Servicewüste Bahnhof Mörfelden hieß es noch im vergangen Bahnhofstest der Frankfurter Rundschau. Und auch wenn es immer noch an einigen Stellen hakt, tut sich gerade viel auf dem Bahnhof in Flughafennähe, der trotz seiner bescheidenen Größe von nur drei Gleisen nicht nur von S-Bahnen angefahren wird. Vor allem die Regionalbahnstrecke Frankfurt-Mannheim ist gut ausgelastet. Viele Pendler sowie Schüler und Studenten sind dort unterwegs.
Nun hat die Stadt endlich erkannt, dass die Bahnhofsanlage modernisiert werden muss. "Zumindest stehen wir schon nicht mehr im Regen", sagt Student Reza Falsafi. Denn vor Beginn der Sanierung gab es nicht mal wettergeschützte Wartemöglichkeiten auf den Bahnsteigen.
Erreichbarkeit: Mitten in der Stadt gelegen, zu Fuß erreichbar 3 Punkte
Wege: alte Beschilderung 2 Punkte
Warten: sanierte Bahnsteige mit Unterstell-möglichkeiten 3 Punkte
Service: keine Toiletten, kein Fahrgastschalter 2 Punkte
Sicherheit & Sauberkeit: einsehbare Anlage, aber wenig belebt 2 Punkte
Barrieren: neue Unterführung im Sommer 3 Punkte
Gesamtnote: Ein Pendlerbahnhof im Umbau, jedoch bislang leider ohne Gebäude 3 Punkte
Fahrgastaufkommen: rund 3000 Reisende pro Tag
Zahl der Gleise: 3
Zahl der Parkplätze: rund 150
Zahl der Fahrradboxen: rund 100 überdachte Fahrradbügel
Der Bahnhof befindet sich mitten in der Stadt. Busse fahren bislang leicht versetzt auf der westlichen Seite der Gleise ab. Spätestens ab Juni soll jedoch die Wendeschleife am neuen Busbahnhof in Betrieb genommen werden: "Damit bekommen wir eine richtige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr", sagt Marko Brendel, Sachbearbeiter im Straßenbau Mörfelden. Für die Umgestaltung des Bahnhofs hat die Stadt der Deutschen Bahn Gelände abgekauft. Dort ließ sie vor allem neue Parkplätze errichten. Rund 150 kostenfreie Autoparkplätze, 100 überdachte Fahrradbügel und fünfzehn Fahrradboxen stehen nun zur Verfügung.
Über einen umgelegten Fahrradweg erreichen die Mörfeldener und speziell die Schüler der Gesamtschule die Gleise schnell und sicher. "Der größte Brocken der Bauarbeiten war jedoch die neue barrierefreie Unterführung mit Aufzug", erklärt Brendel. Bislang wird diese jedoch noch nicht genutzt. "Erst wenn alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird die Unterführung eröffnet."
Der alte, miefige Tunnel mit bescheidener Gleisbeschilderung und nicht barrieregerechtem Treppenaufgang zu den Mittelgleisen soll in diesem Jahr ebenso saniert werden. Mit Vorfreude blicken die Mörfeldener den Ergebnissen der Bauarbeiten entgegen. "Vor allem für Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwagen wird die neue Unterführung vieles leichter machen", sagt Falsafi. Die ersten Ergebnisse - ein neuer Bodenbelag für die Bahnsteige und den Vorplatz sowie wettergeschützte Fahrgastunterstände auf jedem Gleis - haben die Fahrgäste schon gut angenommen.
Hell und sauber präsentiert sich der Bahnhof somit seit dem Start der Sanierung im Juni 2009. Doch auch die gute Ausstattung mit Fahrplänen und Fahrkartenautomaten auf jedem Gleis hilft aus der Servicewüste nur halbwegs heraus. In dem zum Teil leerstehenden Bahnhofsgebäude sind Serviceangebote Fehlanzeige. So gibt es keine Toiletten, keinen Ansprechpartner von der Bahn und keine Geschäfte direkt vor Ort.
Der bereits sanierte Gebäudeteil gehört zum Kulturbahnhof. 2003 hat die Vereinsinitiative "Jugend und Kultur" die Räumlichkeiten erworben und veranstaltet dort regelmäßig Konzerte, Partys und andere Kulturveranstaltungen. Die Nutzung der anderen Räume des Bahnhofsgebäudes war bis vor kurzen noch unklar. "Doch die Vorbereitungen für die Restsanierungen laufen", sagt Brendel.
So ist unter anderem die Einrichtung eines Fahrkartenschalters vorgesehen, der rund um die Uhr geöffnet sein soll. Auch für die ortsansässigen Vereine will die Stadt Räume zu Verfügung stellen.
"Wann die Arbeiten am Bahnhofsgebäude starten, ist jedoch noch unklar", so Brendel. Demnach schafft Mörfelden im Bahnhofstest gerade so den Sprung ins Mittelfeld. Doch mit Abschluss der Bauarbeiten könnte noch mehr drin sein.

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