Am Tag nach dem "Duell" versucht sich die Opposition im Dreikampf: Westerwelle (FDP) gegen Trittin (Grüne) gegen Lafontaine (Linke). Regieren wollen sie alle. Aber um keinen Preis gemeinsam. Sagen sie. Von Michael Bergius
Westerwelle und Lafontaine an den äußeren Rändern, Trittin als lachender Dritter in der Mitte - wie viel Symbolkraft hat wohl diese Aufstellung im Studio der ARD in Berlin?
Westerwelle und Lafontaine an den äußeren Rändern, Trittin als lachender Dritter in der Mitte - wie viel Symbolkraft hat wohl diese Aufstellung im Studio der ARD in Berlin?
Berlin. Eigentlich musste 24 Stunden später alles besser werden. Das Merkel-Steinmeier-Duett habe "die wahren Zukunftsfragen ausgeblendet", lästerte Guido Westerwelle am Montag. Als "unspannend" empfand Jürgen Trittin die zum Showdown hoch gejazzte Einvernahme von CDU-Kanzlerin und SPD-Vize.
Am Montagabend bekommen dann die Spitzenmänner von FDP und Grünen sowie Linken-Chef Oskar Lafontaine Gelegenheit zu zeigen, wie es wirklich geht. Attacke, klare Kante sollte "Der TV-Dreikampf" bieten, den die ARD zwischen die Familienserie "Geld, Macht, Liebe" und die Tagesthemen platziert hatte.
Westerwelle und Lafontaine an den äußeren Rändern, Trittin als lachender Dritter in der Mitte - wie viel Symbolkraft hat wohl diese Aufstellung im Studio der ARD in Berlin?
Foto: WDR/Herby Sachs
Westerwelle und Lafontaine an den äußeren Rändern, Trittin als lachender Dritter in der Mitte - wie viel Symbolkraft hat wohl diese Aufstellung im Studio der ARD in Berlin?
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Es ging um Geld, Macht, Liebe
Ja, um Geld geht es, und nicht zu knapp. Die Euros werden den Zuschauern nur so um die Ohren gehauen: 350 Milliarden, die dem Staat jährlich durch Schwarzarbeit durch die Lappen gehen (Westerwelle). 19 Milliarden für ein grünes Mammutprogramm zur Schaffung neuer Jobs in den Bereichen Familie, Bildung und Ökologie (Trittin). Unfassbare Summen, die der Staat einnehmen könne, wenn nur die Vermögenden richtig zur Kasse gebeten würden (Lafontaine).
Politiker im Wahlkampf
Bildergalerie ( 21 Bilder )
Wer als schillernder Wirtschaftsminister Schlagzeilen macht, der kann keinen mausgrauen Wahlkampf führen. Karl-Theodor zu Guttenberg.
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Jede Stimme zählt, auch die einer Nostalgie-Schaufensterpuppe im Museum einer Supermarkt-Kette. Eine Kanzlerin auf Wohlfühltour: Angela Merkel (rechts)
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Wahlkampf kennt keine parteiideologischen Grenzen. Renate Künast zu Gast bei BMW. Der bayrische Autobauer ist bislang nicht durch seine ambitionierte Fahrradproduktpalette aufgefallen. macht aber nichts.
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Man kann die Nähe zur nicht immer heißgeliebten Automobilindustrie sogar noch auf die Spitze treiben. Renate Künast im BMW-Overall auf einen Fototermin im Grünen.
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TV-Duelle gehören mittlerweile zum Standardrepertoire für Politiker im Wahlkampf. Oskar Lafontaine macht selbst beim Pudern eine gute Figur.
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Auch das ist eine alte Binsenweisheit im Wahlkampf. Kinder und Tiere sind am wahlabend für fünf bis sechs Prozent gut. Mindestens. Kanzlerin Merkel genießt das Bad in der Menge.
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Ein einfacher Arbeiter, der zupacken kann. Helm und Schutzweste, im Hintergrund eine Hütte, eine Werft oder Baustelle. So zeigen sich Politiker in schöner Regelmäßigkeit. Doch die Details könne die wahre Herkunft nicht verbergen, wie der Krawattenknoten von Frank-Walter Steinmeier
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Zu jeder Uhrzeit, an jedem Ort, bei jedem Wetter. Politiker im Wahlkampf, wie Angela Merkel, kennen keinen Schmerz. Es gibt auch kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung.
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Die Bier- und Weinlobby in Deutschland ist groß und mächtig. Die Vorlieben der Wähler sind bekannt. Ein Kandidat, hier Frank-Walter Steinmeier, ohne Wahlkampffoto mit Weinglas, Bierkrug oder -flasche im Anschlag wäre undenkbar.
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Wahklkampf ist überall. Und sei es in den Filmstudios Babelsberg in Potsdam. Hier: Frank-Walter Steinmeier am Filmset der Disney-Produktion "Hexe Lilli 2". Eine Gastrolle ist übrigens nicht geplant.
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Handwerk hat goldenen Boden. Die Stimmen der bundesdeutschen Bäckerinnung sind Karl-Theodor zu Guttenberg sicher. Ein kräftiger Bizeps auch.
