Da ist eine alte Lagerhalle. Und da ist ein Kastenwagen, besprüht mit bonbonbunten Graffiti. Vor dem Wagen sitzt ein Mann, dessen Gesicht man nicht sieht und dessen Stimme man nur verzerrt hört. Der Mann, so heißt es, sei Banksy. Das kann man glauben. Oder auch nicht. Banksy also. Nach all den Jahren hat das Street-Art-Phantom, das weltweit Betonwände besprüht, sich nun also auf die Leinwand getraut. Und einen Film gemacht. Es ist ein Film über einen Filmemacher, der einen Film über ihn machen wollte.
Aber Banksy, so viel immerhin weiß man über ihn, steht nicht so auf Öffentlichkeit. Deswegen hat er den Spieß umgedreht und dem Filmer die Kamera aus der Hand genommen - sagt er. Auf jeden Fall ist "Exit Through The Gift Shop" ein ganz großer Spaß geworden. Ein Film, der - so Banksy - auf Street Art etwa so viel Einfluss haben wird wie "Der weiße Hai" auf Wasserski. Da untertreibt er.
"Exit" ist die Geschichte des partiell wahnsinnigen Franzosen Thierry Guetta, der sich in den Kopf gesetzt hat, die naturgemäß etwas scheuen Street-Art-Künstler dieser Welt ins Rampenlicht zu rücken. Allen voran: Banksy, dessen Schablonenkunst längst legendär ist und bei Christie´s für sechsstellige Beträge verhökert wird. Wie Guetta ihn aufspürt, ihn bei seinen nächtlichen Streifzügen begleitet, dabei immer mehr Tassen im Schrank zerdeppert, um schließlich, dank Banksys tätiger Mithilfe, selbst ein gefeierter Künstler namens "Mr. Brainwash" zu werden, das ist so haarsträubend unglaubwürdig, dass es eigentlich nur wahr sein kann. Und ganz nebenbei ist es eine wunderbare Satire um einen permanent sich selbst bauchpinselnden Kunstbetrieb, in dem auch Irre zu Stars werden können, wenn sie nur irre genug sind.
Das alles wirft natürlich jede Menge Fragen auf. Man hätte sie gerne mit dem Regisseur erörtert. Aber dies ist ja leider, siehe Polanski, die Berlinale der abwesenden Regisseure. Also schickte Banksy oder der Mann, der sich für Banksy ausgibt, nur einen kurzen Video-Gruß an die Weltpresse.
Aber wer weiß: Vielleicht saß er ja auch, getarnt als Reporter, mitten im Publikum. Wenn also dieser Tage die gesprühten Bilder pinkelnder Bobbys, kluger Ratten oder von Guantánamo-Puppen an der Fassade des Berlinale-Palasts auftauchen sollten: nicht wundern, sondern abmeißeln - das Zeug ist doch Millionen wert.