Bayerns Mittelfeldspieler Franck Ribéry, islamischer Konvertit aus Liebe, betet vor jedem Spiel vor 70000 Fans - und das in Bayern, merkt der Grüne Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit an. "Warum soll es dann in Frankfurt ein Problem sein, eine Moschee zu bauen?" Seine Frage "Wo ist das Problem?" polarisiert an diesem Abend. Sonst müssten sie ja nicht hier sitzen - die rund 300 Gäste, die auf Einladung von Frankfurter Rundschau und dem Haus am Dom zur Debatte über "Grundsätzliches im Moscheenstreit" gekommen sind.
Und sonst würden die Proteste und Ressentiments in Hausen oder Köln wegen neuer Moscheen nicht derart emotional hochkochen. "Es geht nicht um die Moscheen selbst. Es geht um die Auseinandersetzung der hiesigen Bevölkerung mit der Ankunft des Islam in der Gesellschaft." Und, sagt Peter Hünseler, Geschäftsführer der Arbeitsstelle der Bischofskonferenz für christlich-islamischen Dialog (Cibedo), "um die Debatte, ob wir das hier wollen".
Hintergründe zum Streit um die geplante Moschee im Spezial.
Bevölkerung mitnehmen
Für den Atheisten Daniel Cohn-Bendit gibt es angesichts der im Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit kein Wollen. Dennoch gibt er Hünseler grundsätzlich Recht, dass die nichtmuslimische Wohnbevölkerung "mitgenommen werden muss". Ein Prozess, der dauere. Seine Antwort heißt multikultureller Dialog: "Man muss Muslimen Räume geben, denn je offener wir für Moscheebauten sind, desto offener und kritischer können wir uns mit dem Islam auseinander setzen."
Umgekehrt müssten sich auch Muslime, die Teil der Stadtgesellschaft sein wollen, diese Kritik gefallen lassen. Fragen nach Frauenrechten, Moscheen als politischen Zentren oder islamisch begründetem Terror müssten dann erlaubt sein. Eine Auseinandersetzung wie sie auch die katholischen und jüdischen Kirchen in jahrhundertelanger, teils blutiger Auseinandersetzung hinter sich hätten.
Die Frage von FR-Moderator Matthias Arning, ob die Moscheendebatten nicht belegten, dass die multikulturelle Gesellschaft gescheitert sei, weist der einstige Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt zurück. Auch Angela Joost, Frankfurter Soziologin, die Konflikte um Moscheebauten untersucht, sieht das Problem weniger gravierend. Für sie ist der Moscheenstreit vorwiegend ein Generationenproblem: "Ältere tun sich schwerer damit, Moscheen in ihrer Nachbarschaft zu akzeptieren. Für junge Leute, die mit türkischstämmigen Hiphop-Musikern groß geworden sind, ist das kein Problem."
Moschee signalisiert Integration
Für Ünal Kaymakçi, Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde , ist es dagegen als "Zeichen der Identifikation mit unserem Land" entscheidend: Als Deutscher türkischer Herkunft, in Frankfurt geboren und aufgewachsen, will er sich mit dem neuen Gemeindezentrum und sozialen Angeboten "für die Stadtgesellschaft engagieren". Ein Phänomen, das er im Zuge des Moscheenstreits auch bei Glaubensbrüdern bemerkt: "Plötzlich schauen sie auf die Römerpolitik, lesen deutsche Zeitungen. Wenn man beginnt, etwas Bleibendes in der Gesellschaft zu schaffen, identifiziert man sich auch mit ihr."
Und dennoch ist auch in Hausen "einiges schief gelaufen", halten der Islamwissenschaftler Hünseler und Angela Joost entgegen. Hünseler setzt Fragezeichen hinter die Finanzierung des drei Millionen-Euro-Projekts in Hausen, lässt sich von Kaymakçi bestätigen, dass "kein Geld vom Ausland fließt". Die Politik im Römer habe zu lange keine Stellung bezogen, der Ortsbeirat mit Ausnahme der Linken sich früh ablehnend gezeigt, moniert Angela Joost: "Vor Ort ist niemand zum echten Dialog bereit, und der wäre wichtig."
Der Moscheenstreit habe dennoch Positives, berge die Chance "zur Reflexion, wo wir stehen und Ziele und Grenzen von Einwanderung und Integration zu diskutieren". Das lange Schweigen der Kirchen will Moderator Joachim Valentin, Hausherr im Haus am Dom, nicht stehen lassen: "Wir haben erst nichts gesagt, weil wir dachten, ein Moschee-Bau sei längst normal in Frankfurt."

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