Der Verkehrsclub Deutschland kritisiert die Ankündigung von Fraport, sich künftig verstärkt um Billigflieger zu bemühen. Damit kippe der Frankfurter Flughafenbetreiber den Planfeststellungsbeschluss, sagte der hessische Landesvorsitzende Werner Geiß am Montag.
"Der prognostizierte, stetig steigende Bedarf an Flugverkehr blieb bis zum Schluss des Planungsprozesses das einzige, alle öffentlichen Interessen überragende Argument für den Flughafenausbau", sagte Geiß. Angesichts der nun sogar rückläufigen Nachfrage suche Fraport offenbar "händeringend neue Kundschaft unter den Airlines", um künftige Überkapazitäten zu decken. Das Werben um Billigflieger sei "das Eingeständnis von Fraport, dass es jenen sagenhaften Bedarf gar nicht mehr gibt, nie gegeben hat". Es sei nun geboten, den geplanten Bau der Nordbahn zu unterbinden. Nur so könne man die Region "vor einer gigantischen Fehlinvestition bewahren".
Fraports neuer Chef Stefan Schulte hatte am Wochenende angekündigt, der Frankfurter Flughafen wolle sich nach Eröffnung der neuen Landebahn im Jahr 2011 stärker für Billigflieger öffnen. "Wir sind mit Easyjet in Kontakt", wurde Schulte in Medien zitiert. Die größeren Kapazitäten durch die neue Landbahn böten aber auch anderen Billigfliegern Chancen, sagte er weiter. Dabei habe Fraport aber wenig Interesse an Flügen in die deutsche Provinz. Der Konzern brauche "hochwertigen Verkehr".
Mit dem Buhlen um Billigflieger käme Fraport der früheren, im Januar abgestoßenen Konzern-Tochter Hahn in die Quere. Denn der 120 Kilometer entfernte ehemalige Militärflughafen im Hunsrück lebt vom Geschäft mit Billig-fliegern. Größter Kunde ist Ryanair. Die irische Fluggesellschaft hat derzeit elf Maschinen am Hahn stationiert und will die Flotte ausbauen. Neben Ryanair starten auch die Billigflieger von Wizzair, Icelandexpress und Belavia von der rheinland-pfälzischen Provinz aus.
Überrascht, aber gelassen
Die Ankündigung Fraports habe überrascht, sagte eine Sprecherin des Flughafens Hahn am Montag auf Anfrage. Man sehe der neuen Konkurrenz aber gelassen entgegen. Billigfluggesellschaften forderten niedrige Kostenstrukturen. Schulte und Fraport hätten aber mehrfach die Erhöhung von Landegebühren erwogen. "Ich bin mir nicht sicher, wie attraktiv es für Low-cost-Airlines sein wird, von Frankfurt zu fliegen", sagte die Sprecherin.
Schulte hatte am Wochenende dennoch das Konzept verteidigt, die Fluggesellschaften an den Kosten für den Flughafenausbau zu beteiligen. "Die Investitionen in weiteres Wachstum haben wir gemeinsam gewollt, geplant und umgesetzt. Jetzt müssen wir sie auch gemeinsam finanzieren." Dazu gehöre auch eine Erhöhung der Gebühren. (pdi/dpa)

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick
Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.
Facebook | Twitter überregional | Google+