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Deutsches Filmhaus: Premiere mit "Metropolis"

Ins neue Filmhaus ziehen einige der wichtigsten Organisationen des deutschen Films: Spio, Murnau-Stiftung oder FSK. Herzstück wird aber natürlich ein Kino sein. Von Ralf Munser

Mit Metropolis von Fritz Lang öffnet das Deutsche Filmhaus in Wiesbaden seine Pforten.
Mit "Metropolis" von Fritz Lang öffnet das Deutsche Filmhaus in Wiesbaden seine Pforten.
Foto: Murnau-Stiftung

Nach Jahrzehnten zerstückelter Versionen steht der deutsche Stummfilmklassiker "Metropolis" vor einer neuen Uraufführung in Originallänge. "So nahe waren wir der Fassung der Erstaufführung 1927 noch nie", sagt die Filmwissenschaftlerin Anke Wilkening von der Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, wo der Streifen derzeit restauriert wird.

Beim Eröffnungstag des Deutschen Filmhauses am 1. April in Wiesbaden zeigt die Stiftung eine frühere Rekonstruktion aus dem Jahr 2001 sowie eine gekürzte und kolorierte Fassung von 1984. Das neue Filmhaus bietet filmkulturellen Einrichtungen, Interessenvertretungen aus der Filmwirtschaft sowie verschiedenen Film- und Medienunternehmen ein gemeinsames Dach in der Nähe des Wiesbadener Hauptbahnhofs.

Murnau-Stiftung

Seit ihrer Gründung vor 42 Jahren setzt sich die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für den Erhalt, die Pflege und das Zugänglichmachen kulturell und historisch wertvoller Filme ein.

Rund 2000 Stummfilme und 1000 Tonfilme besitzt die Stiftung. Zum Bestand gehören zudem rund 3000 Kurzfilme, darunter Werbe-, Kultur- und Dokumentarfilme. Die Streifen stammen aus der Zeit von 1895 bis Anfang der 1960er Jahre und sind zum Großteil eine Hinterlassenschaft der Ufa.

Namensgeber ist der Regisseur Friedrich-Wilhelm Murnau, der 1888 in Bielefeld zur Welt kam. Weltberühmt ist sein 1921 gedrehter Film "Nosferatu - eine Symphonie des Grauens", ein deutscher Stummfilmklassiker. Murnau starb 1931 in Santa Monica.

Das Deutsche Filmhaus in Wiesbaden.
Das Deutsche Filmhaus in Wiesbaden.
Foto: Michael Schick

Herzstück des rund 7,5 Millionen Euro teuren Neubaus ist ein Kinosaal mit 100 Plätzen. Dies gebe der Stiftung die Möglichkeit, ihren Filmbestand der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so Kuratoriumsvorsitzender Eberhard Junkersdorf.

Laut Stiftungs-Vorstand Helmut Poßmann versteht sich das Murnau-Filmtheater nicht als Konkurrenz zur Caligari-Filmbühne, sondern als Ergänzung. Nicht nur Einrichtungen des Filmhauses könnten das Kino nutzen, sondern auch Dritte.

Feste Vorstellungstermine soll es immer mittwochs, 15.30 und 20 Uhr, sowie freitags, 18 und 20 Uhr, geben. Im April werden unter anderem Metropolis, Film ohne Titel und Der Blaue Engel gezeigt. Das Kino wird zudem beim Go-East-Filmfestival im April einer der Veranstaltungsorte sein.

Das Land hat den Bau des Filmhauses mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert, die Stadt Wiesbaden hat das Grundstück zu besonders günstigen Konditionen überlassen. Der Gebäudekomplex hat eine Nutzfläche von 3800 Quadratmeter.

Neben der Murnau-Stiftung werden als Mieter unter anderem die Spio, die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), das Deutsche Filminstitut (DIF) sowie das ZDF mit seinem Landesstudio Hessen einziehen.

Zur Eröffnung des Deutschen Filmhauses werden "Schätze deutscher Filmgeschichte" - so der Titel der Ausstellung - gezeigt. Zu sehen sein werden herausragende und einzigartige Werke aus der Geschichte des deutschen Films. Die Materialien stammen aus den Beständen der Murnau-Stiftung. Die Ausstellung wird bis zum 31. Mai immer mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr gezeigt.

Mehr als 70 Jahre mussten Filmfans warten, bis es "Metropolis" wieder in Originallänge zu sehen geben wird. In sämtlichen, aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erhaltenen Kopien von "Metropolis", dem bekanntesten Werk des in Wien geborenen Regisseurs Fritz Lang (1890 bis 1976), fehlten 30 Minuten. "Bis wir vergangenen August eine Mail bekamen", erzählt Wilkening.

Das Filmmuseum im argentinischen Buenos Aires hatte mitgeteilt, im Besitz einer Fassung zu sein, die eine halbe Stunde länger sei als alle anderen. "Metropolis", so stellte sich tatsächlich heraus, hatte in Südamerika in einer Fassung von 1927 überlebt.

Das Werk zählt zum Weltdokumentenerbe und erhielt als erster Film überhaupt von der Unesco im Jahr 2001 diese Auszeichnung. Einblicke in die Restaurierungsarbeiten an dem Stummfilm-Klassiker sind am 1. April in Wiesbaden möglich.

Autor:  RALF MUNSER
Datum:  7 | 3 | 2009
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