Bunt war das Spektrum der Macher, bunt das Treiben der Demonstranten auf der Straße: Eltern mit Kinderwagen, eine Sambagruppe und ironische Plakate. Etwa wenn die Veranstalter der Demonstration gegen das Kohlekraftwerk in Anspielung auf den Fraktionsvorsitzenden der Mainzer SPD texten: "Nicht jeder Sucher findet eine Mehrheit."
Am Dienstag zuvor hatte die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) offiziell mit dem Bau begonnen. Zudem schaltete sie Anzeigen, in denen sie die Theorie aufstellte: Die "schweigende Mehrheit" sei für das Kraftwerk. Zwar hatten die Veranstalter zunächst die Sorge: Hoffentlich werden's mehr Teilnehmer als bei den ersten beiden Demos. Sie fürchteten die Schlagzeile: Widerstand gegen Kohlekraftwerk lässt nach.
Alles zum Bau des Kohlekraftwerks auf der Ingelheimer Aue in einem FR-Spezial
Attac und CDU gemeinsam
Dann aber zogen nach Angaben der Veranstalter und der Polizei rund 4000 Menschen als "lärmende Minderheit" vom Mainzer Hauptbahnhof los. Organisator war ein Bündnis verschiedener Gruppen - von Die Linke und Attac auf der einen bis zu CDU und Katholisches Dekanat auf der anderen Seite. Auf der Bühne am Gutenbergplatz bewiesen die Redner, dass es ihnen ernst ist mit ihrem Widerstand gegen den Bau: Moderatorin Clara Wörsdörfer ermahnte den KMW-Vorstand, das Projekt sofort zu beenden. Neben den Umweltschäden drohe ein Milliardengrab, weil Kohlestrom nicht mehr wirtschaftlich erfolgreich sein könne.
Die These vertrat auch der Hauptredner: der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake. Zudem blockierten neue Kohlekraftwerke den Ausbau der erneuerbaren Energien. Neben Solaranlagen und Windräder seien Kraftwerke nötig, deren Strom kurzfristig abrufbar sei. "Kohlekraftwerke laufen aber rund um die Uhr, sonst rentieren sie sich nicht." Den Managern der Deutschen Bank, die das Kraftwerk finanzieren soll, warf Baake vor, unseriös zu handeln: "In ihren Bankentürmen lassen sie keine Gelegenheit aus, ihr Ansehen jeden Tag neu zu ruinieren."
Nach Baakes Rede skandierten die Teilnehmer vor dem Mainzer Theater: "Wer macht unser Klima krank - Deutsche Bank." Die Mainzer Filiale ist knapp 50 Meter vom Theater entfernt.
Der Anwalt Carl-Christian Müller (Grüne), der die Klagen gegen das Kohlekraftwerk koordiniert, warnte die KMW: "Mittlerweile beschäftigen sich sechs Kanzleien mit unserer Klage." Der Widerstand werde mit dem Baubeginn nicht enden. Diesen hält Müller ohnehin nur für einen PR-Gag, mit dem die Banken beruhigt werden sollen: "Ich habe mir das Gelände angesehen - zwei Bagger stehen da. Was ist das für ein kläglicher Baustart für die größte Einzelinvestition in Rheinland-Pfalz?"
Es sei unseriös, mit dem Bau zu beginnen, solange die Finanzierung noch nicht stehe. Der Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) gehe seiner Kontrollpflicht im Aufsichtsrat der KMW nicht nach. Schon bei der Wohnbau-Pleite habe er in der gleichen Funktion versagt und 800 Millionen Euro Schulden übersehen: "Ein solcher OB gehört nicht ins Rathaus, er gehört in den Ruhestand."

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