kalaydo.de Anzeigen

Beeinflussung: Per Blog zur neuen Wolfsschanze

Internet-User versuchen die Umfrage zum Moscheen-Bau mit allen Tricks zu beeinflussen.

Muslime lesen im Koran in der Abubakr Moschee der Islamischen Gemeinde.
Muslime lesen im Koran in der Abubakr Moschee der Islamischen Gemeinde.
Foto: FR

Zum ersten und einzigen Mal meldet einer am frühen Samstagmorgen Bedenken an: "Hmm, ich weiß nicht, ob es richtig ist, hier einen Aufruf zu machen, um eine Umfrage zu unseren Gunsten zu drehen und noch dazu zu versuchen, gleich mehrmals abzustimmen. Wenn die Umfrage repräsentativ sein soll, dann ist dem nicht geholfen, wenn nur wir politisch Inkorrekten dazu ,abstimmen'", schreibt "Stalker" um 1.31 Uhr in das Forum der Seite politicallyincorrect.de (PI).

Dessen Betreiber setzen alle Hebel in Bewegung, um die FR-Umfrage zum Moscheebau im Industriehof bei Hausen zu beeinflussen. Gaben am Freitag weniger als 1000 Menschen ihre Meinung zum Moscheebau ab, waren es am Samstag knapp 3000, am Sonntag registrierte die Online-Redaktion ebenfalls mehrere tausend Zugriffe. Den Aufruf, "die moscheekritischen Stimmen ein wenig nach oben zu korrigieren", startete PI am späten Freitagabend.

"Stalkers" Gewissen wurde übrigens kurz darauf beruhigt. Eine "Leserin" schreibt um 8.39 Uhr, man solle keine allzu großen Skrupel haben wegen eventuell manipulierter Abstimmungen. "In diesem Fall wissen wir wenigstens, wie das Ergebnis (in diesem Fall zu unseren Gunsten) zusammengekommen ist." Skrupel sind ohnehin nicht die Sache der Meinungsmacher auf der Internet-Seite, die sich nach eigenen Angaben den "News gegen den Mainstream" verschrieben hat, sich im Kampf "gegen die Islamisierung Europas" sieht. Gleich der erste Kommentar in der Folge von Beiträgen, die die Beeinflussung der FR-Umfrage dokumentieren, gibt die Richtung vor: Von der nächsten Wolfsschanze, die "unbedingt" und "ohne Rücksicht auf Verluste" gebaut werden müsse, fabuliert ein Nutzer. Den "Erfolg" des Voting-Aufrufs dokumentieren die Forumsteilnehmer genüsslich und entwerten das Ergebnis selbst. "4 Prozent in 90 min", schreibt "LeKarcher" um 23.17 Uhr und rechnet hoch: "Das heißt, in 9 Stunden haben wir die 100 Prozent! Gebt alles, Leute!". Tatsächlich steigt die Zahl der Nutzer, die den Bau der Moschee grundsätzlich ablehnen in den folgenden Stunden rapide an. Aus gut 50 Prozent Ablehnung am Freitagnachmittag sind so am Sonntag um 17.15 Uhr knapp 88 Prozent geworden. Ausführlich debattieren einige darüber, wie man die Einschränkung, dass von jedem Computer nur ein Voting möglich ist, umgehen kann.

Dazwischen Wasserstandsmeldungen und teils haarsträubende Begründungen für ihre Voting-Entscheidung bei einigen Nutzern: "Dagegen, aber gewiss nicht mit der angegebenen Begründung, dass es schon genug Moscheen da gäbe", schreibt "Pit" um 23.45 Uhr. Moscheen seien vielmehr "Terrorstützpunkte des Islam", welcher "Krieg gegen uns führt." Ein weiterer Tiefpunkt einer "Diskussion", die vielmehr ein gegenseitiges Anstacheln zur Islam-Hetze ist. Der Dortmunder Künstler Erhard Arendt dokumentiert schon seit längerem die Äußerungen des "rassistischen, islamophoben" Blogs, der sich auch nicht scheue, zur Gewalt aufzurufen.

Das bestätigt auch ein Blick auf eine Liste von Äußerungen auf der PI-Seite, die der Medienjournalist Stefan Niggemeier auf seiner Internetseite zusammengetragen hat. Gewalt- und Boykottaufrufe gegenüber Muslimen, Diffamierungen und Beleidigungen, die an dieser Stelle besser nicht zitiert werden. Der Urheber der Internet-Seite, Stefan Herre, bezeichnet sein Blog als das Resultat seiner "totalen Aversion gegen die linksideologische ,Political Correctness'" Europas.

