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Barack Obama auf Tour: Symbolisches Ölzweig-Wedeln in Nahost

US-Präsident Barack Obama reist nach Saudi-Arabien, Ägypten, Deutschland und Frankreich. Sein Aufenthalt in Kairo ist ein Balanceakt. Was kann der mächtigste Mann der Welt in Nahost bewirken? Von Dietmar Ostermann

Weil auch die prinzipielle Möglichkeit besteht, dass der US-Präsident auch noch mal bei der Sphinx in Gizeh vorbeischaut, bekommt dieser Zaun einen neuen Anstrich.
Weil auch die prinzipielle Möglichkeit besteht, dass der US-Präsident auch noch mal bei der Sphinx in Gizeh vorbeischaut, bekommt dieser Zaun einen neuen Anstrich.
Foto: afp

Washington. Natürlich war vorab wieder viel von der schwierigsten Mission und wichtigsten Rede des Barack Obama die Rede. Bei diesem US-Präsidenten ist das immer so: Alles muss irgendwie historisch sein. Diesmal immerhin, auf seiner fünftägigen Reise nach Saudi-Arabien, Ägypten, Deutschland und Frankreich, wartet auf Obama tatsächlich ein komplizierter Balanceakt.

Kernstück ist - nach dem Besuch in Riad am heutigen Mittwoch - Obamas geplante Grundsatzrede am Donnerstag an der Universität von Kairo, gerichtet "an die muslimische Welt". Der Präsident der USA will in der ägyptischen Hauptstadt eines seiner großen außenpolitischen Projekte vorantreiben: ein neues Verhältnis der Supermacht zu den Staaten und Völkern unterm islamischen Halbmond zu schaffen.

Obama in Deutschland

Auf seinem Trip nach Saudi-Arabien, Ägypten und Frankreich macht der US-Präsident auch in Deutschland Station.

Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die ersten Monate der Präsidentschaft Obamas. Schon in seiner Antrittsrede im Januar hatte der 44. US-Präsident auf den Stufen des Kapitols von neuem "Respekt" gegenüber Muslimen gesprochen. Das erste TV-Interview nach seinem Amtsantritt gab er dem arabischen Fernsehsender Al Arabija, zum persischen Neujahrsfest schickte Obama dem iranischen Volk eine Videobotschaft, im April sprach er in der Türkei von deren Brückenfunktion zwischen West und Ost. Nun kulminiert in Kairo das rhetorische Ölzweigwedeln.

Wie schwierig aber die erhoffte Annäherung in der Praxis bleibt, wurde schon im Vorfeld der Kairo-Rede deutlich. Obama besucht das konservative Königreich Saudi-Arabien und Husni Mubaraks Ägypten: zwei arabische Staaten, die zwar als traditionelle US-Verbündete gelten, deren autokratische Regime aber in den Augen ihrer Völker kaum über Legitimität verfügen. Diese Tatsache wurde in der Region aufmerksam wahrgenommen.

Große Nähe zu den unpopulären Herrschern bringt wenig

Der US-Präsident braucht Ägyptens Präsident Mubarak und den saudischen König Abdullah, um den Nahost-Friedensprozess wieder in Gang zu setzen. Obama nannte Mubarak einen "in vieler Hinsicht treuen Verbündeten". Eine zu große Nähe zu den unpopulären Herrschern aber kann dem US-Präsidenten auf der arabischen Straße kaum nutzen. "Die Flitterwochen des Präsidenten im Nahen Osten werden nicht lange andauern, weil sich die US-Politik nicht ändert", urteilt der Nahost-Experte Jon Alterman von der Washingtoner Denkfabrik CSIS bereits jetzt.

Genug der Reden, nun wolle man endlich Taten sehen, tönt es Obama denn auch schon vor seinem Auftritt in Kairo aus arabischen Medien entgegen. "Letztlich werden es Taten und nicht Worte sein, die den Fortschritt bestimmen", hat auch der US-Präsident erkannt.

Zum Gradmesser dafür gilt vielen, inwieweit Washington im Nahost-Konflikt bereit ist, Druck auf den Verbündeten Israel auszuüben. Im Streit um israelische Siedlungen im Westjordanland haben die USA ihre Haltung bereits verschärft. Dass Obama auf seiner Nahost-Reise den jüdischen Staat nicht besucht, gilt ebenfalls als ungewöhnliches Signal.

Aus US-Sicht aber darf der Versuch, Misstrauen und Ablehnung in der muslimischen Welt gegenüber den USA abzubauen, nicht auf Kosten Israels gehen. Denn wenn Jerusalem an der bedingungslosen Rückendeckung der Schutzmacht zweifelt,wächst die Gefahr, dass Israel seine Sicherheitsinteressen auf eigene Faust wahrnimmt - bis hin zu möglichen Militärschlägen gegen iranische Atomanlagen. Daran kann Obama kein Interesse haben.

Deshalb kommt in der sorgfältigen amerikanischen Choreografie der dritten Station der Obama-Reise, dem Besuch in Deutschland, hohe symbolische Bedeutung zu. Nach Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Dresden besucht Obama das frühere Konzentrationslager Buchenwald, an dessen Befreiung durch US-Truppen 1945 auch sein Großonkel Charlie Payne beteiligt war.

Offiziell ist die Visite auf dem Ettersberg, bei der der ehemalige Auschwitz- und Buchenwaldhäftling Elie Wiesel den Präsidenten begleiten wird, reine Privatsache. Für Obama aber bietet der Besuch in Buchenwald auch eine Gelegenheit, sich an historischer Stelle zu Amerikas Verantwortung für die Sicherheit des jüdischen Volkes zu bekennen. Wenn Obama dann von Deutschland aus zum eigentlichen Anlass der Reise aufbricht, den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten 1944 in der Normandie, hat er den schwierigsten Teil seines Balanceakts hinter sich.

Autor:  DIETMAR OSTERMANN
Datum:  3 | 6 | 2009
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Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

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