Ein Schmuckstück für Ober-Roden - diese Zukunftsvision von dem leerstehenden Bahnhofsgebäude an der S-Bahnstation hatte die Stadt Rödermark schon beim Bahnhofstest vor fünf Jahren. Seither sind hier Tausende von Zügen abgefahren - und auch der damalige Kaufinteressent ist längst wieder von der Bildfläche verschwunden.
Nun hat die Stadt Ende 2007 die Liegenschaft für 400.000 Euro von der Bahn gekauft und sucht nach einem Investor. Die Diskussion um die mal schillernd, mal seriös auftretenden Interessenten tobte quer durch die politischen Parteien.
Erreichbarkeit: keine Radwege, wenig Parkplätze 3 Punkte
Wege: kurz und gut ausgeschildert 5 Punkte
Warten: Warten im Warmen nicht möglich 1 Punkt
Service: reicht aus 3 Punkte
Sicherheit & Sauberkeit: vorne gut, die westlichen Parkplätze sind dreckiger 3 Punkte
Gebäude: ganz schön, aber Renovierungsbedarf 2 Punkte
Barrieren: keine Familienparkplätze 3 Punkte
Gesamtnote: okay, aber Service im Gebäude fehlt 3 Punkte
Fahrgastaufkommen: rund 4000 Reisende pro Tag
Zahl der Gleise: 4
Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R): 190
Zahl der Fahrradboxen: 32
Jetzt wurden neue Gespräche mit den schon seit längerem am Bahnhofskauf interessierten Gesellschaftern des Steuerberatungsbüros Con Trust geführt, die beide Seiten als positiv bewerteten. "Wir scheinen ein gutes Ergebnis erzielt zu haben", sagt Bürgermeister Roland Kern (Andere Liste). "Es fehlt noch die Unterschrift, aber die Eckpunkte sind geklärt." In ihrer Sitzung am 4. Mai sollen die Stadtverordneten dem Verkauf des maroden Gebäudes für knapp 69.000 Euro zustimmen.
Die Differenz zum Einkaufspreis sieht der Bürgermeister gelassen. "Wir würden viel mehr drauflegen, wenn wir den Bahnhof selbst wieder herrichten würden."
Das Herrichten scheint bei Con Trust Herzenssache zu sein. Die Gesellschafter waren auf der Suche nach einer neuen, repräsentativen Kanzlei, "und wir haben uns in das Anwesen verliebt", sagt Geschäftsführer Andreas Resch. "Das ist ein tolles Gebäude, das aber momentan ein schreckliches Erscheinungsbild bietet."
Wenn Con Trust das ehemalige Empfangsgebäude kauft, soll es nach der Renovierung für das Stadtbild ein positives Beispiel bieten, von dem Eigentümer, Pendler und Stadt profitieren. Neben den Büros für die aktuell 16 Mitarbeiter würde dann auch eine Gastronomie in den Bahnhof kommen. Sowohl die Pendler sollen hier einen Kaffee und einen Snack bekommen - als auch Leute, die abends essen gehen wollen. "Gehoben, aber nicht abgehoben", wäre die Wunschvorstellung von Reusch. Ein Biergarten soll dabei sein und dafür sorgen, dass die Umgebung auch belebt wird.
Den betonlastigen Vorplatz wird die Stadt für 300.000 Euro so herrichten, dass man sich auch länger dort aufhalten mag. "Die Verkehrsführung für die Busse und die Zufahrt zum Park-and-ride-Platz über den Vorplatz wird etwas knifflig", sagt Bürgermeister Kern. Die gute Nachricht für genervte Pendler, die nicht schon um 6 Uhr morgens einen Stellplatz brauchen, sondern später ihre Runden auf der Suche nach einem freien Parkplatz drehen: Es soll auch mehr Stellplätze geben. Auf der Fläche rund um den Bahnhof, bisher zum Teil Brache, auf der um die vielen Schlammlöcher schon jetzt Autos kreuz und quer gestellt werden, sollen 30 Parkplätze entstehen.

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