Der Druck auf die Hazrat-Fatima-Gemeinde, sich von ihrem Imam zu distanzieren und sich zu dessen Positionen klar zu äußern, wird immer größer. Dies umso mehr, weil jetzt auch eine Freitagspredigt von Sabahaddin Türkyilmaz bekannt wurde, in der er sich auf den Al-Quds-Tag bezieht und ein Fürbittegebet dafür spricht, dass Allah "das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien" möge.
Der schiitische Geistliche erklärt zudem in jener Ansprache, die er zum Ende des Fastenmonats Ramadan im vergangenen September gehalten hat, dass "Palästina heute nicht mehr unter Besatzung" wäre, wenn die Muslime "der Einladung des verstorbenen Imam Khomeini gefolgt wären".
Imam Sabahaddin Türkyilmaz von der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist seit Ausstrahlung des HR-Magazins "defacto" in die Kritik geraten. Ihm wird vorgeworfen, mit der Politik der iranischen Regierung zu sympathisieren und das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen.
Der schiitische Geistliche nahm an den Al-Quds-Demonstrationen in Berlin teil, zu denen der iranische Revolutionsführer Khomeini 1979 aufgerufen hatte - mit der Forderung, den zionistischen Staat Israel auszulöschen.
Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg wartet auf die Stellungnahme zu den Fragen, mit denen sie sich vor einer Woche an die Hazrat-Fatima-Gemeinde gewandt hatte. (top)
Auf diese Predigt reagierte Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg mit einem Brief an Ünal Kaymakçi, den Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde. Darin teilt die Stadträtin mit, dass die in der Predigt implizierten "politischen und antisemitischen Dimensionen, auch wenn sie ihm selbst nicht voll umfassend bewusst gewesen sein sollten, nur als inakzeptabel gelten können".
Die Predigt schafft eine neue Sachlage
Mit diesen Aussagen des Imams sei "ein ganz neues Fass geöffnet" worden, stellte Ünal Kaymakçi klar. Bisher habe er die Vorwürfe gegen den Geistlichen nicht für berechtigt gehalten, doch die Predigt habe eine neue Sachlage geschaffen. Dies habe den Vorstand der Moscheegemeinde dazu bewogen, zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenzukommen und sich zum "Fall Türkyilmaz" zu positionieren.
Kaymakçi versicherte, die Predigt nicht gekannt zu haben, die der Imam in der Griesheimer Moschee in deutscher Sprache hielt und die im Internet nachzulesen ist. Nach seinen Angaben handelt es sich um eine von Türkyilmaz privat betriebene Internetseite (/freitagskanzel.wordpress.com). Der Imam habe den Moscheevorstand darüber informiert, dass er diese Seite betreibe und dies sei positiv aufgenommen worden, weil die Gemeinde transparent sein wolle. "Ich habe mir aber nicht jede Predigt durchgelesen", sagt Kaymakçi.
Imam Türkyilmaz, der in der Gemeinde der türkischstämmigen Schiiten ein sehr angesehener Geistlicher ist, sieht sich zu Unrecht in der Kritik. Er habe von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht und sehe in seinen Äußerungen keinen Rechtsverstoß, ließ er wissen. Kaymakçi stellte klar, das es nicht darum gehen könne, was rechtlich erlaubt sei.
Türkische Schiiten sprechen von "Hasskampagne"
Als "Hasskampagne" bezeichnet der Ahl-ul-Bait-Ulema-Rat, eine geistliche Instanz der türkischen Schiiten in Europa, die Kritik an dem Imam. Es sei nicht hinnehmbar, dass die "Teilnahme an Demonstrationen und Kundgebungen - die durch behördliche Genehmigungen legitimiert wurden - gegen die Verbrechen in Palästina, Irak, Afghanistan, Libanon und in vergleichbaren Ländern" als Grundlage für das Abstempeln des angesehenen Imams" genommen werde.
Anders wird der "Fall Türkyilmaz" in Frankfurt eingeordnet. Von einem "Super-GAU" sprach Joachim Valentin, Direktor der katholischen Bildungsstätte Haus am Dom. Der interreligiöse Dialog werde in Verruf gebracht.

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