Er hatte sich auch mit Nicole Kidman getroffen, aber am Ende landete David Kross mit Kate Winslet in der Badewanne und im Bett. Er war gerade erst volljährig geworden. So lange hatten sie aus rechtlichen Gründen noch warten müssen. Anfangs war er etwas aufgeregt.
Die erste Begegnung sei etwas gehemmt gewesen, erzählt Kross. "Dann konzentriert man sich eben auf die Arbeit und versucht den Film so gut wie möglich zu machen", sagt er. Er sitzt in einem Berliner Hotel, trägt einen grauen Pullover, Jeans, Cowboystiefel und lässt einen Untersetzer immer wieder auf den Tisch fallen. Eine nervöse Geste nach etlichen Interviews, aber er wirkt trotzdem ziemlich ruhig dabei.
Ein offenes Gesicht, eine leise Stimme, ein freundlicher Junge. Einer, der es so weit gebracht hat wie kaum ein anderer deutscher Schauspieler in seinem Alter. "Rührend" fand die New York Times diesen "Mr. Kross" in der Verfilmung von Bernhard Schlinks "Vorleser, die in den USA schon angelaufen ist, für den Oscar nominiert wurde und als eine der großen Attraktionen der Berlinale gehandelt wird.
Kross spielt den 15 Jahre alten Liebhaber einer ehemaligen Auschwitz-Aufseherin und Straßenbahnschaffnerin im Nachkriegsdeutschland. Ursprünglich sollte er an der Seite von Nicole Kidman auftreten, wegen deren Schwangerschaft ist es dann Kate Winslet geworden. Gemeinsam mit der Hollywoodschauspielerin wird er den "Vorleser" auf der Berlinale vorstellen.
Kross spielt in Filmen von Detlev Buck
Auf dem Berliner Filmfestival stand er vor drei Jahren zum ersten Mal im grellen Rampenlicht. Er hatte in Detlev Bucks Großstadtdrama "Knallhart" die Hauptrolle gespielt, einen Teenager, der in die grausame Gangwelt Neuköllns gerät. Beim Casting hatte Bucks Tochter Kross ein paar Mal geohrfeigt und wie der darauf reagierte gefiel dem Regisseur. Er blieb cool, gelassen.
Dass er verletzt war, sah man ihm trotzdem an. Nach einer langen Casting-Prozedur bekam Kross die Rolle - als einer von 500 Bewerbern. Der Film erhielt später den Deutschen Filmpreis in Silber und der Schüler aus Hamburg einige Aufmerksamkeit. Kross hatte bald die nächste Hauptrolle. In Marco Kreuzpaintners "Krabat", dem Film zu Otfried Preußlers Märchenbuch, gab er den Zauberlehrling, der es in der düsteren Mühle mit dem Hexenmeister aufnimmt. Er alterte während des Films glaubwürdig um einige Jahre.
"Der Vorleser" (Trailer) Regie: Stephen Daldry, Kinostart, 26. Februar 2009 http://dervorleser-film.de/
Auch im "Vorleser" entwickelt sich seine Figur vom verdrucksten, pausbäckigen Nachkriegsschüler zum kettenrauchenden, nachdenklichen Jura-Studenten. Auch da nimmt man ihm nicht nur den Jungen, sondern auch den jungen Mann ab.
Es war Kreuzpaintner, der Hollywooderfahrene, der seinen Hauptdarsteller nach Krabat dem Regisseur Stephen Daldry empfahl, als der einen Teenager für seinen "Vorleser" suchte. Auch die Rolle bekam Kross. In einem Alter, in dem Kollegen wie Daniel Brühl langsam anfingen, sich in Vorabendserien erste Auftritte zu erkämpfen, hatte er schon sein erstes Hollywood-Engagement. Entsprechend beeindruckt ist Brühl, der mit Kross in "Krabat" zu sehen war, von dieser Blitz-Karriere: "Er hat nur Kino gemacht, gleich am Anfang. Und dann auch noch diesen internationalen Film, der natürlich die Megawucht ist. Das ist ein Traumstart. Das hat es so, glaube ich, noch nicht gegeben."
Kross spürt den Druck
Kross hält den Druck, den dieser Traumstart mit sich bringt, für wichtig, man bleibt so konzentriert. Von Anfang an hat er viel von sich verlangt. Bei den Dreharbeiten zu "Knallhart" hatte er zwei Wochen lang Stress-Nasenbluten.
Trotz des ganzen Hypes gibt er sich äußerst bescheiden. Eigentlich habe er immer Fußballspieler werden wollen, aber dafür sei er irgendwann zu schlaksig gewesen. Auf einer Laienbühne in seiner Heimat nahe Hamburg hat er gemerkt, dass Schauspieler "auch eine Möglichkeit ist". Seitdem nutzt er diese Möglichkeit. Das Gymnasium hat er nach der Mittleren Reife im Sommer fürs Erste unterbrochen. Sein Englisch immerhin konnte er während der "Vorleser"-Dreharbeiten perfektionieren.
Gerade stand er in Asien für den neuen Buck-Film "Same same - but different" vor der Kamera. Es ist bisher kein Knick in dieser so steilen wie jungen Karriere zu erkennen. Aber auch darauf stellt sich Kross, ganz demütig und sehr vernünftig ein: "Jeder große Schauspieler hat auch Scheiß-Filme gedreht - oder jeder, den ich groß fand. Das wird auch mir noch passieren. Wer weiß. Mein Gott. Man versucht sein Bestes zu geben."
Mit derselben Einstellung wird er den Berlinale-Teppich betreten, obwohl er solche Momente nicht unbedingt mag: "Ich stehe vom Typ her nicht so gerne im Mittelpunkt." Aber einer, der mit der nackten Kate Winslet schon Bett und Badewanne geteilt hat, dürfte auch diese Situation meistern.