Der 16. April war für Alexander B. Ein heilsamer Schock. "Seitdem habe ich weder eine Zigarette noch irgendwas anderes geraucht." Und diese Aussage hat er sich sogar vom TÜV bestätigen lassen: Der 34-jährige Autohändler und ehemalige BWL-Student ist so clean wie sein frischgebügeltes weißes Hemd, das er auf der Anklagebank des Amtsgerichts trägt.
Am 16. April 2009 räumte die Polizei B.s Bude an der Weberstraße auf. Das war auch dringend nötig, denn dort wuchsen schon Pflanzen. 55 Hanfstengel, "schöne, grüne, saftige Pflanzen", wie sein Anwalt sagt, gut für 1290 Gramm Stoff mit einem rechtschaffenen THC-Gehalt. Das Marihuana rauchte B. am liebsten selbst, "sieben bis acht Joints am Tag, manchmal mehr", den Rest verkaufte er an Freunde. Für 3,50 Euro das Gramm, was in der Branche durchaus als Schnäppchenpreis gesehen werden dürfte.
"Als Beteiligung für die Stromrechnung", sagt B., und das glaubt ihm zumindest ein wenig sogar die Staatsanwaltschaft, die sich B´s Stromrechnung vom Energieversorger hat schicken lassen. Die liegt um das Siebenfache höher als die einer vergleichbaren Wohnung ohne Cannabis-Plantage. Die Spezial-Lampen, die dem Gras vorgaukelten, von echter Sonne verwöhnt zu werden, sind rabiate Stromfresser.
Angst vor Blei
B. ist geständig, es tut ihm auch alles furchtbar leid und er wird´s nie wieder tun. Aber seine Motive kann auch jeder Kunde eines Biomarktes nachvollziehen: "In Berlin haben Leute Blei ins Gießwasser getan", um das Gewicht ihrer Hanfpflanzen und damit deren Gewinn zu steigern, "da sind auch Leute dran gestorben", und er habe sich gedacht, da baue er doch lieber selber an, statt eine Bleivergiftung zu bekommen. Mit anderen Worten: Es war allerhöchste Eisenbahn, dass Alexander B. mit der paranoiafördernden Kifferei aufhört, und das hat er ja auch getan.
Urteil: Anderthalb Jahre auf Bewährung und 1500 Euro an "Keine Macht den Drogen". Damit kann Alexander B. leben. Das Geld ist schnell wieder drin, wenn er nicht mehr raucht.

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