Frankfurts Brückenlandschaft ist im Fluss. Nach den Sommerferien beginnen die Arbeiten am städtischen Bebauungsplan für die neue "Mainbrücke Ost", die gleichsam als Verlängerung der alten Honsell-Brücke das Ostend und die südliche Mainuferstraße verbinden soll.
EZB-Brücke möchte sie Dieter von Lüpke, der Leiter des Stadtplanungsamtes, "nicht nennen, denn EZB-Brücke ist ein Kampfbegriff". Nicht allein der Erschließung des geplanten neuen Quartiers der Europäischen Zentralbank diene der Brückenschlag, sondern dem Verkehrsfluss im gesamten Frankfurter Osten.
Dierk Hausmann, Leiter der Abteilung Sonderprojekte im Planungsamt, argumentiert mit der Brückendichte in europäischen Metropolen wie London oder Paris: "Die Mainbrücke Ost schließt eine Lücke". Es sei einfach notwendig, die Stadtteile südlich und nördlich des Mains "gut zu vernetzen".
Ganz ähnlich sieht das Dietrich Wilhelm Dreysse, der Vorsitzende des Städtebaubeirates, in dem Architekten und Planer die Stadtregierung beraten. "Die Stadt insgesamt hat sich vergrößert und der Austausch zwischen den nördlichen und südlichen Stadtteilen muss verbessert werden", so der Architekt. Schon 1907 sei eine solche "Ostend-Brücke" erstmals geplant worden.
22 Millionen Euro soll die zweispurige Straßenbrücke kosten, frühestens Mitte 2010 ist mit dem Baubeginn zu rechnen. Dreysse hält es aber für notwendig, auch im Westen der Stadt eine neue Straßenbrücke zu bauen: "Hier gibt es eine besonders große und lange Trennung beider Teile der Stadt durch den Main".
Diese "Mainbrücke West" müsste nach Dreysses Ansicht in Verlängerung der Krifteler Straße im Gallus nördlich des Mains ansetzen. Über diese westliche Brücke habe schon der renommierte Stadtbaumeister May in den 20er Jahren nachgedacht.
Auch Hausmann hält "einen weiteren Brückenschlag im Westen von der guten Vernetzung her für richtig". Amtsleiter von Lüpke verweist allerdings darauf, dass der neue Gesamtverkehrsplan der Stadt eine solche Verbindung nicht vorsieht: "Das ist erst einmal ad acta gelegt".
Noch immer im politischen Streit steckt die lange geplante Sanierung der Alten Brücke: Zwar soll sie nun endlich nach mehrfacher Verschiebung 2009 beginnen - doch wieviel Fahrspuren das Bauwerk aufweisen soll, ist politisch noch immer nicht entschieden. Das Durcheinander beschreibt Hausmann mit den Worten: "Niemand legt sich fest".
Bei anderen wichtigen Straßenbrücken Frankfurts besteht kein Handlungsbedarf. Die vielbefahrene Friedensbrücke im Westen ist in den 90er Jahren mit großem Aufwand saniert worden, Untermainbrücke und Ignatz-Bubis-Brücke wurden danach erneuert.

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