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Bahnhofstest Neu-Isenburg: In den Urlaub und zur Arbeit

Der Neu-Isenburger Bahnhof ist für viele Urlauber der Vorgeschmack auf Sonne, Strand und Urlaub: Denn hier an der einzigen hessischen Verladestation des Autoreisezuges beginnen für viele Reisende die Ferien. Sigrid Aldehoff

Warten soll für Pendler in Neu-Isenburg angenehmer werden.  Jenseits der Gleise: das Bahnhofsgebäude und  die Reisezugstation.
Warten soll für Pendler in Neu-Isenburg angenehmer werden. Jenseits der Gleise: das Bahnhofsgebäude und die Reisezugstation.
Foto: Oeser/FR

Der Neu-Isenburger Bahnhof ist für viele Urlauber der Vorgeschmack auf Sonne, Strand und Urlaub: Denn hier an der einzigen hessischen Verladestation des Autoreisezuges beginnen für viele Reisende die Ferien. Mehrere tausend Fahrzeuge werden hier pro Jahr die Verladerampe an der Bahnhofseite hinaufgefahren, die Passagiere können sich entspannt im Abteil nach Narbonne, Alessandria, Verona und Villach fahren lassen.

Dieses Bahnangebot, das zur Verladezeit in der Neu-Isenburger Bahnhofstraße oft zu langen Staus führt, ist vor allem für Isenburger Reisende bequem. Im Rathaus dagegen herrscht gebremste Begeisterung: "Der Autoreisezug bringt uns keinen Standortvorteil, und wir haben auch nichts von den Urlaubern, die hier durchfahren", sagt Erster Stadtrat Herbert Hunkel (parteilos). "Die Verladestation ist für uns eher ein Problem bei der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes."

Testnoten
Neu-Isenburg

Erreichbarkeit: weite Wege 3 Punkte

Wege: gut ausgeschildert 5 Punkte

Warten: drinnen kaum möglich 3 Punkte

Service: ist in Ordnung 3 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: Unterführung steht manchmal unter Wasser 3 Punkte

Gebäude: außen originell 3 Punkte

Barrieren: Familienparkplätze und WC fehlen 3 Punkte

Sonstiges: Autoreisezug

Gesamtnote: ein Bahnhof mit ganz gutem Angebot, aber auch mit Mängeln 3 Punkte

Fahrgastaufkommen: rund 4000 Reisende pro Tag

Zahl der Gleise: 5

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R) 150

Zahl der Fahrradboxen: keine

Im Rahmen des noch bis 2014 laufenden Bund-Länderprogramms "Soziale Stadt" soll das "betonlastige Oval" vor dem strahlend blau gestrichenen Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1861 aufgehübscht werden. Autos sollen dort verschwinden, stattdessen soll eine Außengastronomie Leben auf den Platz bringen.

"Für eine höhere Aufenthaltsqualität würden wir dann die Erschließung des Bahnhofes nach Osten verschieben", sagt Hunkel. Die Stadt versuche, das voranzutreiben. "Aber die Gespräche mit der Bahn haben noch zu keinem Ergebnis geführt."

"Wir haben der Stadt bereits mitgeteilt, dass die Bahn kein Geld hat, um die Verladestation zu verlegen", sagt ein Bahnsprecher. Würde von der Stadt aber eine andere Zufahrt gebaut, könne man aber sicher darüber reden. Sylvia Vohl dagegen wäre bei den Umgestaltungsplänen sofort dabei. Sie betreibt mit ihrem Mann die Bahnhofsgaststätte mit integriertem Kiosk. Die Zeitungsständer beleben ein bisschen das traurige Innere des Bahnhofs, wo sich sonst nur noch ein Bahnschalter, aber kein Aufenthaltsraum für Fahrgäste befindet. Pendler können bei den Vohls Snacks und andere Kleinigkeiten für den Start in den Arbeitstag kaufen. Es gibt aber auch Gäste, die hier einkehren. "Wir haben viele Stammgäste", erzählt sie. "Die fragen oft, ob sie nicht auch draußen sitzen können."

Während aber die Bahnkunden und Gäste noch länger auf ein schöneres Ambiente warten müssen, wird der Service für radfahrende Pendler bald besser. Die Stadt wird zur Entlastung der meist belegten Radstellplätze sowohl vor dem Gebäude als auch auf der Rückseite bei den Park-and-ride-Plätzen jeweils 26 neue überdachte Stellplätze und 20 Fahrradboxen aufbauen.

Ein Ärgernis für viele Kunden ist dagegen die Unterführung, in der sich bei heftigem Dauerregen fette Pfützen bilden, die schon so manchen Pendlerschuh durchweicht haben. Und auch eine öffentliche Toilette fehlt. Hier können Pendler in Not gegen Bezahlung in die Gaststätte aufs Örtchen. "Das ist in Ordnung", sagt Vohl, "bei uns muss keiner in den Wald."

Autor:  Sigrid Aldehoff
Datum:  20 | 4 | 2010
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