kalaydo.de Anzeigen

Die Linke in Hessen: "Ein Panorama des Elends"

Die Linkspartei im Land zerfleischt sich selbst: Zwischen Teilen der Basis und Abgeordneten tobt Streit. Pit Metz tritt aus.

Kurz vor dem Platzen: Die Stimmung innerhalb der Linken ist schlecht vor der Wahl.
Kurz vor dem Platzen: Die Stimmung innerhalb der Linken ist schlecht vor der Wahl.
Foto: dpa

Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl stürzt die Linkspartei in Hessen in eine tiefe Krise. Teile der Basis richten schwere Vorwürfe gegen die Abgeordneten der Partei - und Mitglieder treten scharenweise aus: In Baunatal verabschiedeten sich gleich 33 Linke auf einen Schlag, in Marburg trat der ehemalige Spitzenkandidat Pit Metz aus der Partei aus.

"Es kracht in allen Ortsverbänden", sagt Helge Welker, Stadtverordneter der Linken in Rosbach. Die Wut der Basis auf die Spitzenkandidaten sei in ganz Hessen und auch in anderen westlichen Bundesländern zu spüren, viele Mitglieder stünden deshalb kurz vor dem Austritt aus der Partei. "Wir dürfen mit solchen Menschen nicht in den Landtag einziehen", sagt Welker zum hessischen Spitzenpersonal der Linken. "Ich hoffe, dass sie es nicht schaffen." Der Hauptvorwurf gegen Willi van Ooyen, Ulrich Wilken, Marjana Schott und Co: Sie seien von der Berliner Parteiführung eingesetzte "Karrieristen", die gegen die Basisdemokratie "durchgedrückt" worden seien und in Wiesbaden linke Positionen verraten hätten. "Sie vertreten weder die Partei in Hessen, noch was in unserem Programm steht", so Welker.

Wie der Stadtverordnete denken mittlerweile viele in der Partei. Ferdinand Hareter, ehemaliger zweiter Landesvorsitzender der Linken, kann über die Arbeit der Landtagsfraktion nur den Kopf schütteln. "Ich für meinen Teil schäme mich für die geistigen Ergüsse, die da aus der Landtagsfraktion versandt werden", schreibt Hareter in einem Brief an die Genossen. Mit den immer gleichen Versatzstücken wie "Koch muss weg" werde zwar die Parteiseele gestreichelt, nicht aber die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit einer Linken-Landtagsfraktion überzeugt. Meistens verbreite die Fraktion der Linken "politisch flache Meldungen, die mangelndes Fachwissen offenbaren", so Hareter. "Da kann man schon froh sein, dass das keiner liest."

Hans-Walter Ortmann, Kreisvorsitzender aus Darmstadt-Dieburg ist schon weiter: "Wir sind dabei, eine neue basisdemokratische Partei zu gründen", so Ortmann. "Hessen anders" soll die heißen. Eine Satzung gibt es schon.

Es gebe keinen Riss durch die Partei, sagte dagegen Parteichefin Ulrike Eifler der FR. "Wir haben organisatorische Schwierigkeiten als junge Partei." Dass die Kritiker sich äußern dürften, zeige ja, wie basisdemokratisch man sei, sagt der Abgeordnete Ulrich Wilken. "Es gab eine hohe Erwartungshaltung", sagt Marjana Schott, "aber wir können nicht mit sechs Leuten in einem Jahr die Welt verändern."

Der Vizechef der Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, bezeichnete die Vorwürfe, dass die Bundespartei in Hessen rigoros mitmische, als frei erfunden. "Das ist großer Quatsch", sagte Ramelow der FR. Tatsächlich durchlaufe der hessische Landesverband derzeit einen "Häutungsprozess unter den Bedingungen eines Hardcore-Wahlkampfes" und sei damit offenkundig überfordert. Das nutzten nun "trotzkistische Fundamentaloppositionelle", um in der Partei Stimmung zu machen und "Verschwörungstheorien gegen die bösen Berliner" zu verbreiten. Menschen wie der zurückgetretene Vorsitzende der Baunataler Linken, Bernd Heinicke, gehörten zu den "zehn Prozent Irren", von denen Fraktionschef Gregor Gysi wiederholt gesprochen habe. "Mit denen ist keine Verständigung möglich", sagte Ramelow.

Autor:  MATTHIAS THIEME UND JÖRG SCHINDLER
Datum:  7 | 1 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Anzeige

Top Stellenangebote

Anzeige

 

Staumelder

Staumelder 83 Staus mit einer Gesamtlänge von 431km
Zu den Staumeldungen
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Eintracht Frankfurt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
Turkish Airlines ist als Sponsor im Gespräch.
Eintracht Frankfurt 
        

In seinen Hochzeiten auch Eintracht-Kapitän: Chris.
Eintracht Frankfurt 
Eintracht Frankfurt zieht Bilanz 

Frankfurter Rundschau im Abo