Eigentlich kann einem der Nidderauer Bahnhof, der an der Fassade immer noch seinen alten Namen "Heldenbergen-Windecken" trägt, nur leid tun. Beim Bahnhofstest vor ziemlich genau fünf Jahren landete die Station auf dem letzten Platz - und die Chancen auf eine bessere Platzierung dieses Mal sind äußerst gering. Denn in diesen fünf Jahren hat sich offensichtlich so gut wie nichts verbessert, im Gegenteil. Der Verfall ist fortgeschritten, der Bahnhof bietet nach wie vor so "viel" Komfort wie eine ordinäre Bushaltestelle.
Aber die Hoffnung blüht. Neben dem historischen Gebäude, von dem quadratmeterweise der Putz abgebröckelt ist, steht ein großes Schild: Das Land Hessen und die Deutsche Bahn-Tochter Netz haben die Station in ihr "Sonderprogramm Personenbahnhöfe" aufgenommen. Auf der Liste steht "Verbesserung des Wetterschutzes", "Verbesserung der Sicherheit (Beleuchtung)" und das eher kryptische Vorhaben "Ertüchtigung kleinere Station". Und das Ganze soll schon im November fertig sein. Da müssen einige Arbeiter (von denen am Tag des Testbesuchs keiner zu sehen war) noch tüchtig zulangen.
Erreichbarkeit: kaum zu Fuß 3 Punkte
Wege: nur über Treppen 1 Punkt
Wartezeit: unerfreulich 1 Punkt
Service: gibts nicht 1 Punkt
Sicherheit und Sauberkeit: nicht zumutbar und dreckig 1 Punkt
Gebäude: der Lack ist endgültig ab 0 Punkte
Barrieren: alle denkbaren 0 Punkte
Gesamturteil: vermutlich einer der am meisten heruntergekommenen Bahnhöfe im Rhein-Main-Gebiet. 1 Punkt
Fahrgastaufkommen: rund 2000 Reisende pro Tag
Zahl der Gleise: drei
Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R): 60
Zahl der Fahrradboxen: keine
Kreuzung zweier Strecken
Die Station in Nidderau ist so unwichtig nicht. Hier kreuzen sich die beiden Strecken von Hanau nach Friedberg einerseits und von Bad Vilbel nach Stockheim andererseits. Gleisfeld und die (in den vergangenen Jahren sanierten) Bahnsteige kommen entsprechend großzügig daher, und auch dem Bahnhof ist durchaus seine Bedeutung anzusehen: ein recht adrettes Gebäude aus der Jahrhundertwende, das noch immer eine gewisse Gediegenheit ausstrahlt und sowohl innen und auch außen eine Menge unveränderte Details aus der Gründerzeit zeigt, beispielsweise original erhaltene Fenster und Türen. Denkmalschützer dürften sich freuen.
Der Zustand ist allerdings unverändert katastrophal - Dreck, Schmierereien, zugenagelte Fenster und Türen an allen Ecken und Enden.
Als Service-Komponenten wären aufzuzählen: ein Fahrkarten- und ein Süßwaren-Automat (immerhin ein echter Wurlitzer, vielleicht auch schon denkmalwürdig). Das wär´s. Toiletten? Wartesaal? Schalter mit Mensch dahinter? Überhaupt irgendein Bahnmensch? Selten so gelacht.
Auf dem Vorplatz hat sich allerdings in der jüngeren Vergangenheit einiges getan. Er ist recht hübsch angelegt, mit Bushaltestelle direkt vor dem Eingang und ein paar Parkplätzen sogar für Behinderte. Park & Ride scheinen in Nidderau nicht der Renner zu sein, gut 60 Parkplätze stehen zur Verfügung, sind kostenlos und an diesem Morgen des Testbesuchs trotzdem nicht alle belegt. Aber die Nidderauer - zumindest jene, die nach Frankfurt wollen - haben ja an der Willi-Salzmann-Halle noch eine zweite Station, die auch fleißig genutzt wird.
Unser maroder Bahnhof (den der Ortsunkundige mangels Hinweisschilder ganz schön lange suchen muss) liegt statt dessen fernab vom Schuss "im Grünen", fußläufig ungern zu erreichen. Alles kann nur besser werden.
Sollte das Gebäude tatsächlich saniert und seiner ursprünglichen Funktion wieder zugeführt werden, könnte der alte Bahnhof "Heldenbergen-Windecken" ein Schmuckstück werden. Vergleichbare Beispiele anderswo gibt es. Übrigens: Teile des Bahnhofs sind zu vermieten.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick
Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.
Facebook | Twitter überregional | Google+