Wenige Tage vor dem Bürgerentscheid über die Nordostumgehung am kommenden Sonntag melden sich energisch die Befürworter und Gegner der geplanten Trasse zu Wort. Die Befürworter der rund 154 Millionen Euro teuren Straße durch Darmstadts Nordosten, darunter der SPD-geführte Magistrat, die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Bürgerinitiative "Darmstadt nimmt Fahrt auf" um den ehemaligen Präsidenten der Technischen Universität Darmstadt, Johann-Dietrich Wörner, luden am Dienstag zu einer gemeinsamen Pressekonferenz.
Sie unterstrichen die nach ihrer Meinung verkehrsentlastende Wirkung. Wörner sagte, alle Prognosen deuteten daraufhin, "dass es in Zukunft mehr Verkehr geben wird". Deshalb müsse dafür gesorgt werden, "dass der Verkehr abfließt". Verkehrsdezernent Dieter Wenzel (SPD) schloss sich dem an: "Für den Schwerlastverkehr gibt es keine Alternativen." Die Nordostumgehung sorge dafür, dass in Zukunft täglich 2300 Lastwagen weniger durch die Innenstadt führen.
"Die Wirtschaft vom Verkehr zu entkoppeln, das ist nicht möglich. Sie müssen am Ende die Güterverteilung mit dem Lkw machen", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein. In den Umgehungsstraßen um die Stadtteile Eberstadt und Arheilgen sieht Ex-Oberbürgermeister Peter Benz (SPD) positive Vorbilder.
Das Argument der Gegner, die neue Straße ziehe auch neuen Verkehr an, wollte Klaus Peter Schellhaas (SPD), Erster Beigeordneter des Landkreises Darmstadt-Dieburg nicht gelten lassen: "Ich sehe nicht, dass es zu einer verstärkten Verkehrsanziehung kommt."
Anderer Meinung sind da der Bund für Umwelt und Naturschutz, der Verkehrsclub Deutschland, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, Greenpeace, der Verein Innovative Verkehrssysteme Darmstadt, der Fahrgastverband Pro Bahn und die Bürgerinitiative ONO (Ohne Nordostumgehung). In einer gemeinsamen Presseerklärung heißt es: Die Nordostumgehung werde "insgesamt für mehr Verkehr und damit zu mehr Luftbelastung" sorgen. "Die Darmstädter Bürger sollen viele Millionen zahlen, ohne dass sie davon einen Vorteil haben. Vielmehr wird der Verkehr noch zunehmen: Nach dem Bau der Straße werden 10 000 Fahrzeuge pro Tag mehr im Nordosten Darmstadts erwartet."
Die Jusos sprechen sich ebenfalls gegen die Nordostumgehung aus. Anders als ihre Mutterpartei ist die Nachwuchsorganisation der SPD auf ihrer Jahreshauptversammlung zu dem Schluss gekommen: "Die Nordostumgehung geht an den verkehrspolitischen Notwendigkeiten unserer Zeit vorbei. Hier wird eine autozentrierte Verkehrspolitik aus dem vergangenen Jahrtausend vertreten, die heute überholt ist. In Zeiten von Klimaschutz und klammer Kassen muss ein modernes Verkehrskonzept anders aussehen", so Juso-Sprecher Christoph Miemietz.

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