Wenige Tage vor der Landtagswahl nimmt die Unruhe in der Linkspartei zu. Weitere Mitglieder verlassen die Partei, darunter auch Martina Walter, Mitglied des erweiterten Landesvorstands. Zudem traten laut Hessischem Rundfunk mehrere Mandatsträger aus, darunter Helge Welker (Stadtverordneter in Rosbach), Martin Hinz (Stadtverordneter Friedberg), Helmut Werner (Kreistagsabgeordneter Groß-Gerau), Peter Ringel (Stadtverordneter Bad Vilbel) und Hans-Jürgen Mogk (ehemaliges Kreisvorstandsmitglied Linke Wetteraukreis).
Sie alle wollen ihre Mandate nun als Parteilose ausüben. Die Linke ist dadurch in den Stadtparlamenten in Rosbach und Bad Vilbel nicht mehr vertreten.
Nach FR-Informationen werden Mitglieder der Linkspartei zumindest die ungewöhnlichste Wahlparty Hessens feiern: Im Swingerclub "La Envie" der Linken-Direktkandidatin Heidi Lippmann in Münchhausen bei Marburg wird ab 16 Uhr lustvoll Politik geguckt. Man werde zwischen Peitschen und Dildo-Sammlung eine "ganz normale Wahlparty mit Fernseh-Leinwand feiern", sagte die frühere Bundestagsabgeordnete Heidi Lippmann der FR. Im vertrauensvollen Rahmen des Swingerclubs lasse es sich offener "sowohl über Politik als auch über sexuelle Details" reden. Es gebe schon 50 Anmeldungen.
Die Landesgeschäftsstelle hat Lippmann angewiesen, das Logo der Linkspartei von der Internetseite ihres Swingerclubs zu entfernen. "Ich bin offen damit umgegangen", sagt Lippmann, "die Linke tritt ja für selbstbestimmte Sexualität ein". Der Wahlabend werde dennoch sicher ein Erfolg. "Der Whirlpool wird laufen, und sollte ein großer Teil der Leute später in die Sauna wollen, können wir die auch noch anstellen", verspricht Lippmann mit rauchiger Stimme. Nur eine Regel gibt es: "Den String am Wahlabend bitte unter der Kleidung tragen."
Boykott der Linkspartei
Inzwischen hat sich eine Initiative von Gewerkschaftern gebildet, die offen zum Boykott der Linkspartei aufruft. Unter dem Motto "Wir lassen uns nicht linken" agitieren die Gewerkschafter im Internet gegen die Linke, die als "Melkkuh für Umverteilungsphantasien" kritisiert wird.
Prominente Unterzeichner des Aufrufs gegen die Linkspartei sind der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch und Fraport-Betriebsratschef Peter Wichtel (CDU). Die Initiative gegen die Linken sei sonst aber "parteipolitisch neutral", sagt Horst Winter von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie der Frankfurter Rundschau. Rund 50 000 Besucher habe die Internetseite gegen die Linken seit Dezember schon gezählt.
Man werde nicht von Parteien finanziert, sondern trage die Kosten der Kampagne selbst. Bei der Initiative handele es sich um Gewerkschafter verschiedener politischer Ausrichtung, die nicht zulassen wollten, dass sich die Linken als "bessere Sozialdemokraten oder Gewerkschafter darstellen", so Winter. "Wir wollen die Wähler warnen", so der Gewerkschafter. "Unser Ziel ist es, die Linken unter fünf Prozent zu halten."
Das sieht auch Fraport-Betriebsratschef Peter Wichtel so. "Die Arbeitnehmer sollen solchen Scharlatanen nicht auf den Leim gehen", begründet er sein Engagement.
Die so gescholtene Linke kontert mit einer Gegen-Initiative von Gewerkschaftern, die die Partei unterstützen. Es seien schon 250 Unterschriften eingegangen, sagt Dieter Hooge, ehemaliger hessischer DGB-Chef und jetziger Direktkandidat der Linken. Nachdem die SPD die Arbeitnehmer im Stich gelassen habe, sei die Linke die einzige Partei, die deren Interessen vertrete, meint auch Verdi-Bezirkssekretär Jörg Jungmann. Auch 15 bis 30 Prozent der hessischen Arbeitslosen wollen nach Umfragen die Linke wählen, teilt die Partei mit.

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