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Unverzichtbar: Volksnähe. Wer sich, wie Guido Westerwelle, nicht beim lockeren Spaziergang mit dem Wahlvolk zeigt, ist am 27. September ohne Chance. Wichtig auch: Legere Kleidung. Man beachte den Pullover.
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Im Rampenlicht kommt es immer auf die richtige Pose an. Für Karl-Theodor zu Guttenberg heißt das auf einer CSU-Veranstaltung. Am Rednerpult nur mit Steinkrug.
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Als notorisch pressescheu gelten Politiker von Natur aus nicht. Doch im Wahlkampf gibt es auch keine Privatsphäre mehr. Auf einen Kaffee mit Oskar Lafontaine.
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Ohne die richtige Wahlkampfkarosse geht im Jahr 2009 nichts mehr. Auch Jürgen Trittin weiß um die Vorteile. Dank Kleinbus sind mindestens zwei Marktplätze mehr pro Tag locker zu erreichen.
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Immer wichtiger im Wahlkampf werden die Partner der Politiker. Selbst gleichgeschlechtliche Beziehungen sind kein tabu mehr, sondern bringen Sympathiepunkte. Hier die glücklichen Guido Westerwelle und Michael Mronz.
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Das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier zwei Wochen vor der Wahl (13.09.2009).
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Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle (v.l.), Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl 2009, und der Parteivorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine beim TV-Dreikampf (14.09.2009).
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Angela Merkel auf ihrer Wahlkampftour im Rheingold-Express in Frankfurt am Main (15.09.2009).
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SPD-Kundgebung mit Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Erfurt (15.09.2009).
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Am 27. September ist Bundestagswahl. Jede Stimme zählt. Deshalb reisen die Spitzenkandidaten kreuz und quer durch die Republik. Kein Marktplatz ist zu klein, kein Fototermin zu unwichtig. Die Frankfurter Rundschau begleitet die Wahltour in Bildern. Imagepflege ist dabei zum Beispiel ganz wichtig. Der gute Sozialdemokrat kennt keine Schranken im Kopf. Im Wahlkampf ist nicht nur alles erlaubt, es wird auch alles toleriert. Der Vorsitzende der SPD, Franz Müntefering, spricht in Berlin zu den Gästen des "schwul-lesbischen Talks".
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Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
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Machtfragen werden den Oppositions-Vertretern ebenfalls gestellt - wenn auch zum Teil schräger als abends zuvor den Noch-Regierenden. WDR-Mann Jörg Schönenborn will vom Linken-Chef wissen, ob dieser sich "um ein Amt in der Bundesregierung" bewerbe, was der Gefragte nicht grundsätzlich verneint. Wenig später fühlt sich Lafontaine indes gewaltig auf den Schlips getreten. Als Schönenborn das Thema Rente mit 67 in direkten Zusammenhang zum 66. Geburtstag des Saarländers am Mittwoch setzt, bezichtigt ihn Lafontaine des "Altersrassismus".
Trittin lässt sich nur begrenzt in die Karten schauen. Nach vier Jahren Opposition dränge es die Öko-Partei doch sicherlich wieder "an die Fleischtöpfe", unterstellt Sigmund Gottlieb dem Grünen-Spitzenkandidat. Als Antwort bekommt der Vertreter des Bayerischen Rundfunks, das stimme schon deshalb nicht, weil die Grünen einen erheblichen "Vegetarier-Anteil" hätten.
Guido Westerwelle hätte übrigens schon vor vier Jahren ins Bundeskabinett einziehen können - sagt er selbst jedenfalls. Aber, so relativiert der FDP-Chef seine Ambitionen, kein Ministeramt sei (ihm) so wichtig, dass er das Wagnis einer Ampel-Koalition eingehen werde. Schwarz-Gelb heißt das politische Ziel des Oppositionsführers; daneben will er "alles" daran setzen, dass Lafontaine und seine Leute im Bund nicht an die Macht kommen.
Jetzt muss auch Trittin noch mal eingreifen. Schwarz-Gelb seien nun mal die "Warnfarben von Radioaktivität", klärt er auf. Und da die Grünen keinesfalls für ein solches Bündnis den "Steigbügelhalter" abgeben wollten, werde auch "der Dampfer nach Jamaika nicht ablegen".
Das Thema Liebe kam im Polit-Dreier eher kurz an die Reihe. So ist das Verhältnis der FDP zur Union keineswegs so eng wie landläufig angenommen: Wenn es demnächst endlich zum angestrebten Bündnis mit CDU/CSU komme, werde "noch viel auf den Zettel" der Wiedervorlage kommen, verkündet Westerwelle. "Diese Gesundheitspolitik muss beendet werden", droht er exemplarisch schon mal an. Am Abend zuvor hat Angela Merkel gerade klar gestellt, dass sich bei diesem Thema unter ihrer Kanzlerschaft gar nichts ändern werde.
"Regieren wollen sie alle"
Was sonst noch gesagt wurde: Trittin mag Werder Bremen. Und nach 70 Minuten ist die Runde vorbei. "Regieren wollen sie alle", lautet das Fazit von Moderator Gottlieb. Das hätte man glatt auch 24 Stunden vorher sagen können.