Draußen ist alles einfach. Draußen gibt es keine zwei Meinungen, draußen gibt es nur Schwarz, Rot und Gold. 20 000 Fußballfans feiern auf dem Römerberg die deutschen WM-Heldinnen, und alle können sich auf eines einigen: "Und wir haben den Pokal, halleluja, und wir geben ihn nicht her, halleluja..."
Drinnen ist das alles ein wenig komplizierter. Zwar ist auch im Haus am Dom der Besucherandrang gewaltig. Doch in der nur wenige Meter vom Römerberg entfernt gelegenen Begegnungsstätte, die gemeinsam mit der Frankfurter Rundschau zur Diskussion über den geplanten Moscheebau in Hausen eingeladen hat, gibt es nicht die eine Wahrheit. "Es ist ein schwieriges Thema - ich bin gottfroh, dass ich die Entscheidung über Moschee oder keine Moschee nicht treffen muss", sagt Wilhelm Bergener aus Höchst.
Hintergründe zum Streit um die geplante Moschee im Spezial.
Wenn Mawia Adam diese Frage zu beantworten hätte, würde die Moschee gebaut. Der 36 Jahre alte Sozialarbeiter, der vor 15 Jahren aus dem Sudan nach Deutschland gekommen ist, ist Moslem. Doch nicht alleine deshalb fordert er eine weitere Moschee in Hausen. Die Diskussion zeigt seiner Meinung nach, dass die Mehrheit der Frankfurter das islamische Gotteshaus am Fischstein-Kreisel will. Dennoch verfolge er die Debatte mit Sorge: "Jetzt wird sich entscheiden, ob es in Frankfurt tatsächlich eine multi-kulturelle Gesellschaft gibt."
Jochem Jourdan, der renommierte Stadtplaner, äußert sich zu dieser Frage nicht. Und eigentlich ist er auch wegen eines ganz anderen Termins ins Haus am Dom gekommen. Doch als man ihn im Foyer nach seiner Meinung zum Moscheebau befragt, findet auch er deutliche Worte. Der Entwurf, den der Moscheebauverein der Fatima-Gemeinde vorgelegt hat, sei "grottenschlecht, wirklich grottenschlecht". Rein architektonisch gesehen, versteht sich.
Kein Gepöbel und Geschimpfe
Draußen singen sie "Oh, wie ist das schön" und skandieren "Deutschland, Deutschland". Drinnen hat die Stimmung nichts von Volksfest oder Fußballstadion. "Zum Glück", sagt Katinka Poensgen, die gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Hans-Christoph Stoodt die Anti-Nazi-Koordination vertritt. Vor ein paar Tagen besuchten beide die emotional vollkommen aufgeheizte Diskussion des Ortsbeirats 7 in der Hausener Brotfabrik. Stoodt und Poensgen waren entsetzt über das Geschrei, das Gepöbel, das Gejohle und Geschimpfe, das sie vor allem von den Gegner des Moscheebaus zu hören bekamen.
Tatsächlich entwickelt sich im Haus am Dom die "offene, aber zivilisierte Diskussion", für die FR-Chefredakteur Uwe Vorkötter in seiner Begrüßung geworben hatte. Einige ältere Besucher sind kurzzeitig etwas aufgebracht, weil ihnen der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit zu heftig gegen die katholische Kirche stichelt, außerdem liefert sich Islamkritikerin Hiltrud Schröter mit dem Generalsekretär des Moscheebauvereins, Ünal Kaymakçi, ein Wortgefecht, bei dem es um die Rolle der Frau im Islam geht. Doch die Diskussion bleibt sachlich.
Die Bürgerinitiative Hausen ist nicht ins Haus am Dom gekommen - oder sie gibt sich zumindest nicht zu erkennen. Die Mitglieder seien mit der Zusammensetzung des Podiums - außer Cohn-Bendit und Kaymakçi sind noch Peter Hünseler von der Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz und die Frankfurter Sozialwissenschaftlerin Angela Joost vertreten - nicht einverstanden, erklärt Hiltrud Schröter: Keiner der vier Diskussionsteilnehmer sei gegen den Moscheebau. Dafür hat ein "Bundesverband der Bürgerbewegungen zur Bewahrung von Demokratie, Heimat und Menschenrechten e.V." Flugblätter im Foyer des Hauses liegen gelassen. Abgedruckt ist ein Interview von Schröter mit Welt Online - und der Aufruf: "Schließen Sie sich der Bürgerinitiative Hausen an".
Als die Diskussion am späten Abend endet, wird draußen immer noch gefeiert. In kleinen Gruppen sitzen Fans zusammen, sie schwenken ihre Fahnen - manche singen "So ein Tag, so wunderschön wie heute". Derweil geht die Debatte um den Moscheebau weiter. Die autonome Antifa meldet sich zu Wort. Für den 20. Oktober, an dem die NPD in Hausen aufmarschieren will, kündigt sie "entschlossenen Widerstand" an.

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