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EBS-Präsident Jahns: "Wir haben ein überwältigendes Feedback"

EBS-Präsident Christopher Jahns spricht im FR-Interview über öffentliche Eliteförderung und die Wiesbadener Schimmelschulen.

Christopher Jahns ist Präsident der European Business School (EBS), die seit 2008 ihren Sitz in Wiesbaden hat.
Christopher Jahns ist Präsident der European Business School (EBS), die seit 2008 ihren Sitz in Wiesbaden hat.
Foto: FR/Schick

Herr Jahns, im Juni wird die European Business School ihre zweite Fakultät - die Law School - in Wiesbaden gründen. Was ändert sich dadurch für Sie?

Mit der Gründung der Law-School wird unsere Privathochschule zur ersten und einzigen Wirtschaftsuniversität Deutschlands. Für uns ist das genial. Durch mehrere Fakultäten können wir enorm viele Synergien schaffen.

Stadt und Land unterstützen den Aufbau der Law School mit rund 50 Millionen Euro. Die Lehrergewerkschaft GEW, Elternbeiräte und Schülervertreter sind darüber empört, da einige staatliche Schulen in Wiesbaden total marode sind. Was sagen Sie dazu?

Dafür bin ich nicht verantwortlich.

EBS - Millionen für die Elite

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Die Schimmel-Schulen von Wiesbaden

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Sie wollen damit sagen, dass Sie nichts dafür können, wenn die Stadt Wiesbaden ihren Haushalt nicht richtig rechnet?

Ich will mich auf diese Diskussion nicht einlassen. Jeder Haushalt ist ein Stück weit begrenzt. Aber die ganze Diskussion ist sowieso falsch, finde ich.

Wieso?

Das kommunale Schulbudget hat mit dem Wissenschaftsbudget des Landes nichts zu tun. Ich finde, man sollte für Schule alles Geld der Welt ausgeben. Man muss beides tun: in breite Bildung investieren und in international wettbewerbsfähige Spitzenbildung. Sonst haben wir in Deutschland in Zukunft ein Problem.

Aber in Wiesbaden bleibt nun einmal die Sanierung von mehr als fünf total maroden Schulen aus Geldmangel auf der Strecke, während die EBS-Millionen fließen. Macht Ihnen das gar kein schlechtes Gewissen?

Richtig wäre es, die 1,2 Milliarden Euro, die die zwölf hessischen Hochschulen jährlich vom Land bekommen, den drei Millionen Euro jährlich entgegenzustellen, die wir begrenzt auf acht Jahre als Anschubfinanzierung bekommen. Und das ist doch wirklich nicht so schlimm, wenn man bedenkt, was Land und Stadt dafür bekommen.

Was bekommen sie denn?

Sie bekommen eine Top-Wirtschaftsuni, die international wettbewerbsfähig sein wird, Arbeitsplätze für 80 BWL- und 30 Jura-Professoren und 200 Mitarbeiter, Studienplätze für 800 Jurastudenten und 1000 Weiterbildungsplätze. Top-Wirtschaftsleute wie etwa Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus werden zu uns nach Wiesbaden kommen, es wird ein studentisches Leben geben, eine Verjüngung der Stadt. Das sind nur einige Effekte der 120 Millionen Euro-Investition in den Bildungsstandort Wiesbaden.

Hätte es einer Privatuni wie der EBS, die nur Wenigen zugänglich ist, nicht besser zu Gesicht gestanden, ihre Law School ohne öffentliches Geld zu stemmen?

Größtenteils tun wir das doch. Von den 120 Millionen Euro organisieren wir 95,3 Millionen Euro über private Spenden von Unternehmen und Stiftungen, Studiengebühren und Bildungsfonds für Stipendien. Das Land gibt lediglich den Rest, die fehlenden 24,7 Millionen Euro als Anschubfinanzierung. Und das Landgericht hätte sowieso saniert werden müssen, egal wer das nutzt.

Gehört es zur öffentlichen Aufgabe eines Staates, Privathochschulen zu fördern?

Sagen wir so: Es kann doch nicht sein, dass staatliche Universitäten wie Goetheuniversität oder TH Darmstadt in unserem privaten Teich nach Geldern fischen dürfen, wir umgekehrt aber nicht. So würden wir am Ende von der Platte gedrückt. Man muss beiden beides erlauben.

Die GEW, Schulleiter und Schülervertreter finden das mit den Zuschüssen an eine Elitehochschule und den städtischen Geldern für die Sanierung des Landgerichts dennoch schlimm. Wirft die Kritik einen Schatten auf Ihre Uni-Gründung?

Nein, wir kriegen ein überwältigendes Feedback aus der Wiesbadener Bevölkerung, durch die Bank weg. Ich weiß auch, dass die Rathauskoalition in Wiesbaden aus Grünen, CDU und FDP, die das entschieden hat, ebenfalls ein sehr positives Feedback bekommt.

Ihre Vizepräsidentin Fuchs sagte in einer Diskussion mit Gewerkschaftern, EBS-Studenten könnten ja beim Anstreichen der maroden Schulen helfen. Haben sich schon Studenten gemeldet, die zum Pinsel greifen wollen?

Frau Fuchs hat das keineswegs arrogant oder zynisch gemeint. Unsere Jurastudenten in Wiesbaden werden sich künftig genauso sozial engagieren wie im Rheingau. Ob das in Kindergärten, Heimen oder Schulen sein wird, weiß ich noch nicht.

Wie hilfreich war es bei den Zuschuss-Verhandlungen mit dem Land, dass der hessische FDP-Fraktionschef Florian Rentsch im EBS-Stiftungsvorstand sitzt?

Überhaupt nicht. Rentsch ist erst Ende 2009, also nach der ganzen Entscheidung in den Vorstand, eingetreten. Übrigens hat auch die SPD die ganze Sache mit betreut. Wir haben in der Planung extra den Bürgersaal am Campus berücksichtigt, den die SPD gefordert hat.

Zum Deal mit Stadt und Land gehört, dass Sie die EBS zu einer Top-Wirtschaftsuniversität mit internationalem Ruf machen. Hat eine Privatuni in Deutschland mit seinen starken staatlichen Universitäten überhaupt eine Chance, es mit Top-Adresse wie der Wharton School oder der Haward Business School aufzunehmen, die ganz andere Rahmenbedingungen haben?

Ich glaube schon. Wenn man sich die global besten Player in Europa und der Welt anschaut, dann sind das mal staatliche, mal private, mal gemischte Formen. Ich glaube nicht, dass das von der Organisierung abhängt, sondern von der Art der Unterstützung - sei es durch Alumni-Netzwerke, sei es durch die Öffentlichkeit, Studenten oder eben die Wirtschaft.

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Datum:  20 | 3 | 2010
Seiten:  1 2
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