Um die Reparaturwerkstatt "Radler", den die Bauhaus-Werkstätten am Hauptbahnhof betreiben, gibt es Ärger. Bei der Handwerkskammer liegt eine Beschwerde vor: Dort würden Fahrräder unter gesetzeswidrigen Umständen repariert. Die Werkstätten verteidigen sich: Arbeitslosen werde dort geholfen, sich im Berufsleben wieder zurecht zu finden. Die Gewerkschafter Veit Wilhelmy und Horst Schmitthenner zweifeln diesen Effekt jedoch an.
Seit Ende 2008 liegt die Beschwerde der Kammer vor. Im "Radler" würden Reparaturen ausgeführt, obwohl für diese kein Meister eingetragen ist. Der Beruf des Zweiradmechanikers untersteht jedoch dem Meisterzwang.
Die "Gesellenregel" wird geprüft
Seit etwa einem halben Jahr fehlt dem "Radler" ein Meister, räumte der Geschäftsführer des Bauhauses, Michael Lechner, auf Nachfrage ein. Man habe einen Betriebsleiter benannt. Dem fehle zwar der Meistertitel, mit seiner Berufserfahrung erfülle er aber die nötigen Voraussetzungen. Man habe bei der Kammer beantragt, ihn zuzulassen.
Grundsätzlich gibt es Ausnahmen vom Meisterzwang, so die Kammer. Dies müsse im Einzelfall geprüft werden. Zum Beispiel lasse die "Gesellenregel" zu, dass ein Geselle nach entsprechender Zeit ohne Prüfung Funktionen eines Meisters übernehmen kann.
"Arbeitslose lernen nichts"
Laut Lechner arbeiten im "Radler" acht Ein-Euro-Jobber. Geführt würden sie von einem fest angestellten "Fachanleiter" und Honorarkräften. Für 20 Euro plus Materialkosten kann der Kunde einen "Sicherheitscheck" durchführen lassen. Er kann morgens sein Rad abgeben, lässt kleine Reparaturen machen und holt das Rad am gleichen Tag abends wieder ab.
Die Gewerkschafter Veit Wilhelmy und Horst Schmitthenner kritisieren das gesamte Projekt: "Der Radler wurde unter der Vorgabe eingerichtet, Ausbildungsplätze zu schaffen. Das kann ohne Meisterbrief aber nicht passieren." Lechner weist diese Kritik zurück: "Der Radler ist kein Ausbildungsbetrieb - das war nie vorgesehen." Das Projekt biete Arbeitslosen sozialpädagogische Betreuung und einen Einblick in die Arbeit eines Zweiradmechanikers. "Zudem hilft es ihnen, sich wieder in berufliche Abläufe einzugliedern." Wenn die Ein-Euro-Jobber Jugendliche seien, könnten sie danach in Ausbildung gehen und hätten mit der Arbeit im "Radler" ihre Bewerbungschancen verbessert.
Wilhelmy bezweifelt das: "Die Arbeitslosen lernen dort nichts, was ihnen bei der Bewerbung weiter hilft." Studien bewiesen sogar, dass Euro-Jobs die Chancen verminderten. "Andere Arbeitgeber wissen, wie wenig dort qualifiziert wird - war jemand in einem Ein-Euro-Job, ist er für andere Bewerbungen stigmatisiert."

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