzsauber und völlig geruchlos. Das Frauenklo ist gleichzeitig die Behindertentoilette.

Barrierefrei zum Bus

Zum Busbahnhof kann man von allen Gleisen aus ohne Treppensteigen kommen. Von dort aus geht es auch in Richtung Innenstadt barrierefrei weiter, über eine Ampel mit akustischem Signal. Auf den Bahnsteigen gibt es außerdem Blindenleitstreifen, mit einem durchgehenden Blindenleitsystem kann der Hofheimer Bahnhof allerdings nicht punkten.

Lange Zeit wurde zwar immer wieder über den Bau einer barrierefreien Rampe am Südausgang der Unterführung diskutiert. Doch in Zeiten knapper Kassen hat sich das Projekt im Sande verlaufen.

Autor:  Barbara Helfrich
Datum:  15 | 4 | 2010
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