Während im Netz unter dem Schutz anonymer Meinungsäußerung eine irrwitzige Debatte um die multireligiöse Gesellschaft tobt, die, wie das Beispiel PI zeigt, teils keine Debatte mehr ist, machen Ortsbeiräte Schritte hin zu mehr Dialog zwischen den muslimischen Gemeinden und den Stadtteilen. Solche Gespräche müssen aufgenommen werden, mit den 35 islamischen Gemeinden, die die FR unten vorstellt.

Islam in Frankfurt

Innenstadt: Al Majlisul Ittehad Li-Islahil Ummah, Münchener Str. 51, sunnitisch Deutsch-afghanisches Zentrum, Zeil 29, sunnitisch Idara Minhaj-ul-Quran Kulturzentr., Albusstr. 19, sunnitisch Par Dak ul Islam - islamische Gmd., Münchener Str. 55, sunnitisch Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), Münchener Str. 21, sunnitisch Verein der Guten Sitten, Hinter der Schönen Aussicht 5, sunnitisch

Nördliche Stadtteile: Imam Ali Kulturzentrum, Berner Str. 47, schiitisch Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, Genfer Str. 11, Ahmadiyya-Gemeinde Gebets- und Kulturverein türkischer Arbeitnehmer in Frankfurt, Ben-Gurion-Ring 10a, sunnitisch Omar-Moschee, August-Schanz-Straße, sunnitisch

Westliche Stadtteile: Alevitisches Kulturzentrum Frankfurt, An der Steinmühle 16, alevitisch Verein der Hazrat Fatima Moschee, Linkstr. 77, schiitisch Marokkanisch-islamischer Kulturverein, Lärchenstr. 78, sunnitisch Islamisches Zentrum Frankfurt, Eichenstr. 41, sunnitisch Arabisch-Deutscher Kulturverein, Andreasstr. 2, sunnitisch Marokkanischer Kulturverein Frankfurt-Höchst, Kasinostr. 13, sunnitisch Türkischer Kultur- und Bildungsverein, Zuckschwerdstr. 1a, sunnitisch DITIB Türkisch-Islamische Gmd. zu Höchst, Emmerich-Josef-Str. 4, sunnitisch Bangladesh Islamisches Zentrum (Baniz), Kleemannstr. 42, sunnitisch Türkisches Kulturzentrum, Breitlacher Straße, sunnitisch Islamische Gemeinde Frankfurt, Praunheimer Landstr. 19, sunnitisch Islamische Informations- und Serviceleistungen, Mainzer Landstr. 116, sunnitisch Islamisches Kulturzentrum Frankfurt, Lahnstr. 15, sunnitisch Islamischer Verein , Mönchhofstr. 24a, sunnitisch Somalisch-islamischer Kulturverein, Rottweiler Str. 26, sunnitisch Valide Sultan Moschee, Kriegkstr. 45-49, sunnitisch Marokkanischer Verein für die Förderung des Geist. und Kult. Gutes, Heilbronner Str. 20-22, sunnitisch

Östliche Stadtteile: Imam Sadjad Kulturzentrum, Gwinner Str. 30a, schiitisch Gamaat Bismi Allah, Mergenthaler Str. 3, sunnitisch Afghanisches Kulturzentrum Maihan, Wächtersbacher Str. 95, sunnitisch Türkisch Islamisches Kultur- und Erziehungszentrum Dergah, Mittelseestr. 25, sunnitisch Islamisch Indonesische Gemeinde, Waldschmidtstr. 75, sunnitisch

Südliche Stadtteile: Pakistanisch-Islamische Gemeinde, Offenbacher Landstr. 212, sunnitisch

Autor:  SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Datum:  21 | 8 | 2007
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Anzeige

Top Stellenangebote

Anzeige

 

Staumelder

Staumelder 21 Staus mit einer Gesamtlänge von 57km
Zu den Staumeldungen
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Eintracht Frankfurt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
Turkish Airlines ist als Sponsor im Gespräch.
Eintracht Frankfurt 
        

In seinen Hochzeiten auch Eintracht-Kapitän: Chris.
Eintracht Frankfurt 
Eintracht Frankfurt zieht Bilanz 

Frankfurter Rundschau im Abo