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Dossier
Was bewegt die Menschen in Rhein-Main?

16. August 2007

Diskussion um Moschee: Das M-Wort

 Von SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Weil die Hausener Muslime eine weitere Moschee wollen, fürchten manche Bürger "galoppierenden Islamismus". Foto: FR

Die Stimmung kocht - doch differenzieren will beim Treffen der Initiative gegen die Hausener Moschee kaum einer.

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Es dauerte nur ein paar Minuten, da kochte die Stimmung am Dienstagabend in der Hausener Ellerfeldschänke hoch. Lautstark brachten die 150 Bürger bei der Versammlung, zu der die Bürgerinitiative gegen den Moscheebau aufgerufen hatte, ihren Unmut über das geplante Gotteshaus am Industriehof vor. Keinen "schleichenden, sondern einen galoppierenden Islamismus" erkennt ein Mann im Stadtteil. Hausen drohe "umzukippen", sagte BI-Sprecher Horst Weißbarth.

Zu den wenigen Anwesenden, die sich kritisch gegenüber der Initiative zu Wort meldeten, gehörte Peter Sondag aus der SPD-Fraktion im Ortsbeirat 7. Es fehle die Differenzierung zwischen islamischen Gruppierungen. "Die Menschen treibt eine diffuse Angst, die keiner genau begründen kann." Außerdem drücke sich die Argumentation um das eigentliche Thema, den Umgang mit muslimischen Gläubigen, herum. "Das Verkehrsproblem ist den Leuten sicher bewusst, deswegen kommen aber noch lange keine 150 Leute zu einer Versammlung."

"Deutsche Kultur zerbricht"

In der Tat stellte sich am Dienstagabend vor allem eine Frage: dafür oder dagegen? "Darauf wollten die Anwesenden nur eine Antwort hören", sagt Sondag. Horst Weißbarth betonte zwar, man wolle sich nicht in die "rechte Ecke" drängen lassen, der tosende Applaus für Rosemarie Lämmer, die für die rechtspopulistischen Republikaner im Ortsbeirat sitzt und ein "Zerbrechen der deutschen Kultur" befürchtet, ließ die Grenzen aber verschwimmen.

Von einer geschlossenen Bürgerinitiative kann indes keine Rede sein. Von den vorgeschlagenen vier Sprechern entschieden sich im Verlauf des Abends zwei, nicht zu kandidieren: "Wir sind nur Nachbarn und wollen nicht Leute vertreten, deren Interessen wir nicht kennen." Viele trugen sich dennoch auf den kursierenden Unterschriftenlisten ein. Damit wollen die Moschee-Gegner Druck machen. Oliver Kroneisen, CDU-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 7, dämpfte aber die Hoffnungen auf eine politische Entscheidung. Rechtlich lasse sich die Moschee nicht verhindern.

Die Fraktion werde es der Gemeinde jedoch nicht einfach machen, das Gotteshaus zu errichten. "Am Ende ist eine kleine, deutlich abgespeckte Version möglich", sagte Kroneisen. Argumentieren könne man nur auf bau- oder planungsrechtlicher Ebene. Kroneisen brachte am Dienstag aber auch verfassungsrechtliche Bedenken ins Gespräch. "Es muss geklärt werden, ob die Gruppierung hinter der Moschee auf der Basis des Grundgesetzes steht." Ünal Kaymakci, Sprecher der Hazrat Fatima-Gemeinde, ist auch Vize-Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen. Die stand bis 2005 im Verfassungsschutzbericht, der Eintrag wurde aber nach einer Klage entfernt.

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