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Bahnhofstest Rüsselsheim: Ganz ohne dunkle Ecken

Angenehmnes Ambiente: Der 2005 errichtete Bahnhof in Rüsselsheim hat viele Stärken. Und ein neuer Aufzug geht in Kürze in Betrieb. Doch längere Wartezeiten sollten Reisende nicht riskieren. Von Madeleine Reckmann

Ein Aufzug soll demnächst den Weg auf den Bahnsteig erleichtern.
Ein Aufzug soll demnächst den Weg auf den Bahnsteig erleichtern.
Foto: Rolf Oeser/FR

Leichtigkeit, Transparenz und Weite. Sollte der Rüsselsheimer Bahnhof mit drei Begriffen beschrieben werden, diese würden passen. Die Glasfassaden lassen ihn durchscheinend wirken. Das Dach macht nicht an der Gebäudegrenze Halt, sondern erstreckt sich auf einer Seite in sieben Metern Höhe einige Hundert Meter weit über den Busbahnhof. Die schlanken Säulen und die gewölbte Form lassen es so leicht aussehen als könnte es fortfliegen.

Eleganz wäre ein vierter Begriff, der mit dem 2005 errichteten Bahnhof verbunden werden könnte. Das Dach vereinigt alle Funktionen unter sich: Das Café und die Buchhandlung, den Durchgang zu den Gleisen, das Haupthaus, einen Schutz für einen Teil der Fahrradständer und die Bushaltestellen. Kein Gestaltungselement wurde dem Zufall überlassen. Die roten Mauerelemente korrespondieren mit der unter Denkmalschutz stehenden Klinkerfassade des Opel-Hauptportals gegenüber. Dunkle, schmuddelige Ecken sucht man vergebens. Gleise, Bahnsteige, Fahrkartenautomaten, alles ist übersichtlich angeordnet.

Testnoten
Rüsselsheim

Erreichbarkeit: zehn Busse halten am Bahnhof 5 Punkte

Wege: gut ausgeschildert 4 Punkte

Warten: leider gibt es keinen Wartesaal 3 Punkte

Service: ganz ordentlich 3 Punkte

Sicherheit & Sauberkeit: sauber, außer Unterführung 4 Punkte

Gebäude: heiter und leicht 5 Punkte

Barrieren: Verbesserung für Rollifahrer in Sicht 3 Punkte

Gesamtnote: Der Bahnhof hat Stärken, die Schwächen werden demnächst beseitigt 3 Punkte

Fahrgastaufkommen: rund 10.000 Reisende pro Tag

Zahl der Gleise: 3

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze (inkl. P+R) 273

Zahl der Fahrradboxen: 8

Auf der leicht schiefen Ebene des Vorplatzes sprudelt ein Springbrunnen. Gehbehinderte können ohne jegliche Stufen auf den Bahnsteig in Richtung Wiesbaden gelangen.

Kein Zugang für Behinderte

Seit Jahren gibt es jedoch Probleme wegen eines fehlenden Aufzugs. Mit dem bestehenden können Rollstuhlfahrer nur in die Unterführung fahren und die dortige behindertengerechte öffentliche Toilette benutzen. Auf den Bahnsteig in Richtung Frankfurt können sie nicht. Der zweite, dort vorgesehene Aufzug, wird jetzt erst gebaut. Im Juni soll er in Betrieb gehen. Aufwendige Genehmigungsverfahren, unter anderem bei der Bahn, seien für den Verzug verantwortlich, sagt die städtische Pressesprecherin Silke Fey. Im Sommer soll auch die Unterführung verschönert werden. Jetzt ist sie noch schmutzig.

Zu erreichen ist der Bahnhof gut. Er liegt mitten in der Innenstadt. Zehn Busse machen dort Station. Wer lieber mit dem Rad kommt, findet immer einen freien Fahrradständer. Etwa 350 gibt es. Mit dem Auto anzureisen ist nicht ratsam, es sei denn, man hat einen der wenige Gehminuten entfernten 226 Park&Ride-Plätze gemietet. Auf den etwa 50 Plätzen in Bahnhofsnähe kann nur stundenweise geparkt werden.

Längere Wartezeiten sollten Reisende besser nicht riskieren, vor allem nicht im Winter. Das Bahnhofsgebäude ist zwar schön anzusehen, hat aber keinen Wartesaal. Wer doch Zeit totschlagen muss, trinkt im Café oder beim Bäcker einen Kaffee. Oder macht bei der Servicestelle der Stadtwerke Erledigungen. Fragen zur Gas- oder Wasserrechnung werden beantwortet, Busfahrkarten können gekauft werden. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund ist im selben Kundenzentrum untergebracht. Die Bahn informiert und verkauft Tickets ein paar Schritte weiter.

Fazit: Der Bahnhof hat ein angenehmes Ambiente. Nun sollten auch neue S-Bahnen auf den Linien 8 und 9 fahren.

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  21 | 4 | 2010
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