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Der Fall Türkyilmaz II: Debatte geht an Muslimen vorbei

Die Anschuldigungen gegen den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde sind vielen Gläubigen nicht bekannt oder werden als unverständlich empfunden.Von Canan Topçu

Ünal Kaymakçi , der von vielen geschätzte Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde.
Ünal Kaymakçi , der von vielen geschätzte Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde.
Foto: FR/Boeckheler

Die Aufregung um den Imam Sebahaddin Türkyilmaz stößt bei manch einem Frankfurter Muslim auf Unverständnis. "Es sind doch nicht mehr als ein paar Dutzend Muslime, die die Hazrat-Fatima-Moschee besuchen", erklärt ein Frankfurter muslimischen Glaubens. Namentlich erwähnt werden möchte der Mann in der Zeitung aber nicht .

Öffentlich äußern wollen sich auch all jene nicht, die sich in den vergangenen Jahren an der Seite von Ünal Kaymakçi für das Bauprojekt der Hazrat-Fatima-Gemeinde in Hausen stark gemacht haben. Der Generalsekretär der Moscheegemeinde wird von allen an dem interreligiösen Dialog beteiligten Frankfurtern geschätzt. Und gerade deswegen trifft es viele von ihnen persönlich, was dieser Tage in Frankfurt geschieht.

Zweifel daran, dass Kaymakçi gewusst haben könnte, "wie der Imam wirklich tickt", werden nicht geäußert. Viele fühlen sich ihm verbunden und haben in den vergangenen Tagen das Gespräch mit ihm gesucht; und sie haben versucht, sein Handeln zu verstehen und sich mit ihm über die Dimensionen des Vorgangs zu verständigen.

Was wusste Kaymakçi

Dass sich Kaymakçi "trotz der immer klarer werdenden Faktenlage" über die Gesinnung des Imams nicht von diesem distanziert, verstehen sie nicht. Warum hält er zu dem Geistlichen? Warum bezieht er nicht Stellung? Fragen wie diese beschäftigen seine Partner im interreligiösen Dialog. Doch mit Namen möchte kaum einer von ihnen in der Zeitung zitiert werden.

Klare Worte spricht Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom. Nachdem bekannt wurde, dass Imam Türkyilmaz auch in einer Predigt sich zum Thema Israel und Palästina geäußert hat, sieht er eine neue Sachlage, auf die Kaymakçi reagieren müsse.

Warten auf Stellungnahmen

"Der Imam ist nicht haltbar. Ich warte jetzt darauf, dass Kaymakçi dazu ganz klar Stellung bezieht; und darauf warten in dieser Stadt sehr viele andere auch", erklärte Valentin. Die künftige Zusammenarbeit mit der Hazrat-Fatima-Gemeinde werde er davon abhängig gemacht, wie sich Kaymakçi verhält.

Während in Frankfurt darauf gewartet wurde, dass Kaymakçi und mit ihm der Vorstand der Hazrat-Fatima-Gemeinde öffentlich Stellung zu dem "Fall Türkyilmaz" bezieht, zeigte sich der Ahl-ul-Bait Ulema-Rat in Europa, eine geistige Instanz für Schiiten aus der Türkei, in einer Presseerklärung "empört" über die nach seiner Ansicht unbegründeten Beschuldigungen und verleumderischen Vorwürfe gegen Imam Türkyilmaz.

Mit Stellungnahmen zu den Anschuldigungen über den schiitischen Imam halten sich in Frankfurt Muslime zurück - und das aus unterschiedlichen Gründen. So manche Moscheegänger haben von dem Vorfall gar nichts mitbekommen, weil sie keine deutschen Zeitungen lesen und weil das Thema in den muttersprachlichen Medien nicht auftaucht. Die türkischen Medien etwa haben über Türkyilmaz nicht berichtet. Vielen muslimischen Bürgern scheint aber auch die Dimension des Vorfalls nicht bewusst zu sein.

Die Aufregung darüber, dass ein Imam sich gegen Israel positioniert, verstehen viele nicht. Und eben darin sieht die Landtagsabgeordnete Mürvet Öztürk (Grüne) das Problem. "Berechtigte Kritik an der Politik des Staates Israels ist immer in Ordnung, solange das Existenzrecht des Staates nicht in Frage gestellt wird. Sei es aus Unwissenheit oder absichtlich: In muslimischen Gemeinden kommt es vor, dass diese Grenze verschwimmt." Es werde nicht klar unterschieden zwischen der Kritik an der Siedlungspolitik und einem allgemeinen Antisemitismus. Da brauche es Aufklärungsarbeit.

Autor:  Canan Topçu
Datum:  19 | 2 | 2010
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