Das große Scherbengericht blieb aus. Nur ein einziges Wasserglas ging zu Bruch als sich 131 CDU-Mitglieder am Dienstag Abend im Bürgerhaus Kirdorf zu einem Sonderparteitag versammelten. Ihr Vorsitzender Thorsten Bartsch stellte die Vertrauensfrage und fast 90 Prozent (114 Stimmen) der Anwesenden wollten ihn auch zukünftig an der Parteispitze stehen. Vierzehn Mitglieder stimmten gegen ihn, drei enthielten sich. Die Bekanntgabe des Ergebnisses ging in tosendem, minutenlanger Applaus fast unter.
Mit ungewohnter Geschlossenheit reagierten die Christdemokraten auf das Debakel bei der Oberbürgermeisterstichwahl am 10. Mai. Die amtierende OB Ursula Jungherr war dem als unabhängiger Kandidat angetretenen Grünen-Politiker Michael Korwisi in der Stichwahl mit nur 40,5 Prozent deutlich unterlegen.
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"Das ist heute der Startschuss, um die neue politische Ausrichtung einzuleiten", sagte Bartsch in einer langen Ansprache. Als Fazit zahlreicher Diskussionen der letzten Wochen in den Stadtteilen sagte er, die verlorene OB-Wahl sei zugleich eine Persönlichkeitswahl und ein Denkzettel für die Partei gewesen. Nach dem Streit um die Nominierung eines OB-Kandidaten, bei dem im Dezember der vom Parteivorstand vorgeschlagene Alfred Etzrodt der amtierenden OB Jungherr knapp unterlag, habe man den Wählern die Geschlossenheit der Partei nicht mehr vermitteln können. "Emotionen und Bauchthemen haben die Wahlentscheidung in Bad Homburg bestimmt, eher das Wie als das Was war entscheidend", resümierte der CDU-Chef. An materiellem Einsatz habe es die CDU nicht fehlen lassen. So stehe die Partei durch den Wahlkampf nun mit mehr als 10 000 Euro in den Miesen. Immerhin aber habe der Stadtverband im vergangenen Jahr 10 Prozent mehr Mitglieder gewonnen, es sind jetzt knapp 500.
Mit Blick auf die 2011 anstehende Kommunalwahl sagte Bartsch, für die Kandidatenliste müssten Fachleute und Interessierte neu gewonnen werden. Personalentscheidungen müssten künftig einheitlich getroffen werden, gescheiterte Bürgermeisterwahlen der Vergangenheit angehören. "Einigkeit kann man nicht verordnen, man muss sie wollen und leben", rief er seinen Parteifreunden zu. Die CDU sei nach wie vor die stärkste politische Kraft in Bad Homburg, nur müsse ihre Politik "offener, kommunikativer und bürgernäher" werden. "Hier steht ein geschlossener Block, der nicht mehr die alten Probleme hat", beschwor Fraktionsvorsitzender Alfred Etzrodt. Deutlicher wurde Stefan Zalud: "Wer nicht geschlossen mitstimmt, hat in einer neuen Fraktion nichts zu suchen."

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