Vor zehn Jahren empfing die Reisenden noch eine Bruchbude. Seit 2003 begrüßt der sanierte Mainzer Hauptbahnhof in freundlichem Gewand täglich rund 47.500 Besucher. "Im Vergleich zu früher ist alles viel besser geworden - mit den ganzen Rolltreppen und Aufzügen an jedem Gleis und den vielen verschiedenen Läden", zeigt sich der Passagier Georg Lauringer begeistert. So sieht das auch die Mainzerin Bärbel Hellwig: "Früher war der Bahnhof schmuddelig, heute ist alles schön hell, freundlich und sauber." Solcher Meinung sind die meisten Reisenden am Mainzer Bahnhof. Seit seiner Sanierung für 60 Millionen Euro ist der Bahnhof ein Vorzeigeobjekt.
Das Hinkommen ist einfach: Von der Innenstadt sind es zu Fuß etwa zehn Minuten. Ein Radweg führt direkt zum Bahnhof, wo insgesamt 1100 Fahrradparkplätze zur Verfügung stehen. Mit dem Auto kann man bis zu zwei Stunden einen der Kurzzeitparkplätze am Westeingang nutzen. Oder auf die umliegenden Parkhäuser mit mehr als 2300 Parkplätzen ausweichen, die rund um die Uhr geöffnet sind. Für Pendler und Bahnkunden gibt es hier spezielle Angebote. In den örtlichen Nahverkehr umsteigen kann man sogar gleich zweimal: Entweder direkt am Bahnhofsvorplatz oder über den Hinterausgang an der Haltestelle Bahnhof West.
Erreichbarkeit: auf allen Wegen gut 5 Punkte
Wege: bequem, mit Rolltreppen und Aufzügen 5 Punkte
Warten: viele Möglichkeiten zum Zeitvertreib 5 Punkte
Service: sehr gut, kaum Mängel 5 Punkte
Sicherheit & Sauberkeit: gut 4 Punkte
Gebäude: hell, freundlich und einladend 5 Punkte
Barrieren: keine, bis auf die Eingangstüren 4 Punkte
Gesamtnote: Dieser Bahnhof ist nahezu perfekt, er bietet vieles, was andernorts vermisst wird. Eine gute Visitenkarte für die Stadt. 5 Punkte
Besucher: rund 47.500 Reisende pro Tag
Zahl der Gleise: 9
Verbindungen pro Tag: 348
Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R) 54 (städtische) und 2322 (Parkhäuser)
Zahl der Fahrrad-Abstellplätze: 430 (Bahn) und 670 (Stadt)
Supermarkt , Apotheke, Frisör
Auf 3800 Quadratmetern erwarten den Reisenden im Bahnhofsgebäude fast alle erdenklichen Serviceangebote: 22 Geschäfte laden zum Bummeln und Essen ein. Das Angebot reicht von amerikanischem Fastfood über italienische Pizza bis hin zu asiatischen Gerichten. Ein Supermarkt, der täglich bis 22 Uhr geöffnet hat, eine Apotheke und ein Frisör vervollständigen die Palette und lassen nur wenige Wünsche offen: "Eine Poststation oder eine Textilreinigung wären noch schön", meint eine Pendlerin.
Alles andere als eine Servicewüste ist auch das Reisezentrum der Deutschen Bahn. An dessen Eingang müssen die Kunden seit Februar vergangenen Jahres eine Nummer ziehen. Dann können sie es sich auf einer rot gepolsterten Sitzbank gemütlich machen und warten, bis sie an der Reihe sind - ohne lästiges Schlangestehen. Im Untergeschoss stehen den Reisenden 244 Schließfächer zur Verfügung, die ab zwei Euro und bis zu 72 Stunden gemietet werden können. Die Toiletten, ebenfalls im Untergeschoss, sind von 6 bis 24 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 50 Cent.
Im Bahnhof findet man sich dank Wegweisern leicht zurecht. Fahrpläne, Uhren und Lautsprecherdurchsagen sorgen für Information. Einzig die elektronischen Anzeigen an den Gleisen sind nicht von überall gut einsehbar, auch wegen der geneigten Dächer über den Bahnsteigen. Leitstreifen für Blinde, Aufzüge und Rolltreppen garantieren Barrierefreiheit. Daneben bietet die Bahn Behinderten nach vorheriger telefonischer Anmeldung rund um die Uhr einen Ein- und Ausstiegsservice.
Auch die Sicherheit wird am Mainzer Hauptbahnhof großgeschrieben. So gibt es in Mainz eine Sicherheitszentrale, in der alle Informationen über die Lage vor Ort zusammenlaufen. Die Bilder der Videokameras, Meldungen per Telefon und Funk und Notrufe werden entgegengenommen und ausgewertet. Über Notruf- und Informationssäulen können Reisende zu jeder Zeit Kontakt zur Zentrale aufnehmen.
Türen als Hindernis
Ein paar Mängel hat allerdings auch dieser Musterbahnhof: Die Türen am Haupteingang öffnen sich nicht automatisch, weswegen Mütter mit Kinderwagen oder Behinderte auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Auch fehlt eine Anzeigetafel, die im Gebäude über aktuelle Anschlussmöglichkeiten und Abfahrtszeiten im Nahverkehr informiert. Und ein radelnder Benutzer klagt: "Die Fahrradständer hier an der Südseite des Bahnhofs sind schon jetzt überfüllt, und es ist noch nicht einmal Sommer".
Alles in allem ist die Mainzer Station aber ein moderner Großstadtbahnhof, der (fast) jeden nötigen Service bietet und noch etwas mehr. So sieht das auch eine aus Bonn kommende Reisende: "Der Mainzer Bahnhof ist wirklich toll. Da fehlt nichts. Da kann sich Bonn als ehemalige deutsche Hauptstadt einiges abschauen."

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