Michael Roth, Generalsekretär der hessischen Landes-SPD und Bundestagsabgeordneter für den Kreis Hersfeld-Rothenburg, hat in seinem Leben schon viele Schulen gesehen. Aber so eine wie die Comeniusschule in Wiesbaden hat auch er noch nie zu Gesicht bekommen.
"Das ist deprimierend und beschämend", lautete sein Fazit am Dienstag, nach einem fast einstündigen Rundgang mit Schulleiter Bernhard Hofbeck durch provisorische Container, heruntergekommene Klassenräume und Turnhallen mit Löchern im Boden. Es sei unglaublich, dass es in einer so reichen Stadt wie Wiesbaden und einem so reichen Land wie Hessen Schulen gebe, die in einem solch desolaten Zustand sind. "Hier muss sich unbedingt etwas bessern", sagte Roth.
Dabei hatte der Generalsekretär noch Glück, dass er im Winter kam. Denn im Sommer dringt der Fäkalgeruch aus den alten Toilettenanlagen bis in die Klassenräume hinein, berichtet Schuleiter Hofbeck auf dem Rundgang. Roth reicht es aber auch so: Da das Efeu, das durch marode Holzfenster in die Unterrichtsräume wächst, dort die Waschbecken, die an den Rändern aus den Wänden faulen, hier die Lineoleum-Fußböden, den Risse spalten, und zuletzt auch noch der durchgetretene Turnhallenboden, dessen Löcher provisorisch mit Klebeband gestopft sind. "Da hätte man doch schon viel früher was machen müssen", staunt Roth nur noch. Hofbeck erwidert resigniert: "Wir kämpfen ja auch schon seit zehn Jahren."
Fast war man am Ziel. Doch im Sommer ließ die CDU-Schuldezernentin alle Hoffnung zerplatzen. Sie stoppte den geplanten und etaisierten Neubau sechs Wochen vor Baubeginn aus Geldmangel. Kein Geld mehr da, hieß es. Ein Privat-Öffentliches-Projekt wurde stattdessen in Aussicht gestellt. "Aber das wird nicht vor 2014 klappen", sagt Hofbeck: "Wir sind sehr enttäuscht, fühlen uns im Stich gelassen."
Entsetzt von dem Zustand
Entsetzt von dem baulichen Zustand der Schule mit 200 Schülern ist auch Landeselternbeirätin Kerstin Geiß, die an dem Rundgang teilnahm. "Das ist eine Zumutung für unsere Gesellschaft", schimpft sie. Ihre Kinder besuchten die Helene-Lange-Schule, die eine Patenschaft mit einer Schule im armen Nepal unterhalte: "Die Schule dort ist baulich besser in Ordnung als diese hier." Der Elternbeirat habe gerade in einem Schreiben das Wiesbadener Gesundheitsamt, die Bauaufsicht und den städtischen Personalrat aufgefordert, die Comeniusschule zu überprüfen. "Die Arbeits- und Lernbedingungen scheinen uns gesundheitsschädlich", sagt Geiß. Es sei peinlich, dass die Stadt eine Schule so verkommen lasse, insbesondere eine für Lernhilfe. Auffällig sei allerdings, dass es den anderen beiden Förderschulen, der August-Hermann-Francke-Schule und der Albert-Schweitzer Schule, baulich betrachtet kaum besser gehe.
Generalsekretär Roth, der die Unterbezirke der SPD in regelmäßigen Abständen besucht, erkennt abschließend an, dass das Sonderkonjunkturprogramm "kritikwürdig" ist.